Sieben Jahre Regenschauer


Eine sitzt neben mir, die sitzt so weit neben mir, dass ich die gar nicht mehr richtig sehen kann. Ich glaube, die ist geil. Gegenüber sitzt Yono (oder Yolo oder wie das heißt), Aino, die Frau von Christoph Schlingensief. Schade ist das mit dem, das ist wirklich schade. Sie guckt völlig benommen die ganze Zeit in irgendeine Ecke des Busses. Oder sie guckt die neben mir an. Die, die so weit neben mir sitzt, dass ich sie nicht sehen kann. Ich glaube die beiden überbieten sich mit Trauer und Depression. Das ist ja eine schlimme Sache, diese Depression. Eine richtige Volkskrankheit ist das. Jetzt gucken auch schon die anderen so traurig. Der ganze Bus stürzt in eine tiefe Trauer, und ich bin mitten drin.

Vor einigen Stunden wurde der neue Papst gewählt. Also hier sehe ich davon aber nichts. Das muss man sich mal vorstellen, da wurde gerade eben, so wie so aus dem Ei gepellt, ein neuer Papst gewählt, und hier gucken alle wie sieben Jahre Regenschauer. Kommt aber ja auch kein weißer Rauch aus dem Auspuff.

Setze mich um, um die Geile besser zu sehen, doch sie steigt aus. War auch gar nicht so geil. Irgendwie abgenutzt, verbraucht. Gibt es eigentlich eine gewisse Lebenszeit, in der man noch gut aussieht? Oder sieht man schon mit Eintritt aus der Gebährmutter aus wie ein faltiges Stück Fleisch? Ich glaube nicht, das kann auch der Papst nicht wollen. Es besteht also Grund zur Hoffnung. Hoffnung auf ein Leben ohne Falten. So eins, das selbst den Widrigkeiten einer Busfahrt wiedersteht. Nein. So sieht das hier nicht aus. Außerdem ist keiner mehr da. Ich bin traurig.

Ein Typ in Warnweste mit einem Rucksack an dem DB baumelt steigt aus. Was hat das zu bedeuten? Diskrete Gebete (Entschuldigung, dass musste jetzt sein), nein, es heißt natürlich Diskrete Bombenentschärfungseinheit – ein geheimer Code, der zu verschlüsseln versucht, um was es geht: die Diskrete Bombenentschärfungseinheit. Ein zweiter Mann mit Warnweste, der eine Tasche trägt, steigt aus. In der Tasche ist so etwas wie die Bundeslade verstaut, das diskrete Bombenentschärfungseinheitsgesetz. Ja, das ergibt Sinn. Da hat der Papst noch einmal Glück gehabt, dass es da draußen Menschen gibt, die sich so um ihn sorgen.

Mitten im Industriegebiet steht ein Indianer und wartet auf den Papst. Wirklich, der steht da und wartet. Ich warte auf den Tod. Und eine Pizza.