Fehlverwachsungen

Morgens halb zehn in Deutschland. Ich kotze, wo ist mein Knoppers (schreibt man das so?, interessiert keinen Menschen)? Schon wieder zu viele Menschen. Überall nur Menschen.

Mensch, was bist du?
Wer?
Mensch, wohin gehst du?
Wenn du tot bist?

Ich kenne einen, der schreibt so. Schreibt Gedichte und so. Das dürfte der gar nicht so nennen. Eine Scheiße ist das. Mir gegenüber sitzt einer, der sieht so aus. Ist ja auch egal, wie der aussieht.

Dahinten sitzt eine, die starrt. Die hat eine Sonnenbrille auf, die die Augen komplett verdunkelt. Sie ist diejenige, die die Apokalypse einleitet. Wenn der Himmel sich verdunkelt, wird sie mit ihrer Sonnenbrille über dem Himmel scheinen.

Hat der Wichser hinter mir kein Zuhause? Der schiebt seinen Ellenbogen in meine Fresse und lehnt sich dabei genüsslich an die Sitzbank. Die ganze Zeit zieht der seine scheiß Nase hoch. Ich kotze. Geh weg! Ich will die Apokalypse noch miterleben. Das stelle sich mal einer vor – in wenigen Augenblicken wird die Welt untergehen, und ich sterbe kurz vorher an einem Ellenbogen in meiner Fresse. Ne o ne, so hab ich mir das nicht vorgestellt.

Da kommt eine rein, die hat eine Stirn, die ist größer als die nördliche Hemisphäre. Ich habe Angst.

Die Apokalypse starrt immer noch.

Mir schräg gegenüber sitzt eine, der ist das alles egal. Sie sieht geil aus. Aber auch nicht zu geil. Kann mich noch beherrschen. JETZT GLOTZ nicht so auf mein Handy! Der mit seinem Ellenbogen in meiner Fresse glotzt mir die ganze Zeit auf das Telefon. Dabei liest der doch ein Buch (keine acht Seiten). Wie kann das sein? Wie kann so ein Flegel überhaupt das Recht haben, lesen zu dürfen? Auch der zu hoch gewachsene Gnom weiter vorne liest ein Buch (achthundert Seiten). Aber der darf das auch. Der schnieft ja schließlich nicht die ganze Zeit die Nase. Liest eine Abhandlung über die weiten teils unbekannte Theorie von Albert Einstein über relative Fehlverwachsungen bei Kleinwüchsigen.

Hauptbahnhof. Paula Lambert und eine zu groß geratene Pornodarstellerin steigen ein. Paula guckt gelangweilt (zu wenig Sex), die Pornodarstellerin hört scheiß David Guetta oder so eine Scheiße. Sieht auch so aus. Trägt ein so einen Nuttenblazer. So sehen die aus. Ich frage mich, was Paula machen würde, wenn man die zu groß geratene Pornodarstellerin und den fehlverwachsenen Gnom zusammenbringen (in Anführungszeichen) würde.

Nein, die Apokalpyse. Zu spät.

Anonyme Schüchterne

Drei Bier,
Keine Vier,
Ein Gedicht,
Kein Gewicht,
Weiterlesen,
Nichts gewesen,
Einen Sinn,
gibt es nicht.

Da sitzt eine, die ist Barbie, hat aber schwarze Haare. Eine scheißverfickte Bananenschale hängt aus dem Mülleimer. Nennt man das so, also diesen scheiß Mülleimer an der Wand einer U-Bahn? Herrgott, ich hasse scheiß Mülleimer an scheiß Wänden von Scheißubahnwänden. Ubahnwandmülleimer. Was redest du da? Verstehe kein Wort! Wo kommt die her? Egal, interessiert keinen Menschen, die sieht nicht gut aus. »Wie schläfst du?«, o, die kann ja doch Deutsch. Jetzt redet die wieder so anders. Französisch oder so. »Ca va?«, ja genau, »travallier«, wie wird das geschrieben? Arbeiten oder so.

Eine mit schönen Augen guckt eine an, die ich nicht sehen kann. Eine ohne schöne Augen guckt mich an. Toll, was für eine Scheiße. Meine Zunge hängt raus, o Gott, drei Bier, das darf doch wohl nicht wahr sein, wie peinlich. Wann guckt die mich endlich an? Ich habe doch schon drei Bier getrunken. Sie hat mich angeguckt, o ja, die drei Bier zeigen Wirkung. Achtung:
Es kommt die Zeit im Leben eines Mannes, da merkt man, dass es nur auf Geld ankommt.
Eine, die schüchtern ist, guckt mich auch an. Ja, ich bin auch schüchtern, lass uns zum Kreis der anonymen Schüchternen gehen.
»…«
»…«
»…«
»…«
»Also,«, interessiert doch keinen Menschen.

Muss aussteigen, Scheiße. Mädels, ich muss gehen. Keine sagt ein Wort. Gehen wohl alle zum Kreis der anonymen Schüchternen.
»…«, …

Ein Mädchen – willst du mich in den Arsch ficken?, stehe an der Bushaltestelle, und einer materialisiert sich in mich rein, der Typ, widerlich, Stichwort Mindestabstand – grinst mich an (Plaktat) und sagt mir, sie würde gerne die Weltmeere erobern. Ich würde gerne ____ erobern. Scheiß Meinungsfreiheit. So einfach ist das.

Die Sabbeltasche ist auch wieder da. Sabbelt aber nicht. Sitzt da alleine vor sich hin. Wie armselig. Mach doch mal was. Hör doch mal auf zu lesen. Das bringt doch nichts. Nimm mein Handy oder so. Das hat mehr Amplituden als du. Ist aber auch wieder gemein hier alles. Ich kann doch auch nichts dafür. War doch nicht meine Idee.

Sitzt da eine, die hat ein MacBook (wird das so geschrieben?) auf dem Schoß. Warum sitze ich da nicht? Die sieht gut aus und hat einen Pony (bei Frauen kann man das ja so sagen). Jetzt liest die ein Buch. Toll, und schlau ist die auch (fünftausend Seiten – mindestens). Was macht die hier? Warum fährt die Bus? Hat die kein Geld? Oder keinen Liebhaber, der sie von überall in abramovichgleicher Manier mit einer Zehnkommasiebenkilometeryacht (»Haha, ja mein Lieber, zwei Meter, es kommt eben doch auf die Größe drauf an.«) abholt? Das ist so eine, die strippt für Geld. Die ist eine Begleitdame (wie heißt das nochmal?, verdammt nochmal, Stichwort drei Bier), Hostesse, Geisha, was weiß ich. Sex auf jeden Fall. Für Geld. Die sieht gut aus, ist intelligent, hat Geld und ein MacBook, und Sex. Die hat alles. Was will die hier noch? Die müsste eigentlich augenblicklich, auf der Stelle, tot umfallen. Die hat doch alles. Was will die noch (Stichwort Jesus und so)? Wo ist eigentlich Florian David Fitz, wenn man ihn braucht? Den würde ich sofort fragen, wo die Apokalypse für die bleibt, ich meine, gerade jetzt, wo doch Jesus da ist. Was will die hier? Und vor allem, warum um alles in der Welt fährt die Bus? Bin auch zu schüchtern, mal zu fragen.

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