Zeitung

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Da sitzen so zwei – sieht so aus wie ein altes Ehepaar, so mit Love Forever und so weiter, schüchtern, schüchtern zusammen, zusammen sind wir schüchtern, wie zusammen sind wir stark, nur schüchtern, geben sich Halt, Geborgenheit in ihrer Schüchternheit –, die lesen Zeitung. Aber die lesen keine Zeitung, die spielen nur damit. Die knicken, die basteln, die falten, Origami, es knittert, es knistert, es raschelt. Ich weiß es auch nicht. Das kann sich kein Mensch vorstellen. In hundert Jahren – ich glaube, die haben noch nicht ein Wort gelesen. Was soll das? Vielleicht sind sie blind. Vielleicht sind sie taub. Vielleicht kommunizieren sie über das gemeinsame Falten der Zeitung. Ist ja süß. Na besser als nichts.

Kommt eine Mutter rein, die ist keine Mutter. So geil sieht die aus. Der Körper sieht jung und fest aus. Lang, schlank, ich liebe sie. Dann schreit ihr Kind los. Und hört nicht auf. Sie fängt an zu schwitzen, dann zappelt sie. Schließlich springt sie auf und kettet das Kind an den Kinderwagen. Abus. Es ist ruhig. Die Mutter auch, und ich gehe zu ihr und mache Liebe mit ihr auf den Ketten ihres Kinderwagens.

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Vor mir sitzt eine, die liest kindl oder wie das heißt, dieses Scheißebook. Leute, die sowas machen, essen auch Eier aus Legebatterien, Billigfleisch von Rewe und Gänsestopfleber. Fahren Auto für zwei Minuten, spielen mit dem Gas an der Ampel oder tanken Schweröl. Machen kein Yoga, haben keine Kinder und keinen Veggie Day. Die können nicht lesen. Die tun auch nicht so. Da sind die auch zu doof für. Kann sich kein Mensch vorstellen. Sie hält es, als ob sie es anguckt. Aber das ergibt ja keinen Sinn, denn die kann ja nicht lesen. Und gucken.

Du mit deinem kack braunen Nadelstreifenanzug kannst doch draußen warten. Es regnet. Und der will nicht rausgehen. Hat aber einen Regenschirm. Arroganter Pisser. Dann geht er raus und wir haben die Bushaltestelle für uns.

Im Bus fliegt ein Hund durch die Gegend. Ich muss lachen. O Gott, aber das ist wirklich lustig. So möchte ich sterben. Soll ein Hund durch die Gegend fliegen und mich vom Drama ablenken. Ich merke auch gar nicht, dass der Busfahrer fährt wie ein Henker.
Dann steht der schüchterne Ehemann auf und wirft dem Busfahrer die Zeitung an den Kopf. Ich wusste doch, dass die kommunizieren.

Eine Liebe

Ich vermisse einen Menschen mit dem ich mich so verbunden fühlte wie die Engel in ihrem Licht.
Und gleich einem Engel warst du für mich. Hell und rein. Wenn du lachtest ward mir warm, und als du weintest zerbrach mein Herz. Engel weinen nicht, meinte ich, doch du warst da.
Du warst da, und wärest du nur einen Tag hier, an dem ich deine Nähe spürte, so würde die Zeit stillstehen, und du hättest die Worte nie lesen können.
Dir widme und schreibe ich die Worte, denn ich vermisse dich. Ich vermisse einen Menschen und ein Königskind. Der Segen des Herrn liegt auf deinem Leben, und sein Licht leitet deine Wege.
Er hält deine Hand und liebt dich mehr als Liebe geben kann. Ich frage mich, ob du mich siehst. Ich fürchte mich, dass du mich siehst. Denn siehst du mich nicht, hätte ich nicht die Angst, dir zu mißfallen. Doch ich liebe dich. Und ich vermisse dich.
Ich vermisse einen Menschen, dem ich nur das Beste wünsche. Dich zu halten, will ich nicht, denn mit Freiheit seist du gesegnet. Doch würden sich unsere Wege treffen, würden sie dem gleichen Ziel folgen, so würde mein Herz Ruhe finden.
Doch nur ganz kurz. Denn wenn ich dir in die Augen schaute, müsste ich dir sagen, bis in alle Ewigkeit, was du mir bedeutest. Denn du bedeutest mir so viel. Du weißt, wer du bist. Behüte dein Herz. Ich vermisse einen Menschen nah bei mir.
Ich kenne dich wenig, und doch sehe ich dich. Ich schaue dein Herz und sehe den Engel, den der Herr gemacht. Hell und rein. Dein Herz ist gut, und deine Liebe strahlt weiter als die Sterne. Du hast so viel zu geben.
Ich danke dir dafür. Der Herr segne dein Leben, und deine Seele stärke all jene, die um dich wissen. Wir brauchen dich.
Und ich vermisse dich.
Amen.