58 Nachtaktive

Letzte Bahn, ist ja immer so eine Sache. Stockbesoffen, aber ansonsten völlig hirnbefreit. Egal, wer braucht ein Hirn? Ich glaube es nicht, Hauptbahnhof, aber kein Arsch da. Wenn hier jetzt Rechtschreibfehler drin sind, kann ich da aber auch nichts dafür.
»Hallo, ich heiße Maja und bin heute Morgen um 05:56 Uhr geboren. Ich bin 41cm groß und wiege 2999gr. Mein großer Bruder freut sich zusammen mit meinen Eltern, dass ich endlich da bin.«
Herrje, wer hat heutzutage eigentlich noch Freunde? Also ich nicht. Habe ja nicht mal einen in der Bahn. Gibt es etwas Tolleres, als größer als irgendwer anderes zu sein?
»58.«
»?«
»58 fährt der.«
»?«
»Schwör Digger!«
»?«
Schwör Digger, habe noch nie einen Bus gesehen, der so leer war. Quasi kein Platz besetzt. Nur so Typen, die aussehen, als ob sie die Letzten auf der Welt wären. Meine Augen brennen, der Bus heitzt, als ob es das Letzte wäre, das er in seinem Leben tut. Jetzt FAHR DOCH NICHT SO SCHEISSE, DU WICHSER! Sind auch nur Männer hier. Lächerlich. Keine einzige Frau. Was soll ich denn hier?

Besoffen ist es ein Schönes an einer verfließten Wand entlang zu gehen. Der 58er-Typ steigt aus. Sind immer nur noch Männer hier. Sind das die Einzigen, die nach 21 Uhr leben?, wie so Tiere, so Nachtaktive, sexuell Andersgeartete vielleicht. Das muss man sich mal vorstellen. Kann sich kein Mensch vorstellen, auch kein Nachtaktiver.

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Gibt es eigentlich insgesamt etwas Tolleres als jungfräulichen Schnee, der so toll glänzt?

Weltreise

Besoffen, kein Mensch da. Wie kann das sein? Alte Wöhr, was ist das denn? Habe null, also wirklich keine Ahnung, was das sein soll. Wir stehen. Höre Schritte. Ist aber keiner da. Barmbek, was ist das denn? Wohnt da jemand? Es schneit. Schön ist das. Ich brauche nichts anderes mehr. Die Schneeflocken, wie schön die fallen und so. Kommen ein paar Leute rein. Die interessieren keinen Menschen. Draußen schreien irgendwelche Wichser »Hurensöhne«, können ja nur HSV-Fans sein. Neben mir sitzt so ein Hipster. Auch so ein Wichser. Kommt so ein Paar rein, Friedrichsberg, was ist das denn?, die sind unglücklich miteinander. Wandsbeker Chaussee – der hässlichste Stadtteil aller Zeiten. Zwei Kontrolleure eiern rum. Was wollen die denn? Sind auch schon wieder weg. Ein kleiner Alter schlurft rum, hat auch keine Ahnung, wohin er soll. Setz dich doch erstmal hin. Eine junge Schöne sagt mir, alles gut. Habe mich aufgesetzt, als sie reingekommen ist. Schön ist das. Da redet einer mit mir. Weiter hinten ist Party, junge Halbnackte schreien rum. Die Schöne steigt wieder aus. O Gott, eine Schulklasse oder so. »Mein rechter rechter Platz ist frei« – haha. Zwei Obszönschöne sitzen vor mir. Möchte ihnen in die Fresse hauen – so schön sind die dann auch wieder nicht.
»Mein Bruder ist heute nach Irland ausgewandert.«, fick dich, toll. Wen interessiert das?

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Ich muss eine Weltreise machen, um zur S21 zu kommen. Was soll denn das? Die Scheißbanken sind scheißkalt. Mein Arsch friert fest, ich sterbe. Aufstehen! Es schneit. Verliere dich in der Welt bis nichts mehr übrig bleibt. Nur du vielleicht. Was? Der Schnee fällt aber auch mal wirklich so schön. Mann, ist das kalt, kann sich kein Mensch vorstellen. Ein Zwölfjähriger spuckt auf den Bahnsteig. Was macht der hier?, ist nach zwölf. Spuckt wieder. Ich habe Durst. Wie spät ist es? Ich sterbe. Es ist kalt. Hör doch mal auf hier rumzuspucken! Ich kotze! Das ist noch viel schlimmer. Zwei Typen unterhalten sich in einer Sprache, die ich nicht kenne.

Scheiße, warum fährt die Bahn von ganz woanders? Ein paar Vögel sitzen wie auf so einer Hühnerstange vor mir. O Gott, alle viel zu alt. Was wollen die hier? Ein Typ ohne Schwanz neben einer, die ist nicht schön. Was soll denn da rauskommen? Udo Lindenberg von hinten sitzt vor mir. Ist hier schon Tiefstack?

Der Weg ist weiß. Schornsteine machen Wolken. Eine Geile kommt. Ich pisse. Das Mädchen mit den Weltmeeren ist wieder da. Im Bus wollen mir Regale Bücher andrehen. Welcher Idiot will, dass man vorne einsteigt und die Karte zeigt? Der Scheißbusfahrer fährt wie ein Wichser, falle zu Boden und werde durch den Bus geschleudert. Ein so ein Wichser hat mich erkannt und schickt seinem Scheißfreund eine SMS, von wegen ich habe den Wichser gesehen, der immer aus scheiß Bussen schreibt. KANN DER MAL NORMAL FAHREN, DER WICHSER? Soso, ein Buch mit Bandlesezeichen hast du da (wie heißt denn das?). Willst wohl ein ganz schlauer sein, ja? Da kommst du nicht mit, ich habe einen Bart und höre die Scheiße. Ein so ein kleiner Junge schnieft die ganze Zeit mit der Nase (17, Wichser). Hat Köpfhörer auf und eine ganz, ganz schlimme Nase. Eine Geschiedene grinst die ganze Zeit. Eine Schulklasse steigt ein. O Gott. Sieht keine wirklich gut aus. Jung, aber nicht wirklich gut. So wird das ja nie was. Röhrenjeans sind kein Garant für Sex.

Irgendwie hab ich aber doch Bock. Würde es toll finden, wenn jetzt Schluß wäre. Aber es geht nicht. Die setzen sich dahin, sabbeln eine Scheiße, das kann sich kein Mensch vorstellen, »Fuck!«, und haben Leggins an. Die sehen aus wie ein afrikanischer Streichelzoo. Gibt es einen Rucksack, der Threesixty heißt? Ogottogott, ich bin zu alt für den Scheiß. Leonie, Simon, Herrgott. Jaja, glotz nicht so doof. Der – »Dennis, o ey, Fuck!« – Bus wackelt so schön, wie auf dem Meer oder so. Die eine hat versetzte Augenbrauen, der Typ hat Aids, und sie hat »crazy Socken« (»omg«). Der Busfahrer ist ein Wichser und sie Pornodarstellerin. Stichwort Lippen.

Mein Buch im Schnee

(Dies ist eine Geschichte, die ich vor über zehn Jahren angefangen habe zu schreiben – muss man nicht lesen, kann man aber; ist auch noch nicht fertig, und ob sie gut ist, weiß ich auch nicht mehr so richtig, und dass Fehler drin sind, weiß ich jetzt schon.)

– I –
Schneeträume

Es ist der Traum vom Winter, der im Inneren meines Herzens schlummert. Jeden Tag hoffe ich, und bete, dass sich der Himmel gnädig zeige und ein paar Schneeflocken vom Himmel werfe.
Ich liebe den Winter. Am liebsten sollte es nur Winter sein, weiß in weiß. Die Bäume sind bedeckt von Schnee und scheinen wie weiche Wolken über die Erde. Der Duft – klar und rein – von Schnee liegt in der Luft, und man hört das Knirschen des Schnees, Schritt für Schritt, wenn man durch das Weiß stapft. Alles verbindet sich im Schnee und verschwimmt zu einem Traum, wie er schöner nicht sein könnte. Und nachts, wenn man durch die Stadt zieht, erfüllt einen die Wärme, die aus jedem Fenster aus einer jeden Straße strahlt. Nur im Winter sind die Lichter so warm und weich. Und jeder auch noch so verbitterte Mensch freut sich tief im Herzen über jede Schneeflocke, die sich auf seiner Nase niederlegt. Und wenn dann noch die Weihnachtslichter leuchten, kann mich nichts mehr aus meinem Traum reißen.
Ich schwebe nur noch, und erfreue mich am Glanz einer ganz normalen Winternacht. Morgens, wenn es noch dunkel ist, und ich in den Bus steige, um zur Schule zu fahren, setze ich mich immer ganz vorne ans Fenster. Hier habe ich die beste Sicht. Denn ich will nicht ein Licht verpassen, was sich in mein Auge verirren möchte. Jeden Morgen werde ich durch eine kleine Strasse kutschiert, auf einem Schlitten mit sechs Rentieren natürlich, in der die Lichter den Schnee so hell erleuchten, gold-gelb, als ob die Dunkelheit vertreiben werden sollte. Alles strahlt und funkelt so hell, dass ich am liebsten aussteigen würde, um ins Licht zu fliegen und eins mit dem Licht zu werden, was die Menschen erfreut. Der eine Balkon ist so herrlich geschmückt und erleuchtet, dass man glauben könnte, jeder Mensch lebt nur für den Moment, im Winter die Menschen mit ihren Lichtern zu erfreuen.
Ich habe einen etwas weiteren Schulweg. Nachdem ich mit dem Bus gefahren bin, muss ich auch noch mit der Bahn fahren. Das nervt mich eigentlich das ganz Jahr über. Nur im Winter nicht. Denn dann laufe ich vom Bus bis hin zum Bahnhof. Na ja, ich tapse eher hektisch, um nicht hinzufallen, was im hohen Schnee auch nicht weiter schlimm wäre. Aber ich will so schnell wie möglich zur Bahn gelangen. Na also, im Bahnhof angekommen renne ich die Treppen rauf und fange ab hier an, zu schweben. Die Bahn fährt hier grundsätzlich weit über der Strasse und den Dächern der Stadt. Ich blicke weit in die verzauberte Winterlandschaft, in der alle harten und grauen Ecken udn Kanten unter einer tiefen Schneedecke verschwinden. Auch die Menschen sehen viel fröhlicher und gelassener aus.
Aber ich sollte nicht so viel träumen. Ich will auch in der Bahn ganz vorne sitzen. Denn auch hier will ich die beste Sicht haben. Es ist schon heller geworden und mit jedem Stück, dass die Sonne sich über die weisse Siluhette der Stadt erhebt, mit jedem neuen Lichtstrahl, öffnet sich der Wintertraum ein Stück weiter. Jetzt fängt es auch noch an, zu schneien. Perfekt. Normalerweise mache ich in der Bahn noch Hausaufgaben oder lese irgendwelche Hefte. Aber in diesem Winter geht ds nicht. Ich muss die ganze Zeit nach draußen schauen. Es ist zu schön, über die verschneite Winterlandschaft zu fliegen und die vielen Menschen zu sehen, wie sie sich am Schnee erfreuen. Hier eine Schneeballschacht, da ein paar Kinder, die auf kleinen Seen schlittschufahren. Es ist herrlich.
Nachdem ich in der Schule war, gehe ich meistens noch in die Stadt. Denn hier werde ich in eine Zeit vor Strom und Lärm versetzt. Gut, es wuselt hier nur so von Menschen, die alle noch Weihnachtsgeschenke kaufen wollen. Aber die sehe ich nicht. Ich sehe nur noch die Menschen, die nicht zum Kaufen hier sind, sondern die, die sich auch verzaubern lassen und gemütlich über den Weihnachtsmarkt schländern. Na ja, ich sehe nun mal nicht den Weihnachtsmarkt, sondern einen alten Marktplatz, auf dem Weihnachtsgewürze, Kräuter und Kerzen in kleinen Ständen verkauft werden. An jedem anderen Stand verzaubert mich einanderer Duft, der mir in die Nase steigt. Und von Stand zu Stand tauche ich tiefer in die Vergangenheit eind. Die Lichter da, die ich noch seher werden zu Kerzen und Fackeln. Es werden keine Bratwürste auf kleinen Grillen gegrillt. Nein, ganze Schweine bruzeln über einem großen Lagerfeuer, um das sich viel Menschen tümmeln. Die Mütter fahren ihre Kinder nicht mit ihren Kinderwagen über den Markt, sondenr tragen sie in Tüchern auf ihrem Rücken und jeder kennt jeden, wenn man nach der Jagd einen Schluck zur Stärkung trinkt. Die Musik kommt nicht aus irgendwelchen Musikanlagen. Es sind die Sänger und Musiker von früher, die mit ihren Leiern und Trommeln das Herz eines jeden Menschen verzaubern. Ich kann mir nicht helfen, aber für mich ist die Winterzeit die schönste Zeit im Leben. Denn jeder Mensch braucht ein bißchen Zeit zum träumen. In jedem Menschen steckt immer noch ein Kind, was sich an Weihnachten und dem Schnee freut.
Ich weiss noch genau, wie es früher war. Ich weiss es noch genau. Wie jedes Jahr, so auch dieses Jahr, sind wir Weihnachten zu meiner Familien in die Berge gefahren. Den ersten Morgen, den ich hier aufgewacht bin, kam meine Mutter ans Bett und hat mich snaft mit einem Kuß auf die Wange geweckt. Ich öffnete meine Augen und begann zu strahlen. Genau wie die Sonne, die vor der Gardine hervorstrahlte.
“Aufstehen mein kleiner. Die Sonne scheint und es liegt Meter hoch Schnee”, sagte sie, während sie mir tief in die Augen schaute.
“Wirklich, Meter hoch? O jupiiieee”, erwiderte ich freudeerfüllt.
Ich rannte ans Fenster, riß die Gardine fast runter und wußte gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Es hat gestimmt. Na ja, meter hoch war der Schnee nicht, aber es war schon ne ganze Menge. Also rannte ich an meiner Mutter vorbei ins Badezimmer.
“Ich mach mich gaanz schnell fertig, um rauszugehen”, rief ich.
Gesagt, getan. Ich wusch mein Gesicht und meine Haare, wie ich es immer machen sollte und riss mir die Kleider auf den Leib. Schenell rannte ich die Haustreppe hinunter und bin fast hingefallen, als ich aus dem Fenster den ganzen Schnee sah. Im Esszimmer angekommen schrie ich mit glitzernden Augen: “Papa, Papa, kommst du mit in den Scheee? Biiiiitte!!!”.
“Nix ist mit Schnee. Kleiner Racker, jetzt wird erstmal gegessen!”, sagte es.
“Oh nööö. Ich will aber in den Schnee”
“Nein, erst essen, dann Schnee.”
“Nööööö”, ich war sehr stur.
Um die Geschichte etwas abzukürzen: Ich musste zuerst essen. Aber danach bin ich sofort in den Schnee gelaufen. Na ja, vorher habe ich mich natürlich dick angezogen. Aber ehe ich mich versah, fand ich mich im Schnee wieder. Ich habe mich im Schnee gewältzt und geturnt und meine Vater war immer an meiner Seite. Ja, ich konnte in überreden mitzukommen. Na ja, immer war er nicht an meiner Seite. Immer, wenn ich eine Schneeballschlacht angefangen habe ist er natürlich eher weggelaufen. Und wenn ich dann genug davon hatte, bin ich runter zu meinem Cousin gegangen, hab den Schlitten genommen und bin mit ihm auf die “höchsten” Berge geklettert. Eine halbe Stunde sind wir den einen Berg runtergesaust. Iglus haben wir gebaut, “fünf” Meter hoch und jeder Fluß in den Bergen entlanggeglitscht. Wir fanden keine Ruhe im Jahr des Schnees.

– II –
Mein Buch im Schnee

Und jetzt sitze ich hier und schreibe diese Geschichte. Und Schnee liegt keiner. Ich weiss nicht, ob ich traurig sein soll. Schließlich sind ja doch ein paar Jahre vergangen. Weiss nicht, ob ich traurig sein soll, dass kein Schnee mehr liegt. Recht selten zeigt sich der Himmel gnädig, um ein paar Schneeflocken vom Himmel zu werfen. Aber warum nur?
Sind die Menschen zu traurig gewoden? Haben wir verlernt, von Schnee zu träumen? Brauchen wir keinen Schnee mehr? Haben wir verlernt zu träumen? Ich glaube, kein Mensch vermisst den Winter mehr. Wir sind viel zu beschäfitgt, um zu träumen. Ich glaube, wir haben vergessen, zu hoffen, und daran zu glauben, dass es jemanden gibt, der uns fröhlich machen will. Aber wir sind zu beschäftigt.
Ja gut, ich bin traurig. Ich bin sehr traurig. Oft träume ich von Schnee. Und so oft ich von Schnee träume, so oft frage ich mich, ob ich überhaupt traurig sein darf. Denn schließlich sind ja schon ein paar Jahre vergangen. Ich denke oft an alte Zeiten. Und doch weiss ich, dass sie nicht wiederkommen werden.
Aber ich darf sie aufschreiben. Und Nacht für Nacht darf ich meine Erinnerungen besuchen. Sie dürfen nicht verblassen. Niemals. Und ich danke Gott für jede meiner Erinnerungen. Ich bin niemenad, der in alten Zeiten leben will. Ich weiss, was passiert ist, ist passiert. Und in meinen Träumen und Gedanken werden die einzigartigen Momente weiterleben. Und niemand, wirklich niemand, wird mir das jemals nehmen können. Ich weiss, dass es gut so ist. Ich begreife mehr und mehr, dass nur die Erinnerung, die, wenn sie stark genug ist bis ins tiefste Himmelreich reicht, dem Moment, dem Erlebnis seine Einzigartigkeit und Schönheit gibt. Die Erinnerung ist es, die den Moment bestimmt. Wenn ich mich nicht erinnere, ist das Erlebnis nichtig. Nur durch die Erinnerung wird es eweglich und so bedeutend. Die Erinnerung kann Leid und Freude bringen. Sie ist es, die uns zu Menschen macht. Nur durch das Ende eines Erlebnis begreifen wir die Schönheit dessen, was wir erlebt haben, in dem wir uns daran erinnern. Ohne die Erinnerung sind wir wie Eintagsfliegen. Wir lebten Tag für Tag, und danach ist alles aus, nur Tag für Tag neu. Ich sollte es zu schätzen lernen, den Moment Moment sein zu lassen und die Erinnerung mein Sein sein. Denn nur durch die Erinnerung bin ich ich. Ich danke Gott dafür, dass ich mich erinnern darf. Langsam geht es mir wieder besser. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Stift schaft, was mein Geist nicht schaffen wollte.
Ich habe wieder Hoffnung gefasst. Ich muss nicht flüchten in eine Welt, die ich schaffe, ich darf sie besuchen. Und sie wird niemals enden. Wo sie enden wird, weiss ich auch nicht. Aber ich bin gespannt, wo sie mich hinführen wird. Und wenn mein Stift aufhört zu schreiben, so weiss ich doch: die Geschichte geht weiter.
Na ja, was soll ich schreiben. Diese Erkenntnis hat mich lange Zeit getragen. Und sie wird mich noch lange tragen. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich denke, dass Leben kann beginnen. Ich denke, das Leben wird gelbt.

– III –
Ein ganz besonderer Tag

Einmal, da war es lange Zeit sehr kalt. Lange, lange. Ich lebe in einer Stadt und, na ja, ich habe es ja schon mal gestagt: es schneit hier hald nicht sehr oft. Und diesmal auch nicht. Aber es war einfach sehr lange sehr kalt. Minus 15 Grad oder so. Mans geht vor die Haustür, schließt die Augen und nimmt einen tiefen Atemzug. Wenn ich nicht wüßte, dass ich in einer Stadt leben würde, weiss ich, dass ich in einem kleinen Dörfchen am Wald, bei den Bergen in tiefsten Schnee wohne. Die Schneeflocken tanzen im Wind. Die vielen Tannen sind bedeckt mit Schnee, die Flüsse sind alle zugefroren und wenn man tief in sein Herz schaut vergisst man die Begrenztheit des Augenblickes. Dieser Augenblick dauert unendlich. Zumindest im Herzen. Die Luft ist einfach so klar und rein, dass man am liebsten nichts anderes als atmen würde. Man geht den ganzen Tag durch die Welt, als ob es der erste Tag im Leben wöre. Diese Luft haucht einem neues Leben ein.
Na ja, ich bin also zur Schule gegangen. Und an jenem Tag sind mir die zugefrorenen Flüsse erst so richtig aufgefallen. Denn ich hatte in den letzten Tagen viel Stress in der Schule. So beschloss ich, nach der Schule zum See in der Nähe meines Hauses zu fahren. Gut, es ist kein großer See. Und schön ist er auch nicht besonders, wenn er mitten in der Stadt liegt. Aber mal schauen, ob das Eis mich schon tragen würde.
So bin ich nach der Schule also, nachdem ich etwas gegessen habe, sofort zum See gegangen. Was dort geschah, hat mich gedrängt, diese Geschichte zu schreiben, sie festzuhalten. Es hat mir gezeigt, dass die Welt immer wieder neues bringt, was mich am Leben hält. Ich muss nur mein Herz öffnen, und ich werde immer wieder von neuen verzaubert. Ich will nicht vom Leben entfliehen. Ich weiss, dass das Leben so schwer sein kann. Aber wenn man einfach die kleinen Dinge um sich herum als unedliche Schönheit begreift, so weiss man einfach, wofür man lebt. Na ja, also ich war ja beim See angekommen. Also ich komme da an, und scheinbar bevor ich irgendetwas sehe, fangen meine Augen an yu leuchten. Mein Herz wird warm, obwohl der eisige Wind an meinen Ohren vorbeisaust. Ich müsste eigentlich erfrieren.
Ich blicke in die Ferne. Die Autos von der Strasse brausen noch mit lauten Motoren hinter mir entlang. Ich schaue auf den See und kann erkennen, dass der See wirklichzugefroren ist. Und je weiter ich mich von den Autos und von dem Lärm der Stadt entferne, je näher ich an den See komme, desto tiefer tauch ich erneut in eine Welt voller Fantasie und Schönheit ein.
Es ist ja nicht so, dass ich jedes Jahr diese Schönheit vor Augen sehe. Ich habe mein halbes Leben darauf gewartet, dass doch der See seine Wasser gefrieren lässt, und ich einmal über den See gehen könnte. Mein Halbes Leben. Jedes Jahr war ich hier. Jedes Jahr, doch nicht einmal konnte ich den See betreten.
Doch jetzt sehe ich das Eis des Sees vor mir, so klar und rein. Es ist durchsichtig und man kann bis auf den Grund des Sees schauen. Ich wünschte, wie das Eis den See gefrieren lässt, könnte ich diesen Moment in mein Herz einfrieren. Aber ich danke Gott, dass ich diesen Moment nie vergessen werde. Ich kann es nicht fassen. Seit Jahren in dieser Stadt hat der Winter jedes Mal vergessen, die Kälte mitzubringen. Nur dieses mal nicht. Jetzt ist er da. Es ist unbeschreiblich. Weiss nicht, ob ich auf den See gehen soll. Wird mich das Eis schon tragen? Ich setze meinen ersten Fuß auf das Eis. Langsam bewege ich mich vom Ufer weg. Ich höre nichts knacken. Ich springe ein wenig herum. Und immer noch nichts. Scheinbar wird es mich halten. Ja, es hält. Und jetzt ist es passiert. Alle Sorgen, alle Gedanken an scheinbar Wichtigeres sind von einer Sekunde auf die andere vergessen. Ich beginne mich in eine Welt zu verirren, die ich nicht mehr so schnell vergessen werde. Das Abenteuer beginnt. Ich schaue mich um, und das erste, was ich bewußt wahrnehme überrascht mich etwas. Kein einziger Mensch ist auf dem Eis. Bin ich der einzige Mensch in dieser Stadt, der sich auf diesen Moment gefreut hat? Es ist wirklich keiner da. Ich verstehe das nicht. Und wieder frage ich mich, ob die Menschen vergessen haben, zu träumen. Aber na ja, denn das ist ja jetzt auch egal.
Ich schaue mich weiter um. Die Unendlichkeit und Klarheit, die das Eis und die Kälte hervorruft ist unbeschreiblich. An den Bäumen klirrt der Reif. Der Wind spielt eine geheimnisvolle Melodie. Die Ruhe übermannt mich und ich bleibe einfach einige Minuten stehen. Ich blicke mich weiter um. Der See ist eigentlich nicht besonders groß. Aber wenn ich an den Horizont schaue, scheint der See niemals zu enden. Alles scheint, als wäre es seit Menschen gedenken, hier schon immer so ruhig gewesen. Doch das fält mir ein, dass ich sicherheitshalbe schon Schlittschuhe eingepackt habe. Auf gehts. Die hole ich doch gerade. Je weiter ich mich der Straße nährere, je weiter ich mich vom Ufer entferne, desto weiter werde ich wieder aus meinem Traum gesrissen. Dieser Lärm und der Dreck schmerzen schon fast. Na ja, ich öffne den Kofferraum, hole die Schlittschuhe raus, und gehe wieder zum See. Ich setze mich auf den Boden und ziehe mir die Schlittschuhe an. Der Boden ist kalt. Ich bin schon länger nicht mehr gefahren. Ich hoffe, ich kann es noch. Ich gehe aufs Eis. Die ersten Rutschversuche sind noch etwas tapsig. Aber nach eine kurzen Zeit geht es doch recht gut. Ich denke nur: wow, auf so einer großen Schlittschuhbahn war ich noch nie.
Ich nehme als meinen ganzen Mut zusammen und fange an, loszufahren. Ich fahre ziemlich schnell, und will bis ans Ende des Sees kommen. Der Wind braust an mir vorbei. Ich denke, ich bin schneller al der Wind. Allerdings würde er mir dann nicht so zu schaffen machen. Ich habe Rückenwind. Es ist wirklich sehr kalt, und ich glaube, meine Nase fällt gleich ab.
Ich drehe mich um, und sehe das Ufer nicht mehr, von dem ich gekommen bin. Ich glaube, ich verlasse mehr und mehr die Zivilisation. Mich wundert es schon ein bißchen. Eigentlich hatte ich den See kleiner in Erinnerung.

– IV –
Tiefer im Eis des Sees

Ich schaue an die Ufer des Sees, wo die vielen Bäume den See halten. Ich versuche durch die Bäume hindurchzuschauen. Normalerweise sind hinter den Bäumen die Häuser der Stadt zu sehen. Aber ich sehe keine. Ich sehe nur Bäume. Das ist schon komisch.
“Haaaallo!”, höre ich jemanden rufen. Ich erschrecke mich.Was ist das denn jetzt. Eben dachte ich noch, ich befinde mich mitten im Niemandsland. Ich drehe mich um und sehe einen Mann. Er trägt auch Schlittschuhe. Außerdem hat er einen Rucksack auf dem Rückn und sieht ziemlich durchgefroren aus.
“Warst du schon am Ende des Sees? Weisst du, ob das Eis dort hält?”, fragt er mich weiter. Er sieht glücklich aus.
“Ich weiss nicht. Ich war noch nicht am Ende des Sees”, sage ich.
“Hm schade. Aber es ist schon sehr schön, dass der See gefroren ist, nicht wahr?”
Dann fährt er einfach weiter. Ich schaue ihm hinterher bis er im weiten Eis am Horizont verschwunden ist. Dann fahre ich weiter. Wo will ich eigentlich hinfahre? Ach ja, zum Ende des Sees. Wenn es das überhaupt noch gibt. Ich lache leise und fahre dann weiter. Die Bäume sausen an mir vorbei und das Eis trägt mich sanft über den See. Ich träume schon wieder. Dann bleibe ich stehen. Ich muss noch mal lüber den Mann nachdenken, den ich eben getroffen habe. Irgendwie sah dieser Mann aus, als ob er, ja als ober er hier jeden Tag von einem Ort zum anderen fährt. Es wirkt so, als ob er hier jeden Tag vorbeikommen würde. Es wirkt so, als ob ich hier auf einem Fluß durch die hohen Schneewelten des Nordens fahre. Warum? Ich weiss es nicht. Die Zeit schein schon vergangen. Dieser Moment scheint unendlich. Ich schaue mich nochmals um. Nru Eis und mit weißem, glitzernde n Raureif verzierte Bäume. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Über mir der Himmel. Ein paar Wolken fliegen durch den Himmel. Die Ruhe ist herrlich. Man fühlt sich eins mit der Natur. Es wird windiger. Und als ich so nachdenke, höre ich, wie der Wind den Eisstaub über den See bläst. Das Klirren verzaubert mich. Es ist wie das leise Klingen kleiner vieler Glöckchen. Es hat mich verzaubert, wie noch nichts anderes auf der Welt. Ich schaue den Eiskristallen auf dem Eis hinterher, wie sich scheinbar mit Leben eingehaucht auf dem Eis hin und hertanzen. So wunderschön.
Plötzlich erfasst mich eine Windböhe und ich werde mit meinen Schlittschuhen nach vonre getrieben. Ich bin fast hingefallen. Doch ich konnte mich halten. Auf einmal ummantelt mich ein Gefühl von etwas, was ich nicht richtig beschreiben kann. Ich glaube, gerade ist etwas geschehen. Ich kann es aber nicht beschreiben. Der Wind der mich erfasst hat, hat mich nur ein paar Zentimeter vorangetrieben. Aber ich glaube ich bin noch viel weiter gekommen, tiefer in eine Welt, die ich mir wünsche. Nach einiger Zeit strecke ich meine Arme aus, um mich vom Wind treiben zu lassen. Ich kann es nicht glauben. Ich muss nichts tun. Der Wind treibt mich voran. Ich gleite über das Eis. Ich kann nicht sagen, wie weit ich gekommen bin. Ich schaue zu den Bäumen am Ufer, wie sie den See beschützen, dass niemand komme und ihm Leid antut. Ich schaue bis aufs Ufer des Sees und sehe die Fische unter dem Eis. Sie sehen nicht sehr glücklich aus. Ich glaube, sie wissen, dass sie nicht mehr lange Leben werden. Das Eis wird wohl nicht so schnell zurückgehen. Ich schaue in die Ferne und sehe die Vögel, wie sie durch die Luft schweben. Ich vergesse mehr und mehr, wo ich bin. Ich verliere mich in der Unendlichkeit. Doch auf einmal höre ich eine Stimme rufen: “Haaaaaallo. Haaaallo. Bleib und warte auf mich.”

-V-
Der alte Mann

Erschocken bis zum Tode, drehe ich mich um, und sehe einen älteren Mann, wie er mich freundlich anschaut. Er hat einen ziemlich dicken, langen, braunen Mantel an. Sieht aus, als ob es Bärenfell wäre. Er hat eine alte mit Flicken versähte dunkle Hose an und trägt dicke Stiefel. Es hat einen vollen Bart und eine dicke Fellmütze auf. Er sieht aus, als ob er mich kenne würde. Ich glaube, gleich sagt er meinen Namen. Und warum kommt er mir so bekannt vor?
“Kannst du mir sagen, wo ich hier bin?”, fragt er dann.
“Ja, sie sind hier… hmm.. ja”, ich stutze ein wenig. “Ich weiss es nicht. Aber…”
Das kann doch nicht wahr sein. Jetzt weiss ich wirklich nicht mehr, wo ich bin. Wie kann das denn jetzt sein? Ich weiss nicht mehr, wo ich bin.
“Nein, ist scon gut. Die meiste Leute wissen nicht, wo sie sind, wenn ich sie das frage. Aber keine Sorge, das vergeht schon wieder. Du…” sagte er, bis ich ihn unterbreche:
“Nein, erzähle mir doch lieber, wer du bist. Ich fahre hier nur ein bißchen Schlittschuh, und plötzlich weiss ich nicht mehr, wo ich bin, geschweige denn, wo ich überhaupt herkomme.”
“Wo ich herkomme tut nicht weiter zur Sache. Aber du hast Recht. Du kennt mich. Und ich kenne dich. Und wenn du dich weiter auf dem richtigen Weg halten wirst, werden wir uns auch noch einmal sehen…”, haucht er mir mit ziemlich leiser Stimme in mein Ohr.
Woher, weiss er, dass ich glaube, ihn zu kennen? Woher? Ich komme mir gar nicht mehr wohl vor. Dann sagt er: “Den nicht so viel über die Dinge nach, über die du nicht nachdenken solltest. Lebe einfach”.
Ich denke nicht lange über seine Worte nach, und frage ihn: “Lebe doch einfach. Bitte, was soll das denn jetzt? Woher weisst du, was ich denke?”
“Siehe, es wird schon dunkel. Komm, und folge mir. Ich bringe dich in ein Dorf in der Nähe vom Wald, weiter nördlich bei den Bergen”
Was? Welche Berge. Hier gibt es doch gar keine Berge. Und von welchem Dorf redet er? Wo bin ich? Meine Gedanken finden keine Ruhe. Ich habe wirklich nicht gemerkt, dass es schon dunkel geworden ist.
Plötzlich geht er einfach weiter. Ich folge ihm nicht. Ich stehe in Gedanken versunken immer noch da. Ich weiss einfach nicht, wie mir geschieht. Als einige Sekunden vergangen waren, blicke ich nach vorne und sehe, wie der Mann immer dunkler am Horizont wird, und dann verschwindet.
“Heeee, warte doch!!!”, schreie ich und fange an, im hinterherzulaufen. Als ich ihn eingeholt habe, frage ich ihn völlig entkräftet, nach Luft hechelnd: “Ich welches Dorf gehen wir?”
Der man bleibt stehen und lächelt mich an. Er legt seine Hand auf meine Schulter und schüttelt mich. Ich gucke etwas verdutzt.
“Du wirst es kennen, denn du warst schon einmal da. Es liegt in den Bergen. Die Luft ist klar und rein. Aber nun komm, wir müssen noch ein ganzes Stück laufen”, sagt er mit einer Ruhe, die ich vorher bei keinem Menschen gesehen habe.
Dann geht er weiter und ich folge ihm. Ich glaube, ich werde gar nicht mehr sagen. Er gibt ja sowieso keine klaren Antworten.
“Wie lange müssen wir noch gehen?”, frage ich ihn ungeduldig. Oh, ich habe ihn doch etwas gefragt. Mist!
“Einen Tagesmarsch noch. Glaube ich. Aber das liegt eher an dir. Es kann sein, dass du schneller da bist. Es kann sein, dass es dein Leben dauert.”, antworet er.
“Was? Wie jetzt? Und wieso liegt es an mir? Du kommst doch auch mit, oder?”
“Schweig still! Du wirst irgendwann verstehen, was ich meine. Folge deinem Herzen, nicht deinem Verstand. Es wird dich führen. Und habe keine Angst. Dann wird dir nichts passieren!”
Was? Was soll mir denn passieren? Na ja, ich bin lieber ruhig. Wir haben bestimmt eine halbe Stunde kein Wort mehr miteinander geredet. Oh man, wenn der Mond nicht scheinen würde, würde man kein bißchen mehr sehen. Die großen Schatten, die die Bäume aufs Eis werfen sehen aus, wie mit Leben eingehaucht. Sie bewegen sich hin und her, und sehen aus, als ob sie über uns wachen würden, dass wir nicht den Fluss verlassen. Komisch. Aber ich soll mir ja keine Sorgen machen. Ha! Der Himmel ist sternenklar und der Wind bläst immer noch durch die Bäume.
Auf einmal merke ich einen Schmetz in meinem Knöchel. Ich glaube, ich sollte die Schlittschuhe ausziehen und zu Fuß weiter gehen.
“Warte einmal bitte. Ich kann mit den Schlittschuhen nicht weiterfahren. Ich will zu Fuß weitergehen.”, sage mich und stetze mich auf das Eis. Ich nehme den Rucksack vom Rücken und lege ihn neben mich. Dann löse ich die Lasche meiner Schlittschuhe und fange an, daran zu ziehen, als plötzlich der Mann anfängt, etwas zu erzählen: “Das ist gut. Packe deine Schlittschuhe nicht in den Rucksack zurück. Du wirst sie nicht mehr brauchen. Brauchen wirst du aber den Rucksack noch. Allerdings für etwas anderes. Und nochmal: Folge deinem Herzen, dann wird dir nichts passieren”.
Schon wieder. Warum erzählt er so etwas immer?
“Pass auf. Ich werde jetzt erstmal gehen. Und versuche nicht, mir zu folgen. Es wird dir nicht gelingen. Solltest du es doch versuchen, dann wirst du dich verletzen. Du wirst übrigens meist unschöne Erlebnisse erfahren, wenn du versuchst, davon zu laufen. Es wird dir aber zum besten dienen. Es wird dich bewahren, in längst Vergangenes zurückzufallen. Folge deinem Herzen, nicht deinem Verstand. Dann wird es weitergehen. Und mache dir keine Sorgen. Irgendwann wirst du die Augen öffnen und verstehen.” Er schaut mich an. Er schaut mir tief in die Augen, während ich noch auf dem Boden sitze und die Schlittschuhe ausziehe.
Dann dreht er sich um, winkt, und geht davon.
“He warte, du kannst mich doch nicht einfach hier lassen. Ich habe noch ein paar Fragen an dich.”, sage ich verzweifelt. Nervös verusche ich meinen zweiten Schlittschuh auszuziehen. Er klemmt. Langsam bekomme ich es mehr und mehr mit der Angst zu tun. Ich schaue nach oben, um ihm noch etwas zu sagen. Doch er ist schon einige Meter entfernt. Ich bin etwas erschreckt. Wie kann er so schnell schon so weit weg sein? Er ist doch gar nicht gelaufen, oder? Dann blicke ich wieder nach unten, um endlich meinen Schlittschuh auszubekommen.
“Oh verdammt. Diese blöden Schlittschuhe!”, ich verzweifle gleich. Dann blicke ich nochmal nach oben, den alten Mann zu schauen. Doch er ist schon fast als dunkler Punkt am Horizont verschwunden.
“Heeeeeh, warte doch auf mich!!!”, schreie ich ihm hinterher.
“Pass auf dich auf”, ruft er mir noch zurück.
Ich halte es nicht aus. Gleich ist er weg. Was soll ich jetzt nur machen?! Als ich meine Schlittschuhe ausgezogen habe, springe ich auf, lass alles liegen, und renne ohne Schuhe dem alten Mann hinterher.
“Warte doch!”, rufe ich wieder.
Ich laufe und laufe, und so lange ich laufe, frage ich mich, wie lange ich noch laufen muss, diesen alten Mann einzuholen. Oh man. So schnell kann der doch icht sein. Ich sehe ihn gar nicht mehr.
“Warte doch!!! So warte doch!”, ich werde langsamer, bleibe stehen, und murmle nur noch mit leiser Stimmer vor mir her, dass er doch bitte warten solle. Doch es ist zu spät. Er ist weg. Ich falle auf meine Knie. Völlig außer Atem frage ich mich, was ich machen könnte. Ich stehe auf, renne weiter und versuche ihn einzuholen. Nach ein paar Sekunden wird meine Verfolgungsjagd allerdings durch einen stechenden Schmerz in meinem Fuß beendet. Ich falle mit großer Wucht auf das Eis und bleibe liegen. Mein Fuß schmerzt sehr. So ein Mist, so hole ich ihn nie wieder ein. Mist, Mist, Mist. Ich bleibe liegen. Das ist gerade alles zu viel für mich. Nachdem ich mich etwas beruhigt habe, und wieder zu Atem gekommen bin, konzentriere ich mich jetzt auf meine Wunde. Langsam versuche ich meinen Strumpf auszuziehen. Als ich ihn anfasse, fängt es plötzlich an, höllisch weh zu tun. Nach einigem vorsichtigem Gefummel schaffe ich es aber trotzdem. Was ich dann sehe, erfreut mich nicht sonderlich. Ein ziemlich dicker Stock steckt in meinem Fuß. Klasse. Was mache ich jetzt. Ich blute. Ich schaue nach, ob ich ein Taschentuch in meinem Rucksack habe. Aber ich habe natürlich keins dabei.
“Ich habe ja niiiiie ein Taschentuch dabei!!!”, schreie ich in die Nacht.

-VI-
Alleine im Irgendwo

Nach einiger Zeit frage ich mich, wieso es eigentlich wirklich eingetroffen ist, was der alte Mann gesagt hat. Ist er ein Prophet oder was? Ein Geist? Ein Engel? Was soll das. Ich soll doch nicht davon laufen. Wovor soll ich denn nicht davon laufen? Ich versuche zu verstehen, was mit mir geschieht. Oder darf ich das nicht? Ich soll ja meinem Herzen vertrauen, nicht meinem Verstand… Was sagt mir denn mein Herz? Hilfe vielleicht? Oh man. Na ja, jetzt bin ich also alleine. Ich denke, ich sollte irgendwie zu meinem Rucksack zurückkommen. Ich fassen den Stock in meinem Fuß an, gucke weg, und reiße ihn heraus:
“Aaaaaaaaaaaaahhhhhhrgh. Oh man!!”, ich ertrage den Schmerz kaum. Es tut höllisch weh und es fängt noch mehr an, zu bluten. Aber ok ok, schlimmer kann es wohl wirklich nicht mehr kommen. Dann habe ich eine Idee. Ich nehme einfach meinen Schaal und wickel ihn um die Wunde. Nachdem ich das getan habe, versuche ich aufzustehen. Ganz langsam. Ok, es geht. Langsam richte ich mich auf und stehe schließlich. Dann tue ich meine ersten Schritte. Es schmerzt immer noch sehr, aber es dürfte gehen. Also gut. Ab zu meinem Rucksack. Ich humple den Weg einfach wieder zurück. Dann werde ich ihn ja wohl wieder finden. Also humple ich los.
Es ist etwas schwierig über das Eis zu humpeln. Denn man rutscht alle paar Sekunden aus, und muss sich Mühe geben, nicht hinzufallen. Oh man, wenn mich jetzt jemand sehen könnte. Ich lache: “Ha haaa. Wenn mich jetzt jemand sehen könnte. Sieht mich hier überhaupt jemand”.
Ich muss mich echt beherrschen, nicht wahnsinnig zu werden. Nachdem ich einige Minuten gehumpelt bin, bleibe ich stehen. Ich gucke in den Himmel und sehe die vielen Sterne, wie sie den Himmel schmücken.
“Wie lange muss ich noch hier rumhumpeln, bis ich meine Schuhe wieder finde?”, ich schreie mit alles Kraft die ich habe in die Nacht. Dann beruhige ich mich wieder und gehe weiter.
“Haaaallo, ist hier jemand? Haaaallo? Wo bist du, alter Mann? Heeeee!!! Wie bringt mich mein Herz zu meinen Schuhen? Und wie komme ich in welches Dorf?”, ich schreie wieder und lache verzweifelt dabei.
Nachdem ich schon zwei Stunden gelaufen bin, macht sich mein Magen bemerkbar. Ich habe doch schon längere Zeit nichts mehr gegessen und getrunken. Außerdem tun meine Beine weh und mein Fuß fällt gleich ab. Wie lange soll ich noch hier rumirren? Ich lasse mich auf den Boden fallen und lege mich auf das Eis. Dann schließe ich meine Augen und ruhe mich aus. Bloß nicht einschlafen. Dann erfriere ich. Aber ich brauche ja keine Angst zu haben. Nein, mein Herz leitet mich. Was heißt das nur? Ok, ich bin hier irgendwo im Nirgendwo. Träume ich, oder wache ich? Aber warum habe ich dann Schmerzen? Also ich träume wohl nicht. Aber wieso kenne ich das Dorf schon, in das ich kommen soll? Dann kann es doch nur ein Traum sein. Wenn ich nur wüßte, ab wann ich mich nicht mehr Erinnern kann. Was war nur das letzte, an was ich mich erinnere? Warte… Der Alte Mann. Er fragte mich, ob ich wüßte, wo ich sei. Da konnte ich es ihm nicht sagen. Und er sagte, ich werde mich immer verletzen, wenn ich davon laufen würde. Ich lauf doch gar nicht davon. Ich glaube ich finde im Moment einfach keine Lösung.
Ich denke, ich sollte nicht so viel nachdenken, und erstmal meinen Rucksack finden. Also stehe ich wieder auf und mache mich, immer noch geplagt von Hunger und Durst, auf den Weg. Die Nacht ist immer noch sternenklar und der Mond leuchtet mir den Weg. Nach einige Metern finde ich plötzlich den Rucksack. Wow, ich sehe wirklich meinen Rucksack. Voller Freude fange ich an, ihm entgegenzulaufen. Dich ich werde mal wieder vorzeitig von meinem Schmerz gebremst. Dort angekommen schmeisse ich mich auf das Eis und küsse meine Schuhe.
“Eeeeendliiiiiiiich. Ich habe mein Schuhe gefunden. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!”, schrei ich freudeerüfllt vor mir her. Ich setze mich hin, und rubbel vorsichtig meine Füße warm. Ein Wunder, dass sie überhaupt noch dran sind. Vorsichtig ziehe ich dann meine Schuhe an. Ich lache über beide Ohren. Dann werden ich nachdenklich. Wieso habe ich den Rucksack doch gefunden? Ich kann denken, so viel ich will. Mir fällt keine Lösung ein. Wieso habe ich ihn auf einmal doch gefunden?
Dann nehme ich meinen Rucksack und will die Schlittschuhe hineintun. Hm, doch wo sind jetzt meine Schlittschuhe? Ich stehe auf, gehe umher und finde meine Schlittschuhe nicht mehr. Wo sind die denn jetzt? Nach einige Sucherei gehe ich zu meinem Rucksack zurück und will ich auf meinen Rücken schnallen. Als ich ihn hochebe, merke ich, wie schwer er ist. Verwundert mache ich ihn auf, und sehe, dass Essen in meinem Rucksack ist. Zwei Äpfel, ein paar Nüsse und ein Gefäß mit Wasser drin, denke ich. Ohne groß darüber nachzudenken, wo das Essen herkommt, mache ich mich über das Essen und Trinken her. Nachdem ich gegessen und getrunken habe, lege ich mich auf das Eis und gucke wieder in den Himmel. So, wo kommt jetzt das Essen her? Und wieso habe ich den Rucksack dann doch gefunden? Muss ich mich das überhaupt fragen? Die Strecke, die ich auf dem Rückweg zurückgelegt habe, war mindesten drei Mal so lang, wie die Strecke, die ich auf dem Hinweg zurückgelegt habe. Ich muss meinem Herzen folgen, nicht meinem Verstand. Hm. Dann nehme ich den Rucksack und mache mich auf den Weg. Wo soll ich eigentlich hingehen? Ins Dorf. Ok, aber wie finde ich das? Ach, ich gehe einfach erstmal los. Nicht zurück, wo ich hergekommen bin. Ich gehe natürlich nach vorne. Ich hoffe, dass kann nur das richtige sein. Na ja.
Auf einmal höre ich ein Rascheln im Gebüsch. Zwei Sekunden später fliegt ein kleiner Stein durch die Luft und trifft mich genau auf meinem Kopf.
“Aua!”, rufe ich. Ich reiße meine Augen auf, drehe mich um, und lasse meine Blicke etwas verängstigt durch die Gegend schweifen, um zu den finden, der den Stein geworfen hat.
“Hey, wo bist du? Hey, alter Mann! Wie komme ich in das Dorf. Zeig dich doch”, rufe ich verzweifelt den Bäumen am Ufer entgegen. Das war doch bestimmt der alte Mann. Der will mich doch nur veralbern.
“Hey, ich finde das nicht witzig. Bitte, komm raus, und zeige dich.” Ich bekomme Angst. “Hey, zeige dich doch”
Auf einmal bewegen sich die Büsche wieder.
“Ha,ha, ha, ha…”, höre ich aus dem Gebüsch. Ich höre ein leises, hohes, gemeines und röchelndes Lachen. Das ist sicher nicht der alte Mann. Ich werde immer ängstlicher. Plötzlich sehe ich zwei rot leuchtende Aufen in den Büschen. Zwei nicht sehr nett aussehende rote Augen.

-VII-
Das geheime Wesen

“Ha, ha, ha, ha”. Ich höre wieder das gemeine Lachen. Oh man, was soll ich jetzt machen? Plötzlich fange ich an, wegzurennen. Ich renne so schnell wie auf dem Eis nur möglich durch die Nacht. Ich renne und renne und mache mir fast in die Hose. Aber nach einiger Zeit bleibe ich stehen. Ich soll doch nicht weglaufen. Ich soll mir doch keine Sorgen machen.
Plötzlich trifft mich wieder ein Stein: “Hey, das tut weh.” Ich sehe wieder die roten Augen und höre das Lachen. “Hey, das tut weh. Na warte”.
Meine Gedanken haben sich gewandelt. Ich habe Mut gefasst und renne los. Ich renne aber nicht davon, sondern diesem Ding entgegen.
“Na warte, wenn ich dich erwische!”
Da läuft es davon. Ich kann nicht erkennen, wie es aussieht. Es kann aber nicht sehr groß sein. Ich höre wieder das Lachen.
“Hey, warte. Ich will doch nur mit dir reden”. Da frage ich mich, während ich renne, wieso ich glaube, dass dieses Teil überhaupt reden kann. Soll ich ihm überhaupt hinterherrennen? Egal, ich mach es einfach. Ich laufe immer tiefer in den Wald hinein, und entferne mich immer mehr von dem Fluss. Plötzlich falle ich hin und finde mich auf dem kalten Boden des Waldes wieder.
“Waaarte doch, du Ding!”, ich sehe kaum mehr meine Hand vor den Augen. Es ist ziemlich Dunkel hier in diesem Wald.
Sofort springe ich wieder auf und laufe weiter. Ich renne jeden zweiten Baum um, springe unkontrolliert über den Boden in der Hoffnung dass ich nicht mehr hinfalle, und mir nichts ein Bein stellt.
“Bleib doch stehen”, da sehe ich das Wesen wieder. Es ist sehr schnell. Doch auf einmal bleibt es stehen. Ich erschrecke mich.
Es guckt mich an. Solche Augen habe ich noch nie gesehen. Ich kann es erkennen. Es sieht aus, wie ein Affe. Es sieht aus, wie ein kleiner Affe, nur eben mit sehr bösen Augen. Voll Fell von oben bis unten, kleine Ohren, große Augen, und einen sehr langen Schwanz, fängt das Wesen auf einmal an, wieder weiter zu laufen. Dann springt er auf einen Baum und klettert diesen hinauf. Mist. Ich versuch auch auf den Baum zu klettern. Doch ich scheitere kläglich. Ich starre nach oben und sehe, wie es auf einen anderen Baum springt. Die Nacht ist schwärzer, als je zuvor. Doch der Mond scheint immer noch. Er springt auf den nächsten Baum und lässt sich dann aber wieder auf den Boden fallen. Dann rennt er weiter.
“Heh, bleib doch stehen. Ich will dir nichts tun”, schreie ich.
Ich renne diesem Ding jetzt bestimmt eine halbe Stunde hinterher. Ich schnappe nach Luft, doch bekomme kaum noch welche. Ich renne wie ein Gepard, doch bin ich eine Schildkröte. Bleibe das Ding doch bitte stehen.
“Ich laufe nicht davon! Ich laaaaufe nicht davon”, rufe ich verzweifelt.
Plötzlich bleibt es stehen. Es bleibt von einem Baum stehen. Ohne es zu wollen, muss ich den Baum betrachten. Es ist ein riesiger Baum. Es ist ein wirklich riesieger Baum. Ich glaube, ich habe noch nie einen so riesigen Baum gesehen. Alleine den Umfang des Stammes kann ich nicht mit meinem Auge erfassen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Oh nein, oh nein. Der will doch jetzt nicht diesen Baum da raufklettern, oder? Doch da springt er auf und klettert den Baum hinauf. Nach zwei Sekunden ist er weg. Klasse, jetzt werde ich ihn nie mehr kriegen. Ich bin doch nicht umsonst zwei Stunden diesem Affen hinterhergerannt. Jetzt finde ich auch bestimmt nicht mehr zu dem Fluß zurück. Doch dann setze ich mich auf den Boden, und versuche micht zu beruhigen. Ich schaue nach oben, die Krone des Baumes zu schauen. Doch ich sehe sie nicht. Wie komme ich jetzt da rauf? Dann schließe ich die Augen. Hm, ich bräuchte eine Leiter. Nein, so eine große Leiter gibt es aber nicht. Und selbst wenn. Hier habe ich diese Leiter bestimmt nicht.
Dann schließe ich die Augen. Was mache ich jetzt. Ich habe kein Seil, ich bin kein Klettermax. Was soll ich jetzt machen? Soll ich jetzt wieder umkehren. Nein. Dann stehe ich auf, in der Hoffnung, dass ich schon irgendeinen Weg finden würde. Fliegen müsste man können. Auf einmal höre ich ein Grummeln im Boden und meine Füße werden weggerissen.
“Ahhhh”, schrei ich, während sich der Boden unter meinen Füßen auftut und ich in die Tiefe gerissen werde.
“Ahh, hiiiiiiiilfe!” Ich werde hin und hergerissen. Die Erde scheint mich gerade zu fressen. Ich bekomme kaum noch Luft, und spüre die Erde in alles Poren meines Körpers. Plötzlich verspüre ich einen heftigen Schmerz.

-VIII-
Unter der Erde

Ich öffne meine Augen. Ruhe. Nichts. Ich spüre nichts. Wo bin ich? Dann merke ich einen heftigen Schmerz an meinem Kopf. Es ist ziemlich dunkel. Wo bin ich? Ich bleibe liegen. Wie bin ich hierhergekommen? Es ist sehr dunkel, nur ein kleiner Lichtstrahl von weit von mir füttert meine Augen. Ich scheine mich unter der Erde zu befinden. Überall ist Erde und liegen Steine um mich herum.
Dann stehe ich auf, dem Licht entgegen zu gehen. Ich muss mich beugen, um voranzukommen. Es ist ziemlich eng hier. Ich schaue mich weiter um. Doch ich gehe weiter auf das Licht zu. Schließlich kann ich einen Raum erkennen. Es ist ein quadratischer Raum. Die Wäne sind mit großen alten Steinen befestigt und die Decke ist mit Holz ausgebaut. Was ist das nur für ein komischer Raum unter der Erde? An der Holzdecke befindet sich ein kreisrundes Loch, durch das das Licht einfällt. Ich schau durch das Lock, doch ich kann außer dem Licht nicht mehr erkennen. Hm… komisch. Es war doch eben noch Nacht, oder nicht? Oder… Aber wieso war denn eben noch Nacht? Da fange ich an, mich zu erinnern, wie ich hier hergekommen bin. Stimmt, die Erde hat mich verschluckt, als ich diesem Affen hinterhergerannt bin. Stimmt. Tja, aber wenn jetzt wieder Tag ist, muss ich hier ja eine ganze Zeit gelegen haben. Mist, dann ist der Affe bestimmt für immer weg.
Dann sehe ich eine Holztür. Ich gehe auf die Tür zu, und öffne sie. Was ich dann sehe, überrascht mich. Ich erschrecke vor Staunen. Ich sehe riesige Treppenstufen. Sie sind mindesten zehn Meter breit und hängen alle an dicken Seilen von der Decke. Na ja, ich glaube, sie hängen von der Decke. Ich sehe die Decke nicht. Die Stufen sind wie bei einer Wendeltreppe angeordnet. Mehrere Stufen hängen an jeweils zwei dicken Seilen. Dann sehe ich, dass die Wände aussehen, wie eine Rinde und ich frage mich, ob ich im inneren des riesigen Baumes bin, den ich bevor ich hier runtergefallen bin, gesehen habe. Dann will ich die Stufen hochgehen und setze meinen Fuß auf die erste riesige Stufe, als sie plötzlich anfängt, zu schwingen. Sie schwingt und schwingt und reisst jetzt auch noch die anderen Stufen mit. Ich gehe ein paar Schritte nach hinten. Ich bin doch nicht so schwer, dass ich diese riesigen Stufen zum Schwingen bringe, oder? Alles bewegt sich und es ist sehr laut. Die Stufen knallen gegen die Wand und gegen andere Stufen und verursachen so einen Lärm, dass ich es nicht mehr aushalten kann. Schließlich ist es so laut, dass ich in den anderen Raum zurückgehe, die Tür zu mache und mir die Ohren zu halte. Minunten später ist der Lärm endlich verschwunden und ich gehe wieder zu den Stufen.
Ein zweites Mal setze ich meinen Fuß auf die Treppe. Doch ich bin viel vorsichtiger als beim ersten Mal. Vorsichtig setzt ich einen Fuß nach dem andern auf die Stufen. Es funktioniert. Die Stufen fangen nicht mehr an, zu schwingen. Plötzlich wird es immer heller. Dann sehe ich schließlich eine Fackel an der Wand hängen. Sie brennt. Ich frage mich, ob hier schon jemand vor mir hier war. Hm. Ich nehme die Fackel einfach mit und gehe weiter. Hoffe, es wird keiner merken und böse werden oder so.
“Ha, ha, ha, ha”, auf einmal höre ich wieder das Lachen von dem Affen. Ich freue mich. Ich bin also auf dem richtigen Weg.
Nachdem ich bestimmt eine halbe Stunde die Treppen hochgegangen bin, sehe ich ein Loch in der Wand. Ich schaue raus. Es ist dunkel und ich erkenne, dass ich mich wirklich in diesem riesigen Baum befinde. Hm, jetzt frage ich mich allerdings, wo das Licht aus diesem Raum gekommen. Na ja. Dann sehe ich sogar das Loch, was mich aufgefressen hat. Der Mond scheint immer noch. Ich befinde mich ca. fünf Meter über dem Boden. Nach einiger Zeit gehe ich dann weite die Stufen nach oben. Bin gespannt, was mich am Ende der Stufen erwartet.
Nach einigen Stufen erschrecke ich mich. Ich sehe auf einer Treppe Überreste eines Skelettes liegen. Mist. Was soll das denn jetzt. Ich denke, ich brauche keine Angst zu haben. Nein, ich brauche keine Angst zu haben. Ich lache verklemmt. Nach was sieht das dann aber bitte aus? Und wo soll der überhaupt herkommen? Werde ich auch so enden? Oh man. Ich fange an zu Zittern.
“Ha, ha, ha, ha”, da höre ich wieder das gemeine Lachen des Affen.
Das musste natürlich genau jetzt kommen. Nein, nein. Ich darf keine Angst haben. Ich muss meine Angst überwinden. Dann wird mir nichts passieren. So gehe ich schließlich vorsichtig weiter. Dann drehe ich mich um, und sehe das Skelett nicht mehr. Ich schaue nochmals genau hin. Doch es ist weg. Eben war es doch noch da. Wo ist es denn jetzt hin? War das alles nur eine Illusion? Ich weiss es nicht. Dann gehe ich weiter und mache mir so meine Gedanken.
Nach einer ganzen Weile, die ich jetzt gegangen bin bleibe ich stehen.
“Stopp. Es ist wei beim Rucksack. Warum habe ich den Rucksack gefunden? Ich bin meinem Herzen gefolgt und habe mir nicht so viele Gedanken gemacht. Das muss ich jetzt auch machen. Ich darf nicht so viel denken”, ich rede schon mit mir selber. Dann gehe ich weiter. Und tatsächlich. Nach einigen Minuten kann ich die Decke sehen, an der die Stufen befestigt sind. Sie hängen an riesegen Spulen gebunden von der Decke.
“Oh ja man! Ich bin der Held. Ich bin der Held!!! Ich habe es kapiert”, juble ich mir selbst zu als plötzlich die Stufen anfangen zu schwingen.
Mist, was ist das denn jetzt. Es wird immer heftiger. Hey, ich habe doch gar nichts gemacht! Ich kann mich kaum noch halten. Ich falle gleich die Stufen hinunter.
“Ha, ha, ha, ha”. Da höre ich die Stimme vom Affen wieder.
Hat er die Stufen in Schwingung versetzt? Ich springe von Stufe zur nächsten. Plötzlich rutsche ich, und falle nach unten. Doch ich kann mich an einer anderen Stufe festhalten. Ich hänge hier und gucke schweissgabedet nach unten. Ich sehe nur die ganzen schwingenden Stufen, wie sie mich zerquetschen wollen. Der Lärm ist auch nicht mehr auszuhalten. Nach einigen Zeit kann ich mich aber noch nach oben ziehen, und mich an der Stufe festhalten. Oh man, was mache ich jetzt? Ich komme nie im Leben bei diesen schwingenden Stufen nach oben. So knie ich mich auf die Stufe und klammere mich an den Seiten der Stufe mit meinen Armen fest. Ich kann nur hoffen, dass keine andere Stufe meine Stufe trifft. Nach einiger Zeit aber werden die Stufen ruhiger und ich kann Mut fassen und springe vorsichtig von einer Stufe zur anderen und erreiche schließlich die sichere Plattform.
Mein Herz rast und ich weiss gar nicht, wie mir geschieht. Voller Panik blicke ich nochmal die Stufen hinunter und bin nur froh, dass ich da nicht runtergefallen bin. Ich weiss nicht, wie tief es da nach unten geht. Auf jeden Fall sehe ich nichts, als diese ewigen Stufen. Oh ma. Nachdem ich mich nach einiger Zeit beruhigt habe schaue ich mich um. Ich sehe eine Tür in der Rinde des Baumes. Super. Dann öffne ich die Tür und erschrecke mich wieder fast zu Tode.
Meine Augen und mein Verstand können mal wieder nicht fassen, was ich hier sehe. Ich kann nur schwer mit Worten beschreiben, was mein Verstand nicht verstehen kann. Es ist Tag. Und die Sonne schaut vor ein paar Wolken direkt in mein Gesicht. Es ist warm. Ich spüre die Wärme auch in meinem Herzen. Ich sehe ein Land, so weit das Auge reicht in herrlichster Pracht. Es ist alles grün. Wo ist der Schnee und der Winter hin? Ich sehe Flüsse, wie sie ihre Wege durch das bergige Land ziehen. Dann schaue ich nach unten, und kann den Grund kaum sehen. Mir wird schwindelig. Normalerweise habe ich keine Höhenangst, aber das übersteigt gerade alles bis jetzt dagewesene. Ich befinde mich auf diesem riesigen Baum auf einem Ast. Unter mir hört der Wald auf, und ein Weg führ zu den Bergen. Ich bin überweltigt. Unter mir war es doch Nacht, und eisiger Winter. Und jetzt?
Mein Blick schweift über das Land, als ich plötzlich auf einem anderen Ast den Affen sehe. Ich schau sofort in seine Augen. Er schaut mich an. Ich schaue ihn an. Aber seine Augen sehen nicht mehr so böse aus. Er schaut mich an, und ich sehe sofort seine Augen. Sie sehen nicht mehr so böse aus. Fast beängstigt schaut es mich an. Langsam gehe ich auf es zu. ich bin gespantt, was gleich passiert. Plötzlich rutscht mien Fuss ab, und ich falle vom Ast.
“Ahhhhhhhhh”, doch in letzter Sekunde kann ich mich mit meiner Hand am Ast festhalten. Oh MIst. Ich gucke ganz verstört nach unten, und sehe nur, ich sehe nur Tiefe.
“Ahhhhhhhhh, Hilfe!” Ich versuche mich hochzuziehen, doch meine Kraft reicht nicht, ich schaue weiter verstört durch die Gegend. Auf dem hinteren Ast sehe ich den Affen sitzen. Er guckt mich immer noch etwas beängstigt an, und rührt sich kein Stück von der Stelle.
“Hilfe!” Ich versuche nochmal mich hochzuziehen. Doch ich schaffe es nicht, las ich plötzlich eine Stimme höre:”habe keine Angst, vertraue dir!” Hä, wo kommt das denn her? Oh man, ne. Habe keine Angst. Nein. Ich falle nur gleich 500 Meter in die Tiefe. Keine Angst. Mir bleibt ja nichts anderes Übrig. Also versuche ich mich zu beruhigen, und mir zu vertrauen, was auch immer das heisst, ich werde es schaffen. Ich sachffe das. Und tatsächlich, nach einem erneuten versuch schaffe ich es, mich hochzuziehen. Oahhhh, glück gehabt. Ich schaue noch einmal nach unten, bin sehr froh, das ich noch am Leben bin und gehe dann auf den Affen zu. Ich habe mich beruhigt, und stelle mich jetzt direkt vor ihn.
Er sitzt immer noch wie angewurzelt da. Dann sage ich mit einem Lächeln:”Hab´ dich”. Er guckt mich an. Ich gucke ihn an. Und jetzt? Was kommt jetzt? Wir gucken uns bestimmt fünf Minuten in die Augen, als plötzlich etwas merkwürdiges geschieht: “Ich weiss, wie du zum Dorf gelangst” Ich erschrecke mich.
“Wie bitte?”, frage ich sehr erstaunt.
“Ich weiss, wie du zum Dorf gelangst!”
“Ja ja, das habe ich verstanden, aber wieso kannst du sprechen?”
“Wieso denn nicht? Du kannst doch auch sprechen.”
“Ja stimmt. Ich habe ja schon viel komisches in dieser Welt erlebt, das mich dieses Erlebnis irgendwie aucb nicht mehr so umhaut.”
“Wieso weisst du, wie es zum Dorf geht? Und woher weisst du überhaupt, das ich zu einem Dorf will?”, frage ich den Affen verdutzt.
“Warum stellst du mir eingentlich so viele Fragen?”
“Naja, es ist alles schon ein bißchen komisch. Das alles.”
“Also, willst du es jetzt wissen?”
“Ja!” Der Affe hat eine ruhige, sanfte Stimme, wie die von einem kleinen Jungen. Gar nicht so, wie dieses häßliche Lachen.
“Du musst umkehren, du musst einfach umkehren.Du musst den Weg, den du gekommen bist, einfach wieder zurückgehen.”
“Was? Wieso das denn jetzt auf einmal?”
“Mach dir keine Sorgen. Wenn du nicht so viel nachdenkst bist du schneller am Ziel, als du es dir jemals hättest erträumen können.”
“Über was soll ich nicht so viel nachdenken? Wie soll ich das jetzt wieder verstehen?”
“Du hast es schon öfters verstanden. Du warst schon oft auf dem richtigen Weg, du bist nur immer davon abgekommen. Denke nur an den Rucksack, denke nur an die Treppen. Du hast das Ziel immer ereicht.”
Stimmt. Ich habe meine Ziele immer dann ereich, wenn ich aufgehört habe, soviel nachzudenken. Ich sollte meinem Herz vertrauen, nicht meinem Verstand.
“Ich sollte meinem Herzen vertrauen, nicht meinem Verstand.” Ich darf es nicht vergessen.
“Du bist auf dem richtigen Weg. Suche weiter!”
“Sage mir bitte, ist das das Richtige?”
“Es ist nicht richtig, aber auch nicht falsch.”
“Ach komm schon. Was bist du, das du mir das nicht sagen kannst.”
“Ich habe die Fackel erleuchtet, das du siehst. Ich habe die Stufen in Schwingungen versetzt, das du verstehst. Du bist ins Loch gefallen, weil du fliegen wolltest. Ich bin nicht für dich, aber ich bin auch nicht gegen dich. Ich bin eine Art Wegweiser. Denn du hast noch nicht ganz verstanden.”
“Wieso nicht? Wieso habe ich dann nocht nicht verstanden? Ich denke doch gar nicht mehr. Soll ich aufhören zu atmen?”
“Das ist es nicht. Du sollst nicht aufhören zu denken! Du sollst nur nicht anzweifeln, was du nicht verstehst. Aber mehr kann ich dir nicht sagen. Du bist jetzt auf dich allein gestellt. Du wirst viel sehen und vielen Menschen begegnen. Öffne dein Herz.”
Plötzlich springt der Affe auf, geht bis zum Ende des Astes, und spring den Baum herunter. Erschrocken renne ich ein Stück weiter den Ast entlang, und versuche, ich mit meinen Blicken zu folgen. Doch schnell endet meine Verfgogungsjagt in den Tiefen des Landes. Ich schaue auf den Horizont und stehe nur da. Ein paar Minuten stehe ich so da und kann nicht ganz verstehen, was mir da gerade passiert ist. Ich setzte mich auf den Ast, wo der Affe war, um meinen Müden Gelenke etwas zu entspannen.
Ich schaue ins Land une meine Blicke wander die riesigen Berge hinauf und hinunter, bis sie nach einiger Ziet stehenbleiben. Sie konzentrieren sich auf ein Gebäude, welches an einem Abhang eines Berges steht. Ich kann es nicht richtig erkennen, es ist sehr weit weg. Es sieht aber aus, wie eine alte Kirche mit einem hohen Turm. Doch mehr kann ich nicht erkennen. Ja, mich wird wohl einiges erwarten. In diesem Moment habe ich erkannt, das ich ein Stückchen des ganzen verstanden habe. Ich weiss immer noch nicht, wie ich hierher gekommen bin, wo ich bin, und was kommen wird. Ich weiss nur, das es ein gutes Abenteuer sein wird, und auch schon war. Ich genieße noch einen Augenblick die Aussicht und stehe dann auf.

-IX-
Ein Stückchen vom Ganzen

Ich geh den Ast zurück, drehe mich noch einmal um, überschweife noch einmal das Land, und gehe dann durch die Tür zurück in den Baum. Mist, die Fackel habe ich vor Schreck als ich den Affen hier sah fallen gelassen. Es wird wohl also ziemlich dunkel werden. Nur das Licht, was durch die Tür scheint, erhellt den Raum. Vorsichtig wie zuvor gehe ich Stufe um Stufe nach unten. Ich sehe kein Skellet mehr, und schon nahc einigen Minuten sehe ich das Loch, Durch welches ich auf dem Hinweg geschaut habe. Nach einigen Minuten! Nach oben habe ich anderthalt Stunden oder so gebraucht. Der Affe hat Recht gahabt. Vielleicht finde ich das Dorf ja schneller als ich dachte. Dann gehe ich auf das Loch zu, zwinge mich durch dieses kleine Loch hindurch und versuche mich noch an einem kleinen Ast des Baumes festzuhalten. Doch ich rutsche ab, und falle den Baum herunter.
Es ist wieder Nacht. Oder immer noch. Ich weiss es nicht. Der Mond scheint immer noch. Da merke ich, das ich wieder Hunger bekommen habe. Dummerweise habe ich nichts vom letzten Mal übriggelassen. Plötzlich trifft mich wieder ein kleiner Stein am Kopf.
“He! Bist du es?”
Da sehe ich ein paar Meter vor mir wieder den Affen und gehe langsam auf ich zu.
“He, hast du den Sturz gut pberstanden?”
Der Affe guckt mich an, und fängt plötzlich gewaltig an zu schreien.
“He, beruhige dich!” Er schreit nur weiter. “Erkennst du mich nicht? Wir haben vor ein paar Minuten auf diesem Baum miteinander geredet.”
Anscheinen erkennt er mich wirklich nicht. Denn er fängt wieder an zu kreischen. Dann springt er auf, und rennt weg. Was war das dennt jetzt? Hat er mich wirklich nicht erkannt? Vielleicht war er es aber auch gar nicht. Hm. Ich bleibe verdutzt stehen. Ich weiss gerade nicht so recht, was ich denken soll. Da fällt mir ein, das ich ja jetzt den ganzen Weg zurück gehen soll. Ich stehe immer noch in diesem riesigen Wald, und weiss überhaupt nicht, wie ich hierhergekommen bin. Wie soll ich denn dann den Weg zurück gehen? Ich drehe mich um, und sehe noch einmal den riesigen Baum an. Etwas erstaunt halte ich inne. Nach ein paar Minuten mache ich mich dann auf den Weg. Einfach drauf los. Irgendwie komme ich schon zurück. Ich muss den Fluss wiederfinden, auf dem alles angefangen hat. Ich versuche mich an den Weg zu erinnern. Doch ich kann mich nicht erinnern, weil ich ja nur diesem Affen hinterhergelaufen bin.
Dann habe ich eine Idee. Ich gucke nach oben und betrachte den Mond. Ich bin auf dem Hinweg dem Mont stets entgegen gegangen. Jetzt gehe ich einfach vom Mond weg. Ich hoffe nur, der Mond ist nicht zu weit am Himmel gewandert. Ich schmunzle vor mir her. Naja, ich kann eh nichts dran ändern. Also gehe ich weiter, und es ist das erste Mal, das ich gespannt bin, was mich erwarten wird. Das erste mal.
Ich gehe und gehe. Bestimmt eine Stunde bin ich schon durch den Wald gegangen, als ich dann eine kleine Pause mache. Es ist so einsam hier. Es ist so schrecklich einsam. Ich irre seit Stunden hier herum, und das einzige Leben, was mir überhaupt begegnet ist, war dieser kleine Affe. Ich bin hier doch in einem Wald. Es muss hier doch Tiere geben. Aber nein… Nichts! Wie kommt das nur?
Plötzlich wird es dunkler und ich sehe, wie sich ein paar Wolken vor den Mond schieben. Ich denke mir nichts weiter und gehe dann weiter. Doch es wird immer dunkel. Die Wolken werden größer und nehmen dem Mond mehr und mehr das Licht. Nur noch selten scheint ein wenig Licht vor den Wolken hervor. Sie ziehen schnell am Mond vorbei. So, als ob sie vor etwas davonrennen würden. Nach einiger Zeit ist es dann fast völlig dunkel. Ich sehe fast nichts mehr. Ängstlich lehne ich mich mit meinem Rücken an einen Baum und lasse mich auf den Boden sinken. Ich kauere mich eng zusammen. Ich spüre, wie die Kälte besitz von mir ergreift. Ich glaube, alles fängt an, über mir zusammenzubrechen. Ich meinem Kopf bricht alles zusammen. Ich halte es icht mehr aus. Was mache ich nur. Was ich noch erkenne, macht mir nicht gerade Mut. Es scheint nebelig zu werden. O nein. Immer weniger kann ich erkennen. Ich bekomme immer mehr Angst. Es wird immer dunkel. Auf einmal kann ich dann gar nichts mehr erkennen. Es ist absolut dunkel. Ich zittere. Völlig versuche ich mich immer enger zusammenzukauern. Ich hoffe nur, dass sich die Wolken verziehen und wieder Licht auf die Erde fallen lassen. Ich schließe meine Augen und sehe genausoviel, wie vorher.

-IX-
Die Kraft des Lichts

Auf einmal höre ich ein Rauschen. Dann wieder und wieder. Es ist ganzz leise, wird dann lauter und verschwindet dann wieder. Was ist das? Es hört sich nicht an, wie das Rauschen der Bäume, wenn der Wind die Bäume bewegt. Aber was ist es dann? Nochmal. Wieder das Rauschen. Ich spüre meine Beine nicht mehr. Ich muss mich anders hinsetzten. Auf einmal wird mir ganz anders. Ich fühle mich Zeitlos, Raumlos. Wieder das Rauschen. Was ist das? Ich reisse meine Augen auf und befinde mich plötzlich in einem dunklen Raum. Glaube ich. Wo bin ich? Es ist dunkel, nur weiter im Hintergrund sehe ich ein kleines Licht. Ich schaue mich um und sehe Schatten in diesem Raum. Ich kann nicht erkennen, was es ist. Doch es macht mir Angst. Wie ein kleines Kind, was denk, man sieht es nicht, wenn es seine Augen schließt, schließe ich auch die Augen. Ich kann nichts denken. Die Situation wird immer schlimmer. Dann höre ich plötzlich ein dunkles Pochen. Es wird immer lauter und ich höre etwas, wie kleine Glöckchen. Dann reiße ich die Augen auf und erschrecke mich:
“Aaaaahrgh, Hilfe!!!”, mein Herz fängt an, zu rasen.
Es ist wieder etwas heller geworden, als auf einmal etwas großes aus dem Nebel auftaucht. Ich sehe ein riesiges Tier auf mich zukommen. Ich kann wiede etwas erkenne. Hektisch drücke ich mich gegen den Baum und fange an, wie ein Fisch auf dem trockenen, zu zappeln.
“Ahhhhhhhhh”, ich bekomme kaum noch Luft und kann keinen klaren Gedanken fassen. Ich sehe nur dieses riesige Tier. Es ist bestimmt sechs Meter hoch. Es sieht aus, wie ein riesiger Elefant. Nur hat er riesiges Geweih auf dem Kopf. Er ist geschmückt und trägt Stoffe an seinem Körper. Dunkelrot scheinen sie in der Dunkelheit. An dem Stoff sind die Glöckchen befestigt, die ich wohl gehört habe. Auf dem Rücken trägt er eine Art Korb, geflockten aus großen Baumzweigen. Sieht aus, als ob er etwas transportieren würde. Seine Augen sehen aus, wie aus Stein. Was mache ich jetzt? Es kommt immer näher. Doch ich sitze immer noch auf dem Boden. Ich bin ganz ruhig geworden. Ich kann mich nicht mehr bewegen. Ich scheine wie versteinert. Als es ein paar Meter vor mir steht, dreht es sich um, und geht an mir vorbei. In dem Moment fällt mir ein Stein vom Herzen. Doch ich bleibe immer noch ganz ruhig. Doch auf einmal taucht ein zweites Tier aus dem Nebel auf. Es geht auch an mir vorbei. Dann noch eins. Alle sehen gleich aus und tragen diesen Korb aus dem Rücken. Der Klang der Glöckchen ist bei aller Angst die ich habe wunderschön.
Ich kann mir etwas beruhigen. Langsam stehe ich auf, und versteke mich hinter dem Baum. Immer mehr von diesen Wesen gehen an mir vorbei. Sie scheinen alle in einer Reihe zu gehen. Einer nach dem anderen geht an mir vorbei. Ich bin sehr beeindruckt, als ich plötzlich eine Stimme höre:
“Chalo, chaloba!”
Ich sehe noch ein Tier aus dem Nebel auftauchen. Doch es ist noch viel größer. Ich sehe, dass es auf dem Rücken eine Art Senfte trägt, in der irgendein Mann sitzt. Wegen dem Nebel kann ich aber nicht viel erkennen.
Es wird immer heller. Ich weiss nicht, ob der Tag anbricht, oder ob die Wolken den Mond wieder freilassen.
“Chalo, chaloba! Tomago!”, ruft der Mann, als plötzlich alle Tiere stehen bleiben. Was ist den jetzt? Ich kann die Sprache nicht verstehen. Ich habe Angst. Ich verschwinde ein Stückchen weiter hinter dem Baum und luscher nur noch mit einem Auge vor dem Baum hervor. Plötzlich schmeißt der Mann eine Strickleiter nach unten und klettert diese herunter. Er steht mit dem Rücken zu mir, als es plötzlich etwas anfängt zu strahlen. Ich bekomme Angst, dass der Mann mich jetzt sehen kann. Ich verschwinde komplett hinter dem Baum. Das Licht flimmert hin und her. Ich sehe nur die Schatten der Pflanzen, wie sie ihre Bahnen ziehen. Ich traue mich nicht mehr, zu schauen, was der Mann macht.
“Watama!”, ruft er dann plötzlich, als das Licht noch heller wird.
Ich nehme mir allen Mut zusammen und gucke dann doch vor dem Baum hervor. Er ist mit einem dunkelroten Gewand bekleidet. Er hat dicke Fellschuhe an und und trägt einen reich geschmückten Hut. Auf einmal dreht er sich um. Ich kann nicht glauben, was ich sehe. Er hält eine Art Frucht in der Hand. Sie sieht aus, wie ein großer Tannenzapfen und aus den kleinen Löchern der Frucht geht das Licht hervor. So etwas habe ich noch nie gesehen. Auf einmal geht er zu einem Baum, legt den leuchtenden Tannenzapfen auf den Boden und tritt darauf. Ich höre ein knacken und plötzlich erstrahlt das Licht noch heller. Es scheint, als ob die Schale abgefallen ist, und der leuchtende Kern freiliegt.
Es ist so hell, dass ich dass erste mal wirklich erkennen kann, wie meine Umgebung aussieht. Ich verschwinde leise hinter dem Baum, und lasse meine Blicke schweifen. Ich schaue auf den Boden und sehe viele kleine Pflanzen aus dem Laub des Bodens hervorschauen. Sie haben merkwürdig dicke Stengel und kleine Blätter. Die Blüte ist geschlossen, liegen aber wie verwelckt auf dem Boden. Dann sehe ich, dass um die Pflanzen herum kleine Knochen liegen. Nur um die Pflanzen herum. Sonst nirgends. Wie kommt das? Dann schaue ich wieder zu dem Mann. Er geht zum großen Tier und klettert die Leiter wieder rauf. Er scheint irgendetwas zu holen. Da höre ich plötzlich irgendetwas schreien. Na ja, es ist eher ein quietschen. Ich schaue mich um und sehe, dass sich auf einmal die Pflanzen bewegen. Einzelne von ihnen richten sich auf und öffnen ihre Blüten. Sie sind dunkelbraun und ansceinend sind sie Mäuler. Denn man sieht irgendwie Zähne in ihren Blüten. Oh man, das wird ja immer verrrückter. Die Pflanzen schreien immer noch. Es ist komisch. Sind die Pflanzen von dem Licht wachgeworden? Vorher war doch auch alles leise. Es wird immer lauter. Sie beschweren sich, oder? Sie wollen weiterschlafen, ja?
Auf einmal kommt der Mann wieder den Elefanten runtergeklettert. Er geht wieder auf den Baum zu, wo die leuchtende Frucht liegt. Er hat ein Werkzeug dabei und einen oder mehrere Säcke oder so. Das Werkzeug sieht aus, wie ein Axt mit spitzen Zacken auf der Klinge. Auf einmal fängt er an, zu schreien:
“Toa, shome. Toa shome golo!”
Er wartet einen Augenblick. Die Pflanzen fangen immer lauter an, zu schreien.
“Toa shome golo!”, schreit er wieder.
Dann streckt er die Axt in die Höhe, und haut einer Pflanze die Blüte ab. Sieht aus, als ob die Pflanze blutet. Nach einiger Zeit, verklingen plötzlich die Geschreie der Pflanzen, bis sie plötzlich ganz ruhig sind. Sie legen sich wieder auf den Boden. Es scheint wirklich, als ob die Pflanzen leben würden und die anderen Pflanzen Angst bekommen haben.
Dann geht der Mann zum Baum und fängt an, auf ihn mit dieser Axt einzuschlagen. Was macht der da? Will er diesen riesigen Baum fällen? Er haut auf den Baum ein, und nach einiger Zeit setzt er die Axt etwas weiter oben am Baum an, und macht weiter. Einige Sekunden später legt er die Axt auf den Boden. Als er mit der Hand den Boden streift, schnallt eine Pflanze nach oben und will ihn beißen. Doch er kann seine Hand rechtzeitig wegziehen.
“Argone!”, schreit er.
Dann zieht er eine Art Messer aus seinem Umhang hervor und steckt es in die Kerbe, die er mit der Axt geschlagen hat. Er bewegt das Messer rauf und runter, bis plötzlich die Rinde des Baumes abreißt. Er legt sie bei Seite und geht zu seinem Sack, den er neben den Buam gelabert hat.
Ich schaue auf den Baum, und kann kaum glauben, was ich jetzt sehe. Der Baum ist hohl und in diesem Baum wächst ein anderer Baum. Es ist ein sehr kleiner Baum. Er hat einen dünnen Stamm und die Äste strecken sie verworren und geschlängelt in die Luft. Er hat große Blätter, an deren Stiel so eine Frucht wächst, wie der Mann sie in der Hand gehalten hat. Diese Leuchten genauso hell. Die Schönheit des Augenblick ist schwer zu beschreiben. Das warme Licht der Pflanze strahlt in die Nacht und umgibt das Dunkel. Es ist wunderschön. Ein grünlicher Schein legt sich auf alles in der Umgebung nieder. Wahnsinn. Dann kommt der Mann mit seinem Sack wieder, geht in den Baum und fängt an, die Frückte abzupflücken. Er schmeisst sie alle in den Sack. Als der Sack nach einige Zeit voll ist, geht er aus dem Baum raus und klettert auf sein Tier. Oben angekommen springt er von dort aus auf das kleinere Tier vor dem großen. Von dem springt er wieder auf das nächste und immer so weiter. Irgendwann sehe ich ihn im Nebel nicht mehr.
Er läuft wohl zu seinem ersten Tier, um dort die Früchte abzuladen. Ich zögere einen Moment, doch dann laufe ich zu dem Raum. Dort angekomme rupfe ich schnell eine Frucht von dem Baum und renne zurück hinter den Baum. Schnell verstaue ich die Frucht in meinem Rucksack, damit das Licht mich nicht verrät. Da kommt auch schon der Mann wieder. Er geht zu seinem Baum zurück, fasst eine Frucht an, als er plötzlich inne hält. Er dreht sich um, geht aus dem Baum und nimmt die Axt in die Hand. Er hält sie bedrohlich in die Luft und geht in der Gegend umher. Ich zittere. Ich habe doch nur eine Frucht genommen. Hat der das gemerkt? Ist das denn so schlimm?
Auf einmal fängt eine Pflanze bei mir in der Nähe an, zu schreien. Da sehe ich den Mann, wie er sich umdreht, und auf mich zukommt. Da schreit die Pflanze wieder.
“Oh man, sei doch ruhig!” flüstere ich der Pflanze verzweifelt zu. Doch sie scheint nicht zu hören. Schnell versuche ich mich dann zu verstecken. Wo soll ich hin. Auf einmal fangen noch mehr von diesen Pflanzen an zu schreien. Da habe ich eine Idee. Ich grabe mich tief in dem Laub der Bäume auf dem Boden ein. Bei dem Geschrei wird mich der Mann schon nicht hören. Tief eingegraben verharre ich, und luschere durch ein kleines Loch im Laub nach draußen. Ich sehe, wie der Mann nun direkt neben mir steht. Geht er noch einen Schritt weiter, wird er auf mich treten. Oh nein. Ich halte meinen Atem an, und kann den Herzschlag meines Herzens deutlich hören. Da schreit eine der Pflanzen, der Mann holt mit der Axt aus und haut die Pflanze in zwei. Mein Herz bleibt stehen, denn er hätte mich fast getroffen. Doch er bemerkt mich nicht. Kurze Zeit später geht er dann ein Stückchen weiter weg. Die Pflanze sind wieder ins Schweigen verfallen. Er dreht sich nochmal. Er guckt direkt zu mir. Ich bin ganz ruhig. Er scheint mir direkt in die Augen zu schauen. Aber kann mich doch nicht gemerkt haben, oder?
“Atago ma tiuq.”, sagt er plötzlich, dreht sich um und geht wieder zu dem Baum.
Er pflückt weiter seine Leuchtfrüchte und ich befreie mich vorsichtig von meinem Blätterdach. Was soll ich jetzt machen? Ich stelle mich wieder hinter den Baum, und beruhige mich einige Zeit. Soll ich ihn ansprechen? Hm… Er sah allerdings nicht sehr nett aus, als er die Pflanzen zerteilt hat… Macht er das auch mit mir? Zwei Sekunden später fällt mir aber auch ein, dass er eine andere Sprache spricht und mich sowieso nicht verstehen würde. So, und jetzt?
Nach kurzer Zeit verschwindet der Mann wieder mit seinem vollgepackten Sack. Warte mal, der Mann sammelt die Früchte doch für einen bestimmten Zweck. Und dann, dann wird es, wenn er genug hat, die Früchte doch irgendwo hinbringen. Und da muss es dann doch noch mehr Menschen geben. Vielleicht kann er mich zum Dorf bringen. Ich warte also einfach, bis der Zug weiter geht und folge ihm dann. Allerdings wird das noch eine ganze Zeit dauern, bis der seine ganzen Elefanten vollgepackt hat. Und außerdem hat mir der Affe gesagt, ich soll den Weg zurückgehen. Ich weiss doch gar nicht, wo der Mann mit seinen Elefanten hingehen will.
Nach einiger Zeit kommt der Mann wieder und erntet noch die letzten Früchte von diesem Baum im Baum. Dann legt er den Sack beiseite, nimmt die Rinde vom großen Baum, und befestigt sie wieder am Baum, so dass der Baum wieder geschlossen ist. Er nimmt den Sack nun und geht zu einem anderen Baum. Er haut wieder die Rinde ab, wieder steht so ein Baum in dem Baum, und erntet weiter seine Früchte. Verrückt. Ich verschwinde dann hinter den Baum, und setze mich auf den Boden. So, was mache ich jetzt?

-X-
Donner

Auf einmal erhellt sich der Himmel für eine Sekunde und ich höre ein Donnern. Ich gucke zum Himmel empor und sehe einen Blitz und dann wieder ein Donnern. Na toll, jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Oder zu schneien. Es ist ja kalt…
Ich stehe auf und gucke wieder hinter dem Baum hervor. Er ist gerade weider auf dem Weg mit seinem Sack zu dem Tier, als er sich nach einiger Zeit umdreht. Es blitzt wieder. Der Mann geht auf den Baum zu und verschwindet in diesem. Was hat der denn jetzt bloß auf einmal? Hat er Angst vor Schnee?
Ich gucke gen Himmel und sehe kleine Pünktchen vom Himmel Richtung Erde fallen. Nein, sie fallen nicht. Sie schweben. Aber es scheint kein Schnee zu sein. Ich schaue weiter, bis sie immer näher kommen. Ich kann nun etwas erkennen. Ja, ja, es sieht aus, als ob es Schmetterlinge sind. Sie sind so groß, wie ein Langsam schweben sie zu Boden. Es werden immer mehr. Sie setzen sich schließlich auf den Boden und auch auf mir landen welche. Was um alles in der Welt machen so viele Schmetterlinge hier? Plötzlich höre ich ein knallen. Noch eins. Ahh. Ich schaue auf meine Schulter, und sehe, dass ein Stück meiner Jacke fehlt. Ich blute. Noch einmal. “Ahhhh”. Plötzlich verspüre ich auch ein Schmerz in meinem Bein. Dann sehe ich, wie genau vor meinen Augen so ein Schmetterling anfängt zu explodieren. Ich renne los, zu dem Baum, wo der Mann seinen ersten Baum aufgehauen hat. Ich renne so schnell ich kann. Der Baum ist noch ein Stückchen von mir entfernt. Hoffentlich finde ich ihn. Ich versuche den Schmetterlingen aufzuweichen. Doch manche treffen mich trotzdem. “Ahhhh”. Als ich den Baum erreicht habe, versuche ich die Ringe abzulösen. Mist. Es klappt nicht. Es muss der falsche sein. Ich renne zu dem nächsten Baum. Doch auch hier klappt es nicht. “Ahh HILFE”. Die Schmezren sind kaum zu aushalten.
Auf einmal höre ich lautes Gebrüll. Erschrocken drehe ich mich um, und sehe, wie auf einmal die riesigen Tiere aufangen herumzutrampeln. Ihre tiefen Schreie hören sich furchtbar an. Und doch höre ich auch aus ihren Geschrei leidvolle Hilferufe. Was mache ich jetzt. Ich soll nicht denken hat mir der alte Mann gesagt. Ich denke doch gar nicht.
“Ich denke doch gar nicht!!!”, schreie ich. “Ich denke doch gar nicht. Was soll ich nur machen. Hol mich hier raus!!!”
Jetzt hat mich der Mann bestimmt gehört. Ich drehe mich um und sehe, wie der Mann aus seinem Baum gerannt kommt und auf sein Tier klettert.
“Gamolá! Hoi gamolá”. Auf einmal setzen sich die Tiere in Bewegung. Oh nein. Was mache ich jetzt, Der Mann und seine Tiere wollen abhauen. Ich muss ihnen folgen. Ich muss. Ich kann hier nicht ewig im Wald bleiben. Ich laufa also auf das große Tier zu und springe auf die Strickleiter. Es ist furchtbar. Ich werde hin und hergerissen. Und diese dämlichen Schmetterlinge werden auch nicht weniger. Ich kneife meine Augen zu, und hoffe, dass es bald zu Ende ist. Es fällt mir nur sehr schwer, nicht loszuschreien. Ich will schließlich nicht, dass der Mann seinen Blinden Passagier entdeckt. Nach einigen Minuten unbequemer und schmerzlicher Reise fängt es jetzt auch noch an, zu schneien. Toll, normalerweise freue ich mich immer, wenn es schneit. Aber diesmal ist es irgendwie etwas anderes. Ich kann ein schmerzerfülltes Lachen meinem Lippen entlocken.
“Gamolá. Tio kertola”, schreit der Mann. Jetzt geht es noch schneller voran. Die Tiere heizen und schreien. Alles tut weh und ich weiss immer noch nicht, wo ich bin. Es ist ein Albtraum. Ein Albtraum. Ja… Ist es vielleicht wirklich ein Traum?
Auf einmal sind die Schmetterlinge verschwunden. Na ja, zumindest höre ich keine Explosionen mehr. Dann öffne ich die Augen. Tatsache, die Schmetterlinge sind weg. Und es ist heller geworden. Bricht der Tag jetzt an? Na, wird ja auch mal Zeit. Trotzdem bin ich immer noch in diesem Wald. Auf einmal werden die Tiere langsamer. bis sie plötzlich ganz stehen bleiben. Oh oh, der Mann will bestimmt von seinem Tier steigen, weshalb ich schmerzerfüllt von der Leiter springe. Ich renne leise hinter einen Baum.
“Tumchi, tumchi”. Auf einmal reist mich eine Hand herum.
“Tuhali, mi golo”. Ein kleines Mädchen steht auf einmal vor mir und lacht mich mit großen Augen an. Ich gucke etwas verdutzt. Sie hat lange, schwarze Haar, dunkle Haut und einen türkisen Strich vom Hals bis zu ihren Lippen.
“Tuhali.” sagt sie wieder.
“H… h… hallo?!”, erwiedere ich zögerlich.
“Tuhali, et mio golo. Que tu bina?”.
“Ja, hallo?”. Was soll ich denn jetzt machen? Dann schließt sie ihre Augen. Auf einmal: “Hallo?” Ich erschrecke mich ein wenig. “Wo kommst du her?”, fragt sie mi leiser Stimme. “Komm, lass mich deine Wunden verartzten”. Dann dreht sie sich um und geht ein Stück des Weges: “Komm!”
Ich wundere mich, warum sie auf einmal meine Sprache spricht und frage:
“Warum sprichst du auf einmal meine Sprache?”
Ich folge ihr und hoffe, dass sie nichts böses im Schilde führt.
“Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ich bringe dich zu mir nach Hause. Dort werde ich dir Essen geben. Du wirst Hunger haben.”
Stimmt. Ich habe Hunger. Aber ich habe irgendwie schon die ganze Zeit Hunger. Auf einmal drehe ich mich um, denn ich merke, dass die Tiere weiter gehen. Was mach ich jetzt. Ich wollte doch den Tieren hinterhergehen. Vielleicht bringen sie mich ins Dorf.
“Hey, du wirst sie wieder finden. Sie werden wieder kommen und ernten weiter ihre Kanús. Keine Sorge”
Woher weiss sie das denn jetzt?
“Woher weisst du das denn jetzt?”
“Mach dir nicht so viele Gedanken!”
“Tssss… Kanus, sind das diese Leuchtfrüchte?”
“Ja…”, sie lacht, “diese Leuchtfrüchte!”
“Kennst du diesen Menschen auf diesen Tieren?”
“Nicht persönlich. Aber heh, ich lebe hier. Sie brachen die Früchte und ernten sie. Ich sehe die andauernd hier.
“Wieso ernten sie diese Früchte?”
“Das ist eine Art Energiespender. Außerdem erhellen sie die Nacht.”
“Hm…? Gibt es hier denn gar keinen Str…”, da unterbricht sie mich.
“Licht, Energie, Wärme. Das alles.”
“Energie? Du meinst…”
“Ich meine gar nichts. Sei ruhig und lass mich ausreden. Vergiss alte Zeiten. Sie sind vergangen!”
Was hat denn das jetzt mit meiner Frage zu tun. Ich wollte doch nur wissen, ob es hier… warte… ob es hier. Ich weiss nicht mehr, was ich sie fragen wollten. Na toll…
“Ok, und wie funktionieren diese Früchte?”, frage ich sie.
“Wenn es hier nur Menschen wie dich geben würde, dann würden sie gar nicht leuchten! Sie leuchten durch die Zufriedenheit der Menschen. Sie akzeptieren, was ist und was nicht ist. Sie sind glücklich. Sie zweifeln nicht an dem, was sie haben. Du hast es noch nicht ganz verstanden!”
Warum redet sie denn jetzt auch schon wieder von meinen Zweifeln. Ich habe doch gar keine Zweifel… …
“Hey, du steckst doch mit diesem alten Mann und dem Affen unter einer Decke? Außerdem hast du mir immer noch nicht erzählt, warum du auf einmal meine Sprache sprichst!”
“Das ist es, das ist es. Ich kenne diesen Affen und den alten Mann nicht. Aber sie haben dir geholfen. Wären sie nicht gewesen, dann wärst du jetzt nicht hier. Ich kann deine Sprache, weil ich meinem Herzen vertraue, nicht meinem Verstand. Verstehst du? Das solltest du auch! Aber komm jetzt, du wirst schon noch verstehen!”

-XI-
Umwege, 1

Wir gehen immer weiter durch den Wald. Er wird immer dichter. Die Bäume scheinen immer gewaltiger zu werden. Büsche und Pflanzen bedecken den Boden und Lianenähnliche Pflanzen hängen wie dicke Taue von den Bäumen bis fast auf den Boden. Manche von ihnen sind nicht ganz so lang. Dafür hängt aber eine Art Blüte an deren Enden. Merkwürdig. Der Mond scheint immer noch. Doch es wird langsam heller. Bricht der Tag jetzt an?
Da, da sind wieder diese fleischfressenden Pflanzen. Ich weiss gar nicht, wo ich hingucken soll! Das ist einfach so verrückt alles.
“Pass auf!”, schreit das Mädchen und reisst mich nach unten.
Ich lande im Gestrüpp, reiß mich um und schaue nach oben. Ich sehe nur noch ein Wesen mit riesigen Flügeln davonfliegen.
“Was war dass denn?”, frage ich.
“Das war ein Karikobaby. Sie leben solange sie noch kleins sind in diesen Blumen, die von den Bäumen hängen! Die sind ziemlich hungrig, also pass auf!”
“Ein was? Der sah aus wie ein Drache! Jetzt sag nicht, dass der auch Feuer spuckt oder so…”
“Ein was? Ein Drache, der Feuer spuckt? Ich weiss nicht, was ein Drache ist, oder ob der dann Feuer spuckt… Du hast ja Ideen. Komm, wir müssen weiter!”
Nachdem wie ein paar Minuten gegangen sind, kommt wieder dieses Kariko durch die Luft geflogen. Weit oben, knapp unter dem Blätterdach von Baumkronen und anderen merkwürdigen Pflanzen fliegt es geschickt um die Stämme und Lianen. Dann sehe ich, wie sich eine von diesen Blüten öffnet, der Drache hineinfliegt und sich dann wieder schließt. Man, das ist fast schon ergreifend.
“Du musst immer auf der Hut sein. Hier gibt es viele merkwürdige Tiere und Pflanzen! Schau dort drüben. Die nennt man Kachetas.”, spricht sie mir leise ins Ohr.
Ich schaue zu meiner Linken und sehe mehre kleine Feuer zwischen den Gebüschen.
“Heh, es brennt!”, rufe ich plötzlich.
“Nein,” sie lacht, “schau doch genau hin!”
Dann sehe ich drei komische Wesen durch die Gegend laufen. Sie sehen aus, wie große Ratten mit Köpfen von Wildschweinen. Und sie brennen. Sie brennen am ganzen Körper. So etwas habe ich noch nie gesehen.
“Und du sagst, ich bin verrückt, dass Drachen Feuer spucken”, sage ich lachend.
Sie sehen sehr sehr merkwürdig aus.
“Komisch nicht wahr? Sie brennen nur, um sich zu wärmen. Komm, wir müssen weiter.”
Während wir weitergehen spüre ich die Ruhe. Die frische Kalte Luft spendet mir neue Kraft und das Rauschen des Windes, der durch die Blätter fegt ist wie das Rauschen des Meeres. Da bleibe ich stehen. Das Mädchen geht einfach weiter. Sie hat mich nicht bemerkt.
“Warte bitte einmal!”, rufe ich ihr hinterhet.
Ich schaue mich um und spüre die Schneeflocken auf meinem Gesicht. Es schneit. Aber wie reichen die Schneeflocken durch das dichte Blätterdach? Und da fällt mir zum ersten Mal auf, dass die Bäume grün sind. Es wird immer klarer. Ja, die Bäume tragen Blätter, obwohl es schneit und kalt ist.
“Hey,” ruft mir das Mädchen entgegen, “was hast du denn? Komm doch!”
“Warum tragen die Bäume Blätter? Es ist doch Winter oder?”
“Was ist es?”
“Winter, kennt ihr keinen Winter hier?”
“Ach lass mich mit deinem Kram in Ruhe. Komm jetzt, wir müssen weiter!”
Das Mädchen rennt voraus und fängt an zu lachen.
“Das wird komisch. Wenn die dich sehen!”
Was meint sie? Wenn wer mich sieht? Hm… Es ist alles so… es ist so unglaublich. Warum bin ich überhaupt hier? Ich darf nicht vergessen, die Antworten auf meine Fragen zu bekommen!
Dann renne ich dem Mädchen hinterher. Auf einmal bleibt sie vor einer Art großem Korb mit einem Seil an diesem gebunden stehen. Sie kletter hinein. Der Korb sieht aus, wie die Körbe, die auf diese Tiere gebunden waren.
“Komm her. Klettere auf in den Korb!”, ruft mir das Mädchen entgegen.
So steige ich in den Korb, als das Mädchen an dem Seil zieht. Plötzlich fängt der Korb an, sich zu bewegen. Wir werden mit dem Korb nach oben gezogen.
“Hey, wo fahren wir hin? Was passiert jetzt?”, fage sie verstört.
“Wir gehen zu mir nach Hause! Weisst du das denn nicht mehr? Dort werde ich dir Essen geben!”
Stimmt. Ich nicke mit dem Kopf. Wir werden immer weiter nach oben gezogen. Die Baumkronen kommen immer näher. Der Boden ist kaum noch zu sehen. Auf einmal hält der Korb an. Ich schaue mich um und sehe hinter mir eine Art Steg, der an den Baumstämmen befestigt ist. Er scheint ins Nichts zu führen.
“Komm!”, das Mädchen geht vorraus.
Ich folge ihr. Plözlich tritt der erste Lichtstrahl in meine Augen. Ich bleibe stehen. Ich kneife meine Augen zusammen und versuche dem Lichtstrahl bis zum Himmel zu folgen. Doch meine Augen reichen nicht durch die dichten Baumkronen hindurch. “Einmal, nur einmal möchte ich den Himmel schauen”, flüstere ich leise.
“Komm, komm schon, wir müssen weiter!”, ruft sie wieder.
Ich drehe mich um und will weiter gehen. Doch meine Blicke bleiben hängen. Ich sehe immer mehr Lichtstrahlen, die sich ihren Weg durch die Baumkronen schlagen. Es ist wunderschön. Das Spiel aus Licht und Schatten in den verschneiten Baumkronen ist atemberaubend. Der Schnee funkelt wie Diamanten, dort wo die Lichtstrahlen ihn berühren. Ich stehe einige Minuten wie angewurzelt da, als ich plötzlich aus meinem Traum gerissen werde.
“Hey warte. Mädchen, warte doch!”, schreie ich dem Mädchen hinterher. Doch ich höre keine Antwort.
“Hey, warte. WARTE. Ich kenne mich hier doch nicht aus!”
Nichts. Nichts. Ich höre immer noch keine Antwort. So renne ich los, den Steg entlang. Der Steg knirrt und knarrt, als ob er jede Sekunde zusammenbrechen würde.
“Warte doch!”
Es ist unglaublich. Ich renne unter den Baumkronen in einem riesigen Wald dutzende von Metern über dem Boden. Der Steg führt von einem Baum zum andern. Ich laufe über Brücken, die mit riesigen Lianen an den Ästen der Bäume befestigt sind. Es ist unglaublich. Ich renne und renne, doch das Mädchen hole ich nicht ein. Völlig außer Atem bleibe ich stehen und lache:
“Warum sind die hier alle nur so schnell?”
Den alten Mann habe ich ja auch nicht mehr eingeholt. Ob ich den noch mal wieder sehe? Nach einiger Zeit gehe ich weiter. Die Sonnenstrahlen scheinen mir immer noch durch die Baumkronen ins Gesicht und wärmen meine kalten Wangen. Auf einmal sehe ich ein paar Meter von mir kleine Lichtlein durch den Wald schweben. Sie fliegen, wie in kleinen Formationen um eine Pflanze herum. Die Pflanze scheint in der Luft zu schweben. Sie sieht aus wie ein große Seerose. Ihre Blüte ist dunkelviolett und sie ist mit großen spitz zulaufenden Blättern geschmückt. Ihre Wurzeln reichen bis weit hinunter. Ich sehe nicht, ob sie bis auf den Boden reichen. Die Blüte wird von einem Lichtstrahl erhellt. Auf einmal kommt eins von den Lichtlein zu mir geflogen. Es hält kurz vor meinem Gesicht an. Jetzt kann ich es erkennen. Es sind Schmetterlinge. Und ihre Flügel leuchten. Der Schmetterling dreht ein paar Runden um meinen Kopf und fliegt schließlich wieder zu dieser Seerose zurück.
Nachdem ich das Schauspiel ein paar Augenblicke betrachtet habe, gehe ich weiter. Nach einiger Zeit sehe ich eine Art kleines Baumhaus, das an einem Stamm mit einer großen Holzkonstruktion befestigt ist. Der Steg führt direkt an dem Haus vorbei. Ich gehe auf das Haus zu und erkenne eine Türe. Vor der Tür hängt ein Schild mit unleserlichen Buchstaben. Na ja, ich glaube, dass es Buchstaben sind. Dann öffne ich die Türe und betrete einen dunklen Raum. Ich erkenne eine Leiter, die weit nach oben führt. Komisch, von außen sah das Baumhaus gar nicht so groß aus. Ich gehe zur Leiter und klettere sie hinauf. Ich muss eine ganze Weile klettern bis ich zu einer Luke gelange. Ich versuche sie zu öffnen, doch sie klemmt. Ich presse mein ganzes Körpergewicht gegen die Luke, doch sie öffnet sich nicht. Auf einmal höre ich eine leise Stimme:
“Vertraue nicht deinem Verstand…”
Ich erschrecke mich. Unruhig schaue ich mich um. Ich gucke nach unten. Schwarz.
“Hallo? Bist du es Mädchen? Hallo?”
Keine Antwort. Was war denn das schon wieder. Wer war denn das jetzt schon wieder.
Nach einigen Sekunde versuche ich wieder unterbewußt die Luke zu öffnen. Auf einmal geht sie auf. Ich erschrecke mich. Wie ging die denn jetzt so einfach auf? Ich klettere nach draußen und warme Sonnenstrahlen scheinen auf mein Gesicht. Ich schaue mich um, und sehe, dass ich mich in einer Art Ausguckhäuschen weit über den Baumkronen des Waldes befinde. Ich gehe nach draußen. Das Haus ist rund und hat ein sehr langes spitzes Dach. Die Holzkonstruktion ist mit vielen Schnitzereien verziert. Ich befinde mich auf einer Art Terasse vor dem Haus. Sie ist recht groß. Ich schaue mich weiter um. Es ist bewölk und es schneit. Die Sonne findet trotzdem hin und wieder den Weg durch die Wolken. Meine Blicke schweifen über eine bergige weite Landschaft. Der Wald zieht sich noch ein ganzes Stück ins Land und endet am Fuße eines riesigen Berges. Der Berg ist karg. Nur der Schnee bedeckt die großen Felsen, die aus dem Boden ragen.
Ich drehe mich um und gehe ums Haus. Der Wald endet. Die Bäume sind nicht mehr. Ich schaue auf ein riesiges Eismeer. Die Wellen scheinen schlagartig gefroren zu sein. Sie sehen aus, als würden sie im nächsten Moment brechen. Doch sie sind eingefroren. Die Sonnes funkelt durch das Eis des Meeres und ich kann kaum noch etwas durch das Licht erkennen. Da entdecke ich eine Leiter, die nach unten zum Meer führt. Ich schaue nach unten. Es ist ziemlich tief. Doch ich überlege nicht lange und klettere die Strickleiter herunter. Nach einigen Minuten bin ich unten angekommen. Ich schaue auf das Meer und höre den Wind. Alles funkelt. Plötzlich trifft ein Lichtstrahl direkt in mein Auge. Ich gehe zur Seite, damit ich wieder sehen kann. Einige Sekunden trifft wieder ein Lichtstrahl in mein Auge. Ich gehe wieder zu Seite. Wieder. Ich gehe hin und her und da merke ich, dass der Lichtstrahl mir folgt.
“Hey, hör auf mich zu blenden, wer und wo auch immer du bist!”
Nichts passiert. Der Lichstrahl blendet mich immer noch. Da mache ich mich auf. Ich überquere den kurzen Strand bis zum Meer und betrete das Eis. Ich versuche durch die Wellen zu laufen, um bis zur Quelle des Lichstrahl zu gelangen.
“AAHHH!”, ich rutsche aus und falle mit meinem Steisbein direkt auf das Eis. Ah ne, das kann ich jetzt noch gebrauchen. Ich richte mich langsam wieder auf. Ich gehe weiter. Nach einiger Zeit merke ich, dass der Lichtstrahl weg ist.
“Hey, hey was soll das?”, ich frage mich, wem ich da hinterherrufe.
“Heeeyy!”
Ich schaue umher. Ich versuche, den Lichtstrahl wieder zu entdecken. Aber er ist weg. Ich gehe noch ein Stückchen auf dem Eis weiter. Doch es ist verschwunden. Da drehe ich mich um und will wieder ans Land gehen. Doch das Land scheint weit weit entfernt. Mein Blicke verlieren sich im nichts. Weit am Horizont kaum noch zu erkennen, schaue ich den großen Berg, den ich auf Ausguckpunkt von dem Wald gesehen habe. Aber wie kann das sein? Ich bin doch gar nicht so weit gelaufen?
“Hey, haaallooo? Hört mich denn keiner? Hallo? Was soll denn das schon wieder? Hört mich denn keiner?”, schreie ich ins Nichts.
Ohh nein. Das darf doch nicht wahr sein. Was mache ich jetzt? Ich fange an zu zittern. Ich komme nie im Leben mehr zurück! Da merke ich, dass Nebel aufzieht. Innerhalb kürzester Zeit kann ich nicht weiter als drei Meter schauen.
“Oh nein, was mach ich jetzt? Was mache ich jetzt bloß? Heeeeeee! Hört mich denn keiner? Haaaallo?”
Verzweifelt versuche ich nach einiger Zeit auf ein erforene Welle zu klettern.
“Was mache ich nur?”
Ich kann mich an einigen Kanten festhalten. Ich kelttere ein Stück nach oben, als mir auf einmal der Atem stockt. Ich sehe einen Menschen in der Welle eingefroren. Vor Schreck verliere ich den Halt und schliddere die Welle nach unten bis zum Boden. Mein Kopf landet auf dem Eis.

-XII-
Umwege, 2

Ich öffne meine Augen. Nichts. Was ist passiert? Ich schaue umher. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich schaue umher. Ich liege in einem Bett. Ich befinde mich in einem Zimmer. Ich kenne das Zimmer. Ich versuche mich zu erinnern. Auf einmal höre ich eine leise Stimme:
“Hey, komm zurück. Schließe deine Augen und schlafe weiter!”
Ich schaue weiter im Raum umher. Ich fühle mich leer. Weiss nicht, was ich denken oder tun soll. Wieder:
“Hey, jetzt schließe schon deine Augen oder alles ist vorbei! Komm schon!”
Ich überlege noch ein Stück. Dann lege ich mich wieder hin und schließe die Augen. Mein Kopf ist immer noch leer. Was passiert nur mit mir? Ich versuche ein Antwort zu finden, doch ich finde keine. Meine Gedanken drehen im Kreis. Ich finde einfach keinen Ansatzpunkt. Wie nur, wie nur bin ich hier hingekommen? Aber wo ist hier? Also das kann doch nicht sein. Wie, wieso …
“Wach auf! Du musst aufwachen”
Plötzlich reiss ich meine Augen auf und richte mich auf.
“Was… was ist los? Wo bin ich?”
Ich befinde mich in einem Bett. Ich liege in einem Bett in einem Raum. Die Wände, die Decke und der Boden, alles ist aus Holz. Viele Fensterläden lassen Licht in den alten Raum scheinen. Ich dem Raum steht ein Schreibtisch. Ich gehe aus dem Bett und betrachte den Schreibtisch von Nahem. Viele Karten liegen auf dem Schreittisch. Doch ich kann nicht erkennen, was sie bedeuten sollen. Ich kann die Schrift nicht lesen und ich keine auch keine dieser Länder. Dann sehe ich ein Sechstant. Viele Stifte liegen auf dem Tisch. Ich will gerade eine der Schubladen öffen als ich plötzlich eine Stimme höre:
“Hey, du bist aufgewacht. Das ist gut! Wie geht es dir?”
Ein ältere Herr mit vollem Bart steht in der Tür und lacht mir entgegen. Er hat eine runde Brille auf der Nase und viele Stifte und Zollstöcke ragen aus seinen Taschen.
“Wer sind sie?”
“Wie geht es dir? Ich habe dich im Meer gefunden.”
“Mir… ach mir geht es ganz gut. Ich bin etwas durcheinander. Ich weiss nicht mehr so genau, wo oder wer ich bin…”
“Mach dir keine Sorgen. Das kommt schon wieder.”
“Nein, das sage mir alle. Aber irgendwie ist es noch nicht wiedergekommen.”
“Jetzt komm, ich bringe dir etwas zu essen.”
“Ja. Ja ok. Aber können sie mir denn sagen, wie ich hierhergekommen bin?”
Der Mann geht durch die Tür und setzt sich an einen reich gedeckten Tisch. Ich gucke aus dem Fenster. Ich kann nichts erkennen. Alles ist weiss. Ich gehe weiter und setze mich zu dem Mann an den Tisch und frage:
“Warum ist hier alles so weiss? Ich kann gar nichts erkennen.”
“Ach, dass ist der Nebel. Es ist immer neblig um diese Zeit. Aber werde ihn gleich wegnehmen.”
“Wegnehmen? Wie denn wegnehmen?”
“Iss jetzt erstmal was!”
Ich setze mich an den Tisch und fange an meinen Hunger und Durst zu stillen.
“Jetzt weiss ich. Mich hat irgendetwas geblendet und dann bin ich dem Licht gefolgt. Und dann… Ich bin auf eine Welle gekletter. Stimmt…”, ich zucke zusammen, “ich habe im Eis einen eingefroren Menschen gesehen. Dann bin ich vor Schreck abgerutscht. Ja, jetzt bin ich hier…”
Auf einmal steht der Mann auf und geht in einen anderen Raum.
“Wo gehen sie hin?”, frage ich ihn.
“Ich komme gleich wieder. Iss dich nur satt.”, ruft der Mann aus einem anderen Zimmer. Einige Zeit später höre ich Gepolter. Hört sich an, als ob der Mann irgendwelche Treppen benutzt. Hmm. Ich esse weiter. Nach einiger Zeit stehe ich auf. Der alte Mann ist schon eine ganze Weile weg. Ich gehe zum Fenster. Auf einmal höre ich laute Geräusche. Ich schaue raus, und merke, dass sich der Nebel lichtet. Ich kann immer mehr erkennen und sehe, dass ich mich hoch über dem Eismeer befinde. Und ich sehe eine Brücke, die bis an den Horizont reicht. Die muss doch ans Ufer führen.
Ich wende mich um und gehe durch eine Tür in einen anderen Raum. Dort befindet sich noch eine Tür. Ich öffne sie und merke, dass meine Vermutung richtig war: Treppenstufen führen nach unten. Ich gehe auch nach unten. Ich höre ein Rauschen. Je weiter ich nach unten gelange, desto lauter wird es. Ich sehe wieder eine Tür. Leise öffne ich sie und betrete einen Raum. Er ist voller Zahnräder, die sich drehen. Es sieht aus wie ein Maschinenraum. Vorsichtig gehe ich weiter. Dann sehe ich einen riesigen Ventilor. Er scheint Luft anzusaugen. Die Luft wird in ein Rohr geleitet. Ich folge dem Rohr. Es führt einen langen Gang entlang. Ich gehe den Gang entlang, bis ich an eine Tür gelange. Ich öffne sie und schaue das Rohr. Es endet hier. Das Rohr hat ein Loch. Vor dem Loch steht eine gläserne Kugel. Sie saugt das, was aus dem Rohr kommt auf. Es wird in die Kugel gebannt. Es ist wie Nebel. Weiss. Ist es sogar der Nebel? Ich schaue aus einem Fensterladen nach draußen uns sehe seitlich von dem Haus einen Strudel aus Nebel. So hänge ich meinen Oberkörper aus dem Fensterladen und kann erkennen, dass tatsächlich der Nebel von dem Ventilator in dem Haus aufgesaugt wird.
Auf einmal höre ich wieder ein Geräusch. Es kommt von der Tür in diesem Raum. Ich gehe langsam auf die Türe zu und öffne diese leise. Ich schaue hinaus. Vor dem Haus befindet sich eine Plattform. Der alte Mann redet gerade mit… mit einer Maschine?!
“Ha, endlich. Endlich bekomme ich mal wieder was zwischen die Zähne. Oh man, das wird schön!”, sagt der alte Mann.
Die Maschine besteht aus vielen kleinen und großen Zahnredern, die irgendwie ineinander verzahnt sind. Oberhalb von dem Geflächt aus Zahnredern sitzt eine Art Kopf. Sieht aus wie ein Hundekopf mit glühenden Augen. Die Maschiene steht auf kleinen Rädern.
“Ich weiss nur noch nicht, wie ich ihm das erklären soll. Es ist immer wieder das gleiche. Weisst du, die Sache mit dem Lichtstrahl funktioniert ja immer gut. Es gibt immer irgendwelche Idioten, die dem Lichtstrahl folgen. Vielen Dank übrigens für die gute Idee der Lichtstrahlmaschiene. Tja, aber eine Maschiene, die das Gehirn eines Menschen manipulieren kann habe ich leider immer noch nicht erfunden.”
Was, was meint der denn damit? Ich stehe immer noch in der Tür und linse zum alten Mann hervor. Er redet immer noch mit dieser Maschiene. Der Nebel hat sich fast komplett gelichet, die Sicht wird immer klarer. Ich sehe das Ufer. Und es scheint gar nicht mehr so weit entfernt zu sein. Ach, und weiter rechts ist auch die Brücke. Und, ja, sie führt wirklich zum Ufer. Perfekt.
“Es tut mir auch immer wieder Leid, aber wie soll ich mich hier sonst ernähren? Ich gehe nicht mehr ans Ufer. Meine Studien sind mir viel zu wichtig, als das ich mich wegen albener Nahrungssuche am Land aufhalten will. Na komm…”
Der Mann dreht sich schlagartig um und ich erschrecke und zucke zurück. Dabei bin ich gegen ein Regal an der Wand gestoßen, was einige Geräusche von sich gegeben hat.
“Hallo, was ist da los. Hey, wer ist da?”, ruft der alte Mann.
Ich drehe mich um, und laufe leise den Gang zurück.
“Hallo! Wer ist da?”
Ich höre immer lautere Schritte hinter mir. Der Mann scheint mir hinterherzulaufen. Mist, was soll das? Nach ein paar Sekunden bin ich wieder in diesem Maschienenraum. Ich sehe ein Tür. Ich renne durch die Tür, reiße mich herum und schließe die Tür leise hinter mir. Ich sehe einen Schlüssel in Schloß und verriegle so auch noch die Tür. Eine Sekunde später sehe ich, wie jemand die Türklinge runterdrückt.
“Hey, bist du da drinne?”
Ich sage nichts. Aber der alte Mann müsste mein Herz hören, so laut und schnell pocht es.
“Was ist denn los? Warum rennst du vor mir davon?”
Ich sage immer noch nichts. Ich sehe den Raum. Er ist ziemlich dunkel. Nur ein Spalt in der Wand lässt das Licht durchscheinen. Auf einmal sehe ich viele kleine Lichtlein aufblinken. Ich sehe viele kleinere ähnlich, wie die Maschiene, mit der der alte Mann geredet hat, Maschienen, die sich in Bewegung setzen. Sie fangen an zu rattern und zu klappern. Sie kommen auf mich zu. Der alte Mann brüllt wieder irgendetwas durch die Tür. Nach kurzer Zeit stehen die Maschienen vor mir. Auf einmal geben die Maschienen grelle Geräusche von sich. Mein Herz fängt an zu rasen. Und ich fange an zu schreien:
“Lass mich gehen. Ich will hier nicht gefressen werden. Lasst mich gehen!”
Ich renne auf die Maschienen zu, schlage mich von Maschine zu Maschiene knalle einige Sekunden später gegen ein Wand. Es ist zu dunkel, ich kann nichts erkennen. Ein paar Sekunden später durchbricht der alte Mann die Tür.
“Ruhe. Gebt Ruhe meine Lieben!”
Auf einmal sind die Maschinen ruhig und scheinen reglos. Ich taste mich hastig immer weiter nach hinten. Doch der alte Mann ist schneller. Er kommt auf mich zu. Die Maschienen folgen ihm schließlich. Verzweifelt presse ich mich gegen die Wand und versuche weiter nach hinten zu kommen. Doch der Raum ist zu ende.
“Hee, lasst mich in Ruhe, ich habe euch nichts getan!” schreie ich dem Mann entgegen.
“Ich dir doch auch nicht. Was hast du denn?”
“Ich weiss, was sie vorhaben. Sie wollen mich fressen!”
Ich nehem all meinen Mut zusammen und renne dem Mann entgegen. Da ich nichts erkennen kann, stolpere ich sofort über etwas und lande direkt in den Armen von dem alten Mann.
“So mein stürmischer Junge. Jetzt komm mal mit. Brauchst auch keine Angst zu haben!”, flüster der alte Mann mir ins Ohr.
Ich versuche mich zu wehren. Doch der alte Mann packt kräftig zu. Ich kann mich nicht befreien. Auf einmal spüre ich einen harten Druck an meinem Bein. Ich blicke schnell nach unten und merke, wie eine der Maschienen mich an meinem Unterschenkel festhält. Der Mann lässt mich los und verschwindet.
“Bringt ihn in das Zimmer. Da wird er sich wohl fühlen”, brüllt er uns hinterher.
Die Maschienen zerren mich durch den Maschienenraum und über die Treppen hinauf in den Raum, wo ich zuerst mit dem Mann gegessen habe. Dann bleiben sie stehen. Der alte Mann kommt auf mich zu:
“Wie heisst du?”
“Ich heisse gar nicht. Lassen sie mich los!”
“Wie heisst du?”
Ich sage nichts. Ich versuche mich nur von dem Maschienen loszureissen.
“Weisst du, mach dir keine Sorgen. Es wird schnell und schmerzlos sein. Junge, ich kann doch auch nichts dafür. Ich habe Hunger. Das bißchen Essen, was mir meine kleinen Freunde an Land bringen reicht einfach nicht. Tut mir Leid. Bringt ihn weg!”
Die Maschienen zerren mich in einen anderen Raum. Eine andere Maschien greift nach mir. Sie hebt mich in die Luft und fährt mit mir Richtung Fensterladen.
“He, heee, lasst mich runter ihr Blechdosen. Lasst mich runter”
Ich zaple wie ein Fisch an einer Angel. Auf einmal holt die Maschiene aus und schmeisst mich aus dem Fensterladen!
“Ahhhhhh”
Ich fliege den Turm herunter und lande in einem Netz. Es ist weiter unten an dem Turm mit einer Holzkonstruktion befestigt. Ich schnappe nach Luft und versuche meinen Schock zu überwinden. Nach einiger Zeit schaue ich mich um. Der Turm ist in zwei Abschitte geteilt. Der untere Abschnitt besteht aus großen Steinen, die aus dem Eismeer ragen. Auf dieser Steinkonstruktion steht die Holzkonstruktion. Vier mächtige Holzbalken führen in die Höhe und halten das spitz zulaufende Haus.
Schräg hinter dem Haus befindet sich der Steg, der zum Ufer führt. Auf einmal höre ich eine Stimme:
“Keine Sorge. Ich hole dich noch. Aber erhole dich erstmal!”, ich sehe den alten Mann von oben herunterschauen. Er lacht.
Ich schaue mich weiter um. Auf einmal sehe ich in der Ferne ein kleines leuchten. Es kommt immer näher, bis ich es erkenne. Es ist einer von den Schmetterlingen, die ich schon im Wald gesehen habe. Ich strecke den Arm aus, und er setzt sich auf meinen Finger. Auf einmal leuchtet er heller. Es ist so hell, dass ich nicht mehr hingucken kann. Nach eine kurzen Zeit ist das grelle leuchten weg und ich sehe auf meinem Finger ein kleines Mädchen mit Flügeln sitzen. Sie hat ein schönes Kleid an und hält in ihrer linken Hand einen Schlüssel. Auf einmal sagt sie:
“Wir haben uns schon mal gesehen. Du hast mich aus den Augen verloren. Aber jetzt höre: Schließe die Augen und springe ins Eismeer. Wenn du im Wasser bist öffnest du sie wieder, tauchst auf und rennst zu dem Steg. Dort ist eine Leiter. Renne den Steg schnell bis ans Land. Klettere dann wieder die Leiter nach oben. Dann bist du in Sicherheit!”
Plötzlich leuchtet sie wieder auf und ist im nächsten Moment verschwunden.
Was war das denn? Ich schaue verwirrt durch die Gegend. Doch das Mädchen ist verschwunden. Ich soll hier runterspringen? Das ist Eis und kein Wasser. Und was hat sie dann noch gesagt? Ich soll dann Richtung Steg laufen? Auf dem Wasser? Ich lache. Ich springe hier doch nicht runter.
“Schließe die Augen und vertraue deinem Herzen!”
Plötzlich sehe ich den Schmetterling fortfliegen. Nach einigen Sekunden ist er verschwunden. Ich schaue ins unendliche Eismeer. Die Sonne scheint durch die Wolken und das Meer funkelt wieder wie tausende Diamanten. Was mache ich jetzt? Ich kann doch da nicht runterspringen. Ich lege mich hin. Ich gucke in den Himmel. Meine Blicke folgen den Wolken. Sie ziehen über den Himmel und ich denke für eine Zeit an nichts. Nach einiger Zeit schließe ich meine Augen.
Ich öffne meine Augen. Ich erschrecke. Oh nein, ich bin eingeschlafen. Ich schaue mich abrubt um. Ich schaue nach oben, und sehe, wie ein langer Maschienenarm nach mir greifen will. Ich weiche aus.
“Es ist bereitet. Jetzt können wir Essen. Ha ha ha!”, der alte Mann schaut nach unten. Die Maschiene greift wieder nach mir. Ich kann wieder ausweichen. Mir bleibt nichts anderes übrig. Ich vertraue dem kleinen Mädchen. Ich schließe meine Augen und springe in die Tiefe.
“Heeeey, bist du denn wahnsinnig. Heeee!”
Auf einmal spüre ich, dass ich ins Wasser falle. Ich reisse die Augen auf. Ich bin im Wasser. Ich sehe viele Lichter funkeln. Das Wasser ist klar. Ich schwimme nach oben und tauche aus dem Wasser. Wie aus Reflex versuche ich aus dem Wasser zu steigen und zerre mich an einer Kante vom Eis aus dem Wasser. Ich renne los, um die Leiter zum Steg zu erreichen. Das Eis und die Wellen erschweren mir schnelles vorankommen. Doch ich schaffe bis zur Leiter. Ich kletter diese hinauf, blicke hektisch um, das Wasserloch zu schauen, aus dem ich geklettert bin. Doch ich sehe kein Wasserloch. Nach einigen Sekunden bin ich oben angekommen und renne den Steg entlang. Ich drehe mich um. Der alte Mann schreit mir noch etwas hinter, doch ich verstehe es nicht. Ich renne so schnell ich kann. Nach einiger Zeit habe ich das Ufer erreicht. Völlig außer Atem bleibe ich stehen. Ich falle zu Boden. Ich schaue umher und hasche nach Luft. Ich schaue aufs Meer. Der Himmel klart auf. Auf einmal höre ich ein lautes schreien. Ich gucke zum Steg, und sehe, wie die Maschienen von dem alten Mann den Steg entlangrasen. Ich springe sofort auf, und suche die Strickleiter, die ich wieder hochkletten soll. Ich laufe das verschneite Ufer entlang, der Wald zu meiner linken, das Meer zu meiner rechten. Ich renne und renne. Nach einiger Zeit kommt mir die Idee, in den Wald zu rennen. Allerdings würde ich eher aufgefressen werden wollen, als wieder ewig in diesem Wald zumzuirren. So renne ich weiter as Ufer entlang. Doch die Maschienen holen immer mehr auf. Kurz bevor sie mich einholen können entdecke ich die Leiter. Auf einmal merke ich, dass mich eine der Maschienen gepackt hat. Doch ich kann mich nocheinmal befreien. Ich springe auf die Leiter und klettere sie nach oben. Oben angekommen schaue ich schnell runter und zucke zusammen. Die Maschienen sind weg. Und das Eismeer ist verschwunden. Vor meinen Augen tut sich eine karge undendliche Landschaft aus kleineren Seen und Bergpässen auf. Ich spüre den Kalten Wind um mein Gesicht. Ich schließe die Augen und öffne sie wieder. Doch das Eismeer ist immer noch verschwunden. Ich bleibe stehen und weiss nicht, wie mir geschieht.
Nach einiger Zeit drehe ich mich um und gehe auf das Ausguckhaus zu. Auf einmal höre ich ein lauten Schrei. Sofort drehe ich mich um. Oh nein, hoffentlich hat der alte Mann mich hier nicht mehr gefunden. Ich höre noch einen Schrei. Er ist viel lauter. Auf einmal sehe ich, wie ein rieseger Drache durch die Luft fliegt. Er schreit wieder. Sofort schmeisse ich mich auf den Boden und versuche auf allen vieren in das Innere des Ausguckhäuschens zu kommen. Doch bevor ich dort ankomme ist der Drache schon wieder weg. Ich schaue mich einige Sekunden um und stehe dann wieder auf. Der Drache ist weg. Es ist ruhig. Ich höre den Wind, wie er die Schneeflocken durch den Luft reisst.
Ich gehe weiter ums Haus. Hinterm Haus sehe ich dann einen Stock senkrecht im Boden befestigt. Auf dem Stock liegt eine Kugel. Sie ist aus Glas. Ich gehe näher ran. Tatsächlich. Die Kugel scheint in Waage auf diesem Stock zu liegen. Vor dem Stock stehen ins Holz eingraviert irgendwelche unleserlichen Buchstaben. Auf einmal hebt sich die Kugel ein paar Zentimeter in die Luft. Ich erschrecke mich. Sofort fällt sie wieder auf den Stock.
“Hallo!”
Ich zucke zusammen und drehe mich um. Das Mädchen steht vor mir. Sie sieht ziemlich verstört aus. Dann sagt sie mit besorgter Stimme:
“Wo warst du? Auf einmal warst du nicht mehr da. Ich habe dich lange gesucht. Was ist passiert?”
“Was passiert ist? Ha, wenn ich dir dass alles erzähle, denkst du, ich bin verrückt. Ich weiss gar nicht, was ich noch glauben soll!”
Ich setze mich auf den Boden und senke meine Blicke.
“Nun erzähle schon!”
“Ich, ich bin kurz stehen geblieben und du bist einfach weiter gegangen. Und… und nach einiger Zeit war ich plötzlich alleine. Ich habe dann diesen Ausguckpunkt hier, oder was auch immer das sein soll, gefunden. Ich habe mich umgeschaut…”
Nachdem ich ihr die ganze Geschichte erzählt habe, so gut es ging jedenfalls, schaut sich mich mit leuchtenden Augen an:
“Gut, dann hat es funktioniert.”
“Was? Was hat funktioniert?”
“Ähh, das… das kann ich dir jetzt nicht erklären.”
“Wie, das kannst du mir nicht erklären. Ich falle schon nicht um oder so. Hier überrascht mich einfach gar nichts mehr. Komm schon.”
“Ja ja, ich erkläre es dir später. Versprochen. Später ja?”
“Ok, ok.”
Das Mädchen schaut mich ein paar Sekunden an und lacht.
“Aber woher wusstest du, dass ich hier war?”
“Ich wusste es gar nicht. Ich habe meinem Herzen vertraut. Und ich habe Recht gehabt. Außerdem hast du den Fatok ausgelöst. Wir merken im Dorf, wenn jemand hier ist.”
“Den Fatock. Was ist das? Und welches Dorf?”
“Na ja, welches Dorf? Hihi, irgendwo muss ich ja schließlich auch leben, oder? Und der Fatock… na ja, wir aktivieren ihn indem wir Angst oder Zweifel haben. Dann kommt der Tiamalo und steht uns zur Seite. Meistens ist er aber schon vorher bei uns. Auch wenn wir den Fatock noch nicht aktiviert haben. Er spürt die Gefahr. Der Tiamalo ist unser Schutztier. Hier ist man nicht sicher. Es gibt viele Angreifer…
“War das dieses Viech, was hier eben durch die Luft geflogen ist?”
“Hey, das ist kein Viech. Wir können froh sein, dass er auf unserer Seite kämpt. Nicht alle von diesen sind auf unserer Seite. Vor diesen müssen wir uns in Acht nehmen. Aber weisst du was. Vor einiger Zeit hättest du den Fatock noch nicht ausgelöst. Du bist langsam dabei, ein Stück vom ganzen zu verstehen.”
“Was zu verstehen. Was?!”
“Du hinterfragst nicht alles. Du nimmst hin, was du hinnehmen solltest und machst das beste draus. Das ist gut. Das wollten dir auch der Affe und der alte Mann erklären. Du kommst hier mit deine ewigen Hinterfragerei nicht weiter!”
Woher weiss die so viel über mich? Hm…
“Komm jetzt. Wir gehen jetzt zum Dorf.”
“Ähm…. ja”
Ist das das Dorf, in das ich kommen soll? Das Mädchen geht in das Baumhäuschen und klettert die Leiter runter. Noch einmal lasse ich mein Blicke über die verschneite Waldwelt gleiten. Doch dann folge ich ihr. Noch einmal lasse ich sie nicht aus den Augen.

-XIII-
Das Baumdorf

Nach kurzer Zeit befinde ich mich wieder unter dem Blätterdach. Nachdem wir einige Zeit den Steg weitergegangen sind, endet der Steg auf einmal. Vor uns befindet sich eine Tür in einem Baumstamm. Und wieder steht dort so ein Stock mit so einer Kugel drauf. Das Mädchen stellt sich vor die Kugel. Die Kugel hebt sich wieder in die Luft. Auf einmal geht die Türe auf. In diesem Baumstamm sehe ich Treppen die an Seilen hängen. Sie ziehen sich wie ein Wendeltreppe nach oben. Diese Treppen sehen aus, wie die, über die ich schon mal gegangen bin.
“Hey, ich kenne diese Treppen. Pass auf, die fangen an zu schwingen.”
“Keine Sorgen. Die schwingen nicht mehr. Du bist weit genug. Komm!”
“Was meinst du?”
“Na, du bist doch auch ins Eis gesprungen. Dann ist das hier kein Problem mehr! Du weisst schon.”
“Aber wieso… ähm, warum baut ihr denn hier nicht einfach normale Treppen hin, die jeder normale Mensch benutzen kann.
“Das ist es. Die Treppen soll ja gar nicht jeder normale Mensch benutzen können. Wer an diesem Baum scheitert, der ist nicht bereit für diese Welt hier. Verstehst du?”
“Nein. Aber ist ja auch egal…”
Dann geht sie die Treppen nach oben, so als ob sie fest wären.
“Komm. Du schaffst es.”
So gehe ich auch die Treppen rauf. Und tatsächlich, sie fangen nicht mehr an zu schwingen. Nach ein paar Stufen sehe ich noch eine Tür, durch die das Mädchen gerade hindurchgeht. Ich gehe auch durch die Tür. Was ich jetzt sehe, ich unglaublich. Ich sehe ein Panorama aus riesigen Bäumen. Überall sind größere und kleinere Baumhäuser an den Stämmen befestig. Auf vielen von den Häuserdächern sehe kleine Schornsteine, die qualmen. Ein Geflecht aus Brücken, Treppen, Stegen und Aufzügen verbinden die Häuser miteinander. Das Licht scheint hier heller durch die Baumkronen. Alles ist hell und freundlich. Ich weiss gar nicht, wo ich hingucken soll. Ich sehe viele Menschen durch das Dorf laufen. Sie sind alle mit dicken Fellen, festen Stiefeln und Wollmützen eingekleidet. Sie scheinen auch alle ähnlich wie das Mädchen geschminkt zu sein. Manche ziehen kleine Wagen hinter sich her. In den Wagen scheinen kleinere und größere Früchte zu liegen. Sie sehen aus wie Kürbisse. Andere haben Rucksäcke auf oder tragen ihre Kinder unterm Arm. Ja, und da sehe ich auch einen Wagen mit diesen Leuchtfrüchten. Der erhellte die ganze Umgebung durch die er fährt. An den Seiten der Stege und Brücken stehen viele Laternen. In jeder von diesen Laternen befindet sich so eine Leuchtfrucht. Jede von ihnen leuchtet in einem warmen Schein. Ich befinde mich in einer Stadt unter den Baumdächern. Weiter hinten sehe ich ein besonders großes Haus, was an dicken Seilen befestigt, von den Ästen der Bäume hängt. Es hat eine Runde Kupel. Auf der Kupel befinden sich Plattformen, auf denen mehere bunt gekleidete Menschen stehen. Über der Kuppel ragt ein spitz zulaufendes bis in die Baumkronen hinein. Untern dem Gebäude hängt auch an dicken Seilen befestig, eine sehr große Plattform. Auf dieser Plattform stehen viele kleine Stände. Es sieht aus wie ein Marktplatz.
“Hey, komm jetzt!”, ruft das Mädchen mir entgegen.
“Ja schon gut. Ich komme!”
Ich folge ihr. Ich weiss immer noch nicht, wo ich hingucken soll.
“Ich bringe dich zu meinem Haus. Habe keine Angst.”
Sie geht über die Stege und grüßt jeden, der ihr entgegenkommt in einer fremden Sprache. Die Menschen schauen mich etwas erstaunt an. Ich tappele dem Mädchen etwas verschüchtert weiter hinterher.
“Keine Sorge. Die tun dir nichts. Die kennen dich hald noch nicht so gut. Schau, da vorne, dort steht mein Haus.”
Sie zeigt auf ein recht kleinen rundes Baumhaus, das an einem der vielen Baumstämme befestigt ist. Dort angekommen klettern wir eine Leiter nach oben bis zum Haus. Vor dem Haus befindet sich eine Plattform. Auf einmal spüre ich ein Zwicken in meinem Bein. Ich schaue runter und sehe diese Fleischfressende Pflanze, wie ich sie im Wald gesehen habe.
“Was ist das denn. Haltet ihr diese Fleischfesser hier als Haustiere?
“Das sind keine Pflanzen, nur weil sie angewurzelt sind. Aber, naja, du hast Recht. Ich könnte ihn besser erziehen. Er heisst Elwo.”
“Elwo. Ah ja.”
Ich schaue Elwo an. Doch meine Blicke schießen schnell an ihm vorbei und schauen in die Tiefe. Die Sicht ist klar. An den vielen Häusern und Brücken vorbei sehe ich den Boden. Weit unten sehe ich einen kleinen Weg, der sich um die großen Bäume schlängelt. Da erkenne ich plötzlich ein paar Lebewesen. Sie gehen in einer Reihe den Weg entlang. Ach, jetzt sehe ich es. Es sind diese Elefanten mit den Geweihen. Und am Anfang des Trupps sehe ich das größte Tier mit der Senfte auf dem Rücken.
“Was ist denn da?”, fragt mich das Mädchen neugierie.
“Schau, dort unten. Da sind diese Tiere, die diese Leuchtfrüchte transportieren.”
Sie schaut auch nach unten:
“Ja, stimmt. Die kommen hier oft vorbei. Aber jetzt komm!”
Das Mädchen öffnet die Tür von dem Haus. Sie geht ins Haus und ich folge ihr. In dem Haus sehe ich einen kleinen Raum mit einer Art Feuerstelle. Ein kleines Feuer wärmt den Raum. Ein Tisch und mehrer Stühle stehen in dem Raum. Plötzlich öffnet sich eine Tür und eine Frau kommt herein. Sie spricht in lautem Ton mit dem Mädchen in einer fremden Sprache. Anscheinend ist sie die Mutter von dem Mädchen. Auf einmal verschwinden die beiden in einem anderen Raum.
“Mach dir keine Sorgen, ich bin gleich wieder da!”, flüstert mir das Mädchen noch entgegen.
Ich höre irgendwelche Stimmen in dem Raum. Die Frau wird immer lauter. Auf einmal ist sie leise. Was bereden die da nur? Nach einiger Zeit kommt dann das Mädchen wieder in den Raum:
“Alles in Ordnung”
“Was ist den los. Bin ich hier nicht erwünscht?”
“Ach was. Meine Mutter ist immer etwas ängstlich. Aber du warst nicht das Hauptproblem. Meine Mutter will nur nicht, dass ich das Dorf verlasse. Aber ich höre nicht so oft aus sie…!”
“Ah ja, soll ich wieder gehen? Ich kann…”
Sie unterbricht mich:
“Nein, bleibe hier. Ehrlich. Ich hole dir nur eben etwas zu Essen. Warte!”
Sie geht aus dem Raum.
“Ach he…”
Sie guckt durch die Tür:
“Ja, was ist denn?”
“Ähm… habt ihr hier… also ich müsste mal für kleine…
“Jungs. Ja, kein Problem. Gehe raus, rechts ums Haus und da findest du dann, was du suchst!”
“Ok, ja, danke!”
Sie lacht und verschwindet wieder. Ich gehe also aus dem Haus und finde hinter dem Haus nichts, außer einer kleinen Schüssel mit einem Haufen trockener Blätter daneben.
“Tssee… Ist das das Klo?”, murmle ich.
“Ja, das ist unsere Toilette. Die tut dir nichts.”
Erschrocken drehe ich mich um, und sehe wie das Mädchen aus einem Fensterladen guckt und lacht.
“Hey, hast du mich die ganze Zeit beobachtet?”
Das Mädchen lacht noch lauter:
“Neeeeiiin. Natürlich nicht.”
Dann verschwindet sie. Oh man, das sind ja Verhältnisse hier. Nach ein paar Sekunden ist es dann geschafft. Ich schaue nach oben und sehe auf einmal sehe ich, wie sich diese Pflanze, Elwo hieß sie oder?, auf mich zubewegt. Sie benutzt ihre Wurzeln wie Füße. Sie kommt immer mehr auf mich zu. Ich gehe ihr aus dem Weg. Sie geht schnurstracks auf die Schüssel zu und fängt an meine… naja… zu essen.
“Uaaah. Das ist ja ekelig.”
“Hihihi.”
Das Mädchen schaut aus dem Fenster und lacht.
“Hey, hast du mich die ganze Zeit beobachtet? Hey?”
Ich laufe ums Haus herum, ins Haus und in den Raum, wo das Mädchen ist. Ich renne direkt auf sie zu:
“Hey, das ist unfair, du wolltest mich doch nicht beobachten!”
Das Mädchen geht verschütert einen Schritt zurück:
“Ich habe dich nicht beobachtet, ehrlich.”
“Versprochen? Hast du echt nicht geluschert?”
“Versprochen. Ich habe nicht geguckt.
“Ok, ich glaube dir.”
Wir fangen an zu lachen.
“Komm, setz dich an den Tisch im Feuerraum!”
In diesem Zimmer steht ein Holzbett mit einer zerfetzen Stoffdecke und ein kleiner Tisch mit allem möglichem Kram steht an der Wand. Auf dem Tischchen steht eine Lampe mit so eine Leuchtfrucht drinne. An der anderen Seite des Raumes steht ein kleines Schränkchen. Dann setze ich mich wieder an den Tisch.
“Ihr ernet diese Leuchtfrüchte, damit ihr Licht habt. Ich verstehe!”
Das Mädchen kommt mit ein paar Schüsseln und Tellern in den Raum und setzt sich mit an den Tisch.
“Wir ernten die Früchte gar nicht. Wir nehmen uns einfach ein paar von den Menschen aus dem Dorf. Die Ernttiere lassen oft welche fallen. Die nehmen wir uns dann für unsere Zwecke.”
“Warum erntet ihr die nicht selber?”
“Wir haben nicht so harte Werkzeuge. Wir würden nicht durch die Baumrinden kommen, in denen die Pflanzen wachsen.”
“Und das Dorf. Welches Dorf meinst du? Gibt es hier mehere Dörfer?”
“Ja klar, was denkst du denn? Es gibt hier viel, viele Dörfer.”
“Du wolltest doch auch in ein Dorf, oder? War es das hier oder welches meinst du?”
“Was, wieso wollte ich in ein Dorf?”
“Na, du hast mir gesagt, dass du in ein Dorf gelangen musst, um weiter zu kommen.”
Ich denke einige Sekunden nach. Stimmt. Stimmt, ich wollte wirklich in ein Dorf kommen. Oh man, das darf ich nicht vergessen. Ich darf nicht vergessen herauszufinden, wie ich hierhergekommen bin. Dann frage ich weiter:
“Warum helft ihr euch nicht gegenseitig? Können die euch nicht einfach etwas von den Früchten abgeben?”
“Ach, wir leben leider nicht in Frieden mit den Bewohner aus diesem Dorf. Aber ich erzähle dir gleich mehr. Jetzt iss erstmal.”
Vor lauter Gedanke habe ich gar nicht das gute Essen auf dem Tisch gesehen. Obst und Gemüse, blicken mir entgegen. Das Mädchen verschwindet nochmal in dem anderen Raum. Nach ein paar Sekunden kommt sie wieder. Sie stellt mehrere Gefäße auf den Tisch.
“Hier ist noch etwas zu trinken. Lass es dir schmecken!”
Ich blicke auf den Tisch, zögere zwei Sekunden, doch dann fange ich an, alles in mich hineinzustopfen. Auf einmal öffnet sich die Tür und ihre Mutter kommt in den Raum. Sie schaut mich an und sagt:
“Guten Appetit. Lass es dir schmecken.”
Ich zögere und stoppe mein Essgelage, aber dann sage ich:
“Danke.”
Danach geht sie gleich wieder. Ich schaue mich verschüchtert um.
“Iss nur weiter. Sie mag dich. Du bist nicht wie die anderen. Das merkt sie schnell. Fremden gegenüber ist sie sonst nie so freundlich!”
Nachdem ich einge Zeit gegessen habe, höre ich plötzlich auf und schaue das Mädchen an:
“Weisst du, du kennst mich gar nicht, nimmst mich mit nach Hause, bedienst mich hier und beobachtest mich auf der Toilette. Aber ich weiss noch nicht mal, wie du heisst. Ähm, übrigens, das Essen ist sehr gut. Das kannst du deiner Mutter mal sagen.”
“Ich heisse Philia. Und übrigens, das Essen habe ich gemacht!”
“Ohh, oh… wie hast du das so schnell hinbekommen?”
“Gibt es nicht noch anderen Dinge, die dich interessieren?”
“Ja… ja,” ich neige meinen Kopf und schaue ins Leere. Nach einiger Zeit antworte ich: “Ja, kannst du mir sagen, wie ich hierhergekommen bin?”
Zum ersten Mal auf dieser merkwürdigen Reise verspüre ich so etwas, wie Heimweh. Heimweh, obwohl ich gar nicht weiss, wo ich herkomme. Ich verspüre eine Leere in mir. Ich schaue ins leere. Auf einmal steht das Mädchen auf und rennt aus dem Raum. Ich reagiere zuerst nicht weiter. Doch dann stehe ich auch auf und gehe zum Mädchen.
“Hey, was hast du?”
“Du… ich, ich spüre das. Du machst mir Angst mit deinen Gefühlen.”
“Welches Gefühl? Was hast du denn jetzt?”
“Ich weiss nicht, wie man es nennt. Aber ich fühle es. Ich will dich nicht verlieren.”
“Ich habe Heimweh, na und?”
“Aber, aber dieses Gefühl kann uns voneinander trennen…”
Das Mädchen rennt weg, fängt an zu weinen und versteckt sich unter der Bettdecke. Was ist denn nun los? Ich weiss gar nicht, was ich denken soll. Sie will mich nicht verlieren…? Oh man.
“Es ist nicht schlimm. Du weisst nicht wo du herkommst. Aber du spürst es. Jeder gehört irgendwo hin. Und das ist auch gut so. Aber wir… Du… Es ist gut… du wirst wieder nach Hause kommen. Vertraue mir.”
Ich gehe auf das Bett zu und ziehe die Bettdecke ein Stück zur Seite.
“Hey, hör bitte auf zu weinen.”
Ich gucke ihr in die Augen. Sie hat wunderschöne braune Augen. Ihre Tränen funkeln und laufen ihr bezauberndes Gesicht hinunter.
“Hey, erzähle mir doch mehr von euch. Warum versteht ihr euch nicht mit diesen Dorfbewohnern? Und wie seid ihr überhaupt hierher gekommen?”
Philia kriecht aus der Decke hervor und wischt sich die Tränen vom Gesicht:
“Wir, wir wissen nicht mehr ganz genau, wie wir hier gelandet sind. Aber wir haben auch mal in diesem Dorf gelebt, von dem du wohl redest. Es liegt von allen Dörfern unserem am nächsten.”
“Und die Tiere, bringen die die Früchte ins Dorf. Die, die die Leuchtfrüchte ernten?”
Das Mädchen lacht:
“Die, die die… hihi…”
“Ha, du lachst ja wieder.”
“Hm… Nein, die Tiere gehen nicht ins Dorf. Sie bringen die Früchte zuerst in ein großes Haus bei den Bergen in der Nähe von dem Dorf. Das Dorf heisst übrigens Melonien.”
“Und warum lebt ihr nicht mehr da?”
“Ich glaube, wir wurden vertrieben. Weisst du, wir haben einfach in einigen Dingen anders gedacht als sie. Und da haben sie uns vertrieben. Wir sind dann irgendwann hier gelandet und haben uns unsere Existenz neu aufgebaut.”
“Wie habt ihr denn anders gedacht als sie?”
“Ach weisst du, wir wollten uns von den Tieren beschützen lassen. Aber sie wollten nicht. Sie meinten, sie seien alleine stark genug.”
Das Mädchen schnieft und wischt sich noch ein paar Tränen vom Gesicht:
“Das haben sie davon. Ab und zu schauen ein paar von unseren Leuten noch mal im Dorf vorbei. Alte Freundschaften gibt man ja nicht so schnell auf, weisst du? Naja, einmal, es ist schon Jahre her, da wurden sie von Kriegern aus Kaion überfallen. Selbst heute noch haben die Menschen in Melonien noch nicht mehr alles aufgebaut. Viele Häuser und Gebäude sind immer noch zerstört.”
Das Mädchen guckt verlegen nach draußen.
“Du wirst schon wieder nach Hause kommen. Keine Sorge.”
Dann steht das Mädchen auf und geht aus dem Raum. Ich bleibe sitzen. Nachdenklich und etwas traurig schaue ich aus dem Fenster. Wie komme ich nur nach Hause? Ich stehe auf, und laufe langsam in dem Raum auf und ab.
Nach einiger Zeit gehe ich in den anderen Raum zu dem Mädchen.
“Philia. Ich gehe kurz nach draußen! Ist das ok? Ich brauche ein wenig Zeit für mich. Es ist nichts gegen dich oder so. Ja?”, frage ich sie leise.
“Ja, ist schon ok,” sie schaut traurig auf den Boden.
“Ich komme gleich wieder.”
“Ok. Aber verlaufe dich nicht. Du kennst dich hier doch gar nicht aus!”
“Mir passiert schon nichts.”
Ich öffne die Türe und verlasse das Haus. Ich klettere die Leiter hinunter. Je tiefer ich die Leiter klettere, desto tiefer sinke ich in meine Trauer. Das Mädchen steht in der Tür und winkt.
“Pass auf dich auf. Und komm bald wieder!”
“Ach, ich mache doch nur einen kleinen Spaziergang. Ich bin doch gleich wieder da!”
“Aber ich vielleicht nicht mehr…”, höre ich sie noch leise sagen.
Was meint sie damit? Na ist auch egal. Ich brauche jetzt ein bißchen Ruhe. Jetzt wo ich endlich mal in Sicherheit bin. Ich klettere die Leiter weiter hinunter. Unten angekommen schaue ich mich um. Die vielen Baumhäuser, die gewaltigen Bäume und die vielen Menschen, sie verblassen alle in meiner Trauer. Ich gehe einfach los.
Ich gehe einfach los. Ich überquere viele Stege und Brücken, laufe an vielen Häusern vorbei, und viele Menschen schaue mich neugierig an. Nach einiger Zeit sehe ich ein Schild mit unleserlichen Buchstaben neben einer Art Torbogen stehen. Ich gehe durch den Torbogen und laufe viele viele Treppenstufen nach unter. Ich sehe den Marktplatz, den ich schon am Anfang hier gesehen habe. Die vielen Menschen und die vielen Marktstände verschwimmen in einem unklaren Schein. Man hört viele Stimmen. Lachen. Lautes Wortwechsel. Ich vertehe kein Wort. Meine Nase wird mit den unterschielichsten Düften überschwemmt. Ab und zu sprechen mich ein paar von den Dorfbewohnern an. Doch ich antworte nicht. Ich schlendere über den Marktplatz und schaue mir die Stände an. Es gibt Stände, in denen Obst und Gemüse verkauft wird. Es gibt aber auch Stände mit allem möglichen Krimkrams. Vor diesen Ständen stehen ganz besonders viele Leute und unterhalten sich und lachen miteinander. Ein Berg von wilden Drahtgestellen und merkwürdig anzuschauenden Maschienen liegt auf den Tischen von diesen Marktsänden. Die Stände sind mit bunten Stoffen geschmückt und überall sind diese Buchstaben irgendwelche Schilder graviert. Da sehe ich eine Maschiene, die mir besonders ins Auge sticht. Sie sieht so ähnlich aus wie eine von den Maschienen von dem alten Mann, der mich fressen wollte. Ich gehe weiter. Nach einiger Zeit verlasse ich den Marktplatz über eine sehr lange Brücke, die in einen großen Baumstamm führt. Die Brücke führt durch ein Loch im Baum durch diesen hindurch und endet am hinter dem Baum mit einer großen Plattform. Ich setze mich an den Rand der Plattform und schaue nach unten.
“Was mache ich nur?”, murmle ich leise vor mir her. Ich schaue nach unten. Ich lasse meine Blicke die Baumstämme nach unten fallen. Wie meine Blicke, so taumeln auch meine Gedanken im Nichts herum. Ich finde keinen klaren Gedanken.
Nach einiger Zeit richte ich dann meine Blicke wieder nach oben und entdeckeAm Ende der Plattform vor dem Geländer eine Art Fernrohr auf einem Holzgestell befestigt. Ich gehe in und schaue hindurch. Ich sehe…