Kleingedrucktes (eine Welt ohne Verkäufer)

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Regen. Fischmarkt.
Dahinten geht die Welt unter. Hier scheint noch die Sonne, aber dahinten – Wolkenbruch, Sonnendetonation, Orkan. Kyrill oder wie das heißt.

Da steht Hotspot. Ich so les erstmal Hotslut.
Besoffen.16 Uhr. Sollte ich mir Sorgen machen?
Nein.
Landungsbrücken. Ist viel Wind mit bei.

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Hauptbahnhof (Hbf.).
Ganz ruhig.
Aussteigen. Mönkebergstraße.
Was jetzt?
Straße rauf, Straße runter. Regen. Düster.
Wohin? Wieder Straße rauf, Straße runter. Nichts!
Irgendwann finde ich mich in einem Einkaufszentrum wieder (irgendeinem!).
Parfüm. Flaschen (Flakon oder wie die Scheiße heißt). Frauen. Schminke. Licht.
Grelles Licht, Massenmenschen. Panik.
»Vierter Stock.«, sagt die.
Rolltreppen.
Unendlich.
Oben. Rechts, links – nichts.
Ich folge Wegen und oder oder Schildern (?).
Nichts.
Kurz davor – ich stelle mich an das H&M-Plakat und uriniere Linda Evangelistas Schritt in engen Höschen (Bade) voll. Breitbeinig. Strand. Kann sich kein Mensch vorstellen. Draußen Regen, drinnen Strand. Ständer.
Doch ich schaffe es noch rechtzeitig und spüre meinen Schwanz das Pissoir runterspülen.

Stunden (Jahre) später. Bus. Neben mir sitzt ein so ein kack Verkäuferarsch. Anzug. Jacke. Schuhe. Alles billig. Sein Gesicht ist billig. Krawatte, scheiße gebunden. Schuhe, braun. Der Rest ist schwarz. Nein. Der hat dünne Pergamenthaut und Falten, – Gräben.
»ICH WILL DEINEN SCHEISS MERCEDES NICHT!«
Dieser Arsch. Es steht ihm ins Gesicht geschrieben. Der will nur verkaufen. Immer nur verkaufen. Wie schön wäre die Welt ohne Verkäufer.
»NEIN, ICH WILL JETZT NICHT!«
Und lutschen. Lutschen würde er jede, die er kriegen kann.
Der hat einen Aktenkoffer. Was soll da drin sein? Kleingedrucktes? Ja. Pornos. Praline. Ist so.

Ein so ein dürrer Halbjugendlicher* zieht sich aus. Bis auf den Pullover. Oberarme, Steichhölzer. Gesicht, Robbie Williams. Vielleicht hat er doch noch eine Chance.
Ja.
Der wird mal BWLer.
Doch.

Daneben sitzt Uwe Seeler. Liest ein Buch (fünfhundert Seiten). Kann nicht sein.

Das ist der König im Bus. Der Platz hinten links –
dann verschwindet der Verkäufer, und ich kann mich endlich auf meinen Platz setzen.

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Schwarz.
Es ist so dunkel draußen, dass ich Angst habe.
Winter oder so. Zeitumstellung.

Vor mir sitzt eine, die ist echt geil. Ich habe doch richtig gelesen. Eng, Haare, Wangen. Aber die unterhält sich mit sich selbst. Ich weiß nicht, was die da macht, aber ich verstehe sie nicht. Dann ist sie traurig. O, das ist aber auch Scheiße. Kann ich dich trösten?
Man wird ja wohl noch mal fragen dürfen.

Halte Ausschau, nach einem Massenmörder. Ist aber keiner da. Ist doch sonst immer so – du, dein Auge ist rot und so weiter, und schon fängt es zu jucken an –, aber hier ist das nicht so. Keiner da, auch wenn ich noch so suche.

Die Welt ist vielleicht doch noch nicht verloren.
Jesus. Florian, wo bist du?
Oder die, die sich allein unterhält, spricht sich Mut zu, doch noch aus dem Fenster in die Nacht zu springen und dem Verkäufer doch noch den Kopf abzuschlagen.

* Teil 1
Der lacht die ganze Zeit. Der hat doch was. Starrt auf sein Telefon. Lacht wieder. Lacht so überlegen, dass man glauben könnte, seine Arme wären aus Stahl. Sind sie aber nicht. Also was hat er? Wahrscheinlich ist irgendsoeine Fickbitch auf seine Robbiewilliamsfresse reingefallen.

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Teil 2
Entschuldigung, aber es geht noch weiter. Der krümmt sich vor lachen. Sein dürrer Körper bricht fast auseinander. Aber ich kann ihm nicht helfen. Robbie hatte es auch nicht immer leicht. Da müssen wir alle durch.

Scheiße.

Neohitler – jeder muss mal sterben

Neben mir sitzt einer, der ist paranoid. Guckt die ganze Zeit zu mir rüber. Heimlich. Ist aber nicht heimlich. Guck woanders hin, du Wichser, ich habe Besseres zu tun.

O Gott. Vor mir sitzt eine, die ist zehn Meter groß. Guckt sich ein Buch an, da sind nur Kurven und Zacken drin. Diagramme oder so. Mathe. Weiß der Teufel.

Ich fliege über die Billwerder Wiesen. Es ist Sommer. Ich lache. In der Bahn. Wie peinlich.

O Gott ist das peinlich. Ein Typ im peinlichen Anzug mit einer peinlichen Sonnenbrille trinkt aus so einem peinlichen Sturbuckscoffeetogobecher. Hört Weltkrieg 5 oder so. Neohitler und so weiter. Ein Scheiß, kann sich kein Mensch vorstellen. Liest ein Asensi (achthundert Seiten). Ein Buch soll das wohl sein. Ich weiß es nicht. Neoromantism.

Neben mir sitzt eine mit einem Jungshaarschnitt. Macht mich aber trotzdem total an. Ich hoffe, sie merkt nicht, dass ich ihr die ganze Zeit in den Schritt starre. Geile Beine, enge Hose. In Kombination mit dem richtigen Hüftumfang gibt es die perfekten Beine. Sie hat die. So schön. Das macht ihren Jungshaarschnitt wieder wett. Gepunktet ist die außerdem.

Ich glaube, die Mathematikerin ist Ärztin oder so. Sie lernt nur noch Kurven (oder wie heißen denn diese hektischen, grünen Striche auf den Monitoren im Krankenhaus, die den Herzschlag anzeigen?) auswendig. Ich hoffe, sie schnibbelt an meinem Herzen rum, wenn es nicht mehr so will. Sie beruhigt mich irgendwie.
»Jetzt nehme ich das Skalpell und schneide parallel zur Aorta ihr Herz auf.«
»M-hm.«
»So, das sieht schon mal ganz gut aus. Ja, das haben wir gleich. … Jetzt piekst es vielleicht ein bisschen.«
»…«
»Geschafft.«
Mir ihrem Auswendiggelerne. Ich mag sie. Ruhig. Schüchtern. Vornehm. Und riesig. Vielleicht sterbe ich auch an ihrem Messer. Eine schöne Vorstellung.
»… Herr Martens, wir haben es leider nicht ganz geschafft. Herr Jesus wird sie in wenigen Augenblicken empfangen.«, (Name vom Autoren geändert).
»…«

»Verzeihung.«
Was will der denn? Der Weltkrieg 5-Typ will raus. Verzeihung, wie sich das schon anhört! Pisser. Der soll nicht an ihrem Messer sterben.

Schmeiß den ersten Stein

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Scheiß Bahn, kommt schon wieder zu spät. Obwohl ich besoffen bin. Was hat das damit zu tun? Interessiert keinen Menschen. Ich muss schreiben, denn ich kotze. Die graue (Autokorrektur, graue, Grütze, das passt auch) Welt (Grütze) kotzt mich an.

»Untertitel anstatt To Go.«
»Satt und überall.«
»Volumen und so, das sagt dann son Alter Opi.«
»O ja.«, ahehehe hihihi.
»Son Lachflash während der Präsentation.«, ahihihi.
»Sone Masse.«
Fünftausend Studenten steigen ein. Dammtor. O Gott. Die haben auch nichts besseres zu tun.
»Maria?«
»Wo ist Maria?«
»MARIA!«
»Maria sucht Joseph.«, hahaha!
»HUUUU!«
»Hast die Eier schon?«
»Die hat der Bauer noch.«
»HUUUUUU!«
»Die müssen erst noch gelegt werden.«
»HUUUU!«
Fünftausend Senioren, die nicht aus Hamburg kommen, steigen ein. Sie amüsieren sich prächtig. Finden es irgendwie lustig, dass die Bahn ab und zu auch mal bremsen muss.

Um Gottes Willen, da steht Anais Pouliot. Und ich habe sie eben doch erst gegoogelt (Bildersuche, Safe Search deaktiviert; moderat, wie hört sich das auch schon an). Ist auch ein bisschen A Fine Franzy. Die scheiß Bahn war zu spät, aber um Gottes Willen, sie darf mich nicht rennen sehen. Ich renne. Als ich aus ihrem Sichtfeld verschwunden bin, fange ich an, zu rennen. Ich muss den Bus nicht bekommen. Ich muss nur nah genug dran sein, um den Stein zu schmeißen. Und zu treffen.
»Wer von euch ohne Schuld ist, schmeiße den ersten Stein.«, Jesus.

Nur scheiß Kerle hier. Was soll das? Ich verstehe das nicht. Das muss man sich mal vorstellen. Dann kommt der Bus, und neben mir sitzt ein fetter Hipster. Undercut, Strickjacke, Loop, Gentrefizierung. Chucks ohne Schnürsenkel. (Mein Gott, ich bin so besoffen, dass ich für jedes Wort zehn Anläufe brauche.) Eine Prostituierte schreit durch den Bus. Dann bremst der Bus, und die fliegt an den nächstbesten Masten. Na an so eine scheiß Stange, an denen man sich festhalten soll. Die steigt mitten im Niemandsland aus. Hier ist nichts. Moorfleet oder so. Nur Felder und Wiesen. Was für eine perfide Orgie findet da denn satt? O mein Gott, ich glaube es nicht. Alle Männer drehen sich nach der um. A-l-l-e. Auch der Spießer. Der dreht sich am meisten um. So richtig, so ich nehm dich richtig. O GOTT, dieser verfickte Busfahrer fährt aber auch wie die letzte Scheißsau! Der Russe, der, der auch hinterhergeguckt hat – weiß auch nicht, der sieht einfach so aus, redet auch so – trägt eine wildgemusterte, blaue Oversizedjacke. Dazu trägt er so ein Cappy. So ein Cappy, das diese ganzen scheiß Hiphopper tragen, oder Sportler (Baseball oder so, ja?). O GOTT, wie schnell will der eigentlich noch fahren? ––– O GOTT, ich habe den verdammt noch mal verkacktesten Platz im gesamten Bus. Ich sitze hinten. Ganz hinten. Und ganz in der Mitte. Der Busfahrer ist besoffen. Er ist auch besoffen.
»Hallo, ich wollte schon noch aussteigen!«, schreit einer, der aussteigen wollte. Der Bus fährt einfach weiter. Und es stimmt, das Bus-hält-Signal leuchtet.
»Jo.«, antwortet der Busfahrer, jo, wenn ich das schon höre, das kann man nicht sagen. Der fährt wie blöd. Dann weicht er einem Auto aus, das wäre fast in uns alle reingefahren.
Das erste mal sage ich irgendetwas zu irgendwem im Bus (ich gucke den fetten Hipster an, er mich. Ganz kurz. Schüchtern, dann dreht er sich wieder weg. Ich gucke wieder. Er auch. Kurz. Und so weiter. Irgendwann): »Besoffen.« Dabei weiß ich nicht, ob ich es auf den Busfahrer beziehe oder auf mich, in der Hoffnung, dass es vielleicht doch alles nicht so schlimm ist. Ogottogott, man darf gar nicht dran denken. Wenn man dran denkt, was alles passieren könnte, würde man auf der Stelle wahnsinnig werden (zu einer Salzsäule erstarren quasi).
Ich werde sterben.

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Da geht eine, die klimpert. Hat wahrscheinlich Liebesperlen drin mit Glocken dran.
»Drin ist noch nicht dran.«, hat unser Pastor immer gesagt (öhm, dran ist noch nicht drin, heißt es – verdammter Alkohol. Nein.).
Ich stehe vor der Himmelstür und sehe dieses Bild vor der Bahn.