Sauna in Dosen

Julian Casablancas ist alt geworden. Und fett. Beim Einsteigen schmeißt er sein Hab und Gut zwischen Bahn und Gleisen auf die Schienen – zwei Kilo Taschentücher vielleicht. Lange nichts mehr von denen gehört. Die Scheiße ist aber auch nicht besser. Schreibe ich nach Abklatsch? Nach Abklatsch einer alten, goldenen Zeit, als Busfahren noch ein echtes Abenteuer war?
Kennedybrücke, Hamburg ist geil. Die Sonne scheint, und der Himmel brennt.
»Wir waren in letzter Zeit öfters in der Sauna.«
»Da hatten wir auch immer die Dosen mit.«, Julian mit seinen Dosensaunen.
Saunen in Dosen. Sollte man ja auch wirklich nicht übertreiben.
»Freue mich auf Sommer!«
»Ja, am See!«
Es gibt jetzt ja so transportable Saunen. Die kann man sich dann auch in den Garten stellen.
»Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch für die, die eben erst zugeschaltet haben: Sauna in Dosen! Jetzt bestellen, und nur heute zum Sonderpreis von fünfzehntausendneunhundertneunundneunzig Euro! Meine sehr verehrten Damen und Herren – nur noch drei Saunen in Dosen vorhanden. Zwei!, es wird eng. Ich kann ihnen nur sagen, rufen sie an, sie werden es nicht bereuen. Saunen in Dosen revolutioniert das Saunieren.«

Bus. Eine geiler als die andere. Nur Ärsche. Hauptsache Leggings, auf Facebook, fast so geil wie Bang Your Friends. Kann sich kein Mensch vorstellen. Die unterhalten sich. Was soll denn das? Gib mir deine Nummer! Sie tut es nicht, ich trau mich nicht.

Ein junger und ein alter Hipster unterhalten sich über Fußball oder so. Rechter Verteidiger – ist das Fußball? Scheiß egal. Der Junge – das gibt es nicht. Der hat so eine dicke, gelbe Jacke und so eine dunkelrote Hose (bordeaux) an. Schöne Schuhe. So lange schon sehen wir uns Morgen für Morgen im Bus und lassen uns stillschweigend unsere Hochachtung zukommen. Man kennt sich, versteht sich auch ohne Worte. Sympathie und Empathie geben sich ein Stelldichein. Aber jetzt redet der von Fußball (oder so). Und von Trainingsleistung, Saison, Winter und so weiter. O mein Gott.
»Aber der war im Tor. Der war gut, haben sie gesagt, nur zu klein.«, blabla.

Zwölftausend Stunden, achtzig Busse und fünf Horizonte später (oder so) reden die immer noch: »Ah, aber jetzt spielt er bei denen.«
»Ja, ist aber gar nicht schlecht…«, mir wird übel. Das gibt es doch nicht. Wie kann denn sowas sein? Wie kann so jemand überhaupt existieren (Stichwort Horizont)? Ich halte es nicht mehr aus.

Wo sind die Mädchen? Ganz vorne im Bus. Das sehe ich ganz genau. Werde schon wieder ganz geil. Das war aber auch nötig nach so viel Blabla. Aber dann steigen die aus. Das darf doch wohl nicht wahr sein, wollte die doch noch mit in die Sauna in Dosen nehmen.

Es ist schon wieder hell. Zaubernüsse blühen. Der Frühling kommt.

Bang Your Friends

Endlich mal wieder besoffen. Musst du dich neben mich setzen?
»Yeahour allright, na dann bis Mosche.«, ?
Gibt es Menschen, die noch fertiger sind als ich?
»Ausstieg links!«
Jawohl, Herr Obergefreiter.
»Uaaah!«, einer redet mit seinem Kaffee to go und lacht sich ins Fäustchen.
Müssen diese Bahnsprecher eigentlich diesen Militärton haben? Könnten doch auch sagen: »Zu ihrer Linken könnten sie jetzt aussteigen, wenn sie mögen.« Aber nein, alles eine ganz große Scheiße. Die anderen lachen alle. Was ist passiert?

Bin völlig orientierungslos und weiß gar nicht, wie ich zum Bus kommen soll. Einer, der aussieht wie ein Hipster, fragt mich, ob ich ihm in seiner finanziellen Not helfen könnte. Dann finde ich doch die Haltestelle. Aber selbst nach dem zwanzigsten Bus fährt meiner immer noch nicht. Nur fragende Gesichter und offene Münder. AK, Siri, habt ihr eine Erklärung? Lange nichts mehr gehört von euch. Sie haben auch keine Lösung.

8, 36, 112, 3 – was sagen mir diese Nummern? Hat das was mir mir zu tun? Mit den Sternen vielleicht? Florian? Ich weiß es doch auch nicht. Aber die fahren da alle. Nur meiner nicht.

O Gott, meine Kindergärtnerin ist da. Etwas ungünstig, wenn man die ganze Zeit so durch die Gegend guckt. So hier und da hinguckt und so weiter. Dann guckt die nämlich auch mal so hier und da hin und so weiter, und auch zu mir, und dann haben wir den Salat. Dann können aufeinanderfolgende Blickkontakte zu allerlei Komplikationen führen. Vielleicht erzählt sie es weiter. Vielleicht erzählt sie es den falschen Personen. Und vielleicht habe ich dann ein ganz schön großes Problem. Die eine ist noch viel geiler als vermutet. Hab die auch in echt gesehen. Also als sie noch nicht gesessen hat. Also vor dem Bus, bevor wir eingestiegen sind, und nachdem ich nach meiner Orientierungslosigkeit die Bushaltestelle doch gefunden habe. Die Hose sitzt wie angegossen. Jetzt telefoniert die mit einem, um ihr Date klarzumachen. Wie unnötig. Jetzt gibt gibt es doch Bang your Friends von Facebook. Da braucht man doch nicht telefonieren. Lächerlich. Die telefoniert ja immer noch. Sieht ganz schön geil aus beim Telefonieren. O Gott, was redet die da nur? Die lacht die ganze Zeit und bewegt ihre Lippen und so. Ich halte das bald nicht mehr aus. Neben ihr sitzt eine, die ist auch Model. Die hab ich hier noch nie gesehen. Toll ist das. Das ist die Wiedergutmachung von diesem sadistischen Bahnfahrer von gestern. Unfassbar. Und die Kindergärtnerin sieht auch nicht schlecht aus. Aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Schwarze mit Frankensteinboots quatscht die ganze Zeit ihr Handy voll. Die sieht auch ganz gut aus. Hat aber einen kleinen Jungen dabei. Ist ja immer so eine Sache. Dann steigt die aus, und der Bus hält vor einer Schranke. Der Busfahrer steigt aus, und die Schranke geht hoch. Ach ja, ein ziemlich cooler Busfahrer übrigens. So ein bisschen wie der etwas ältere Jake von Two and a half Men. Nur noch etwas dicker. Ich wollte schon immer einen dicken oder schwarzen Freund haben. Hat bis jetzt noch nicht so ganz geklappt. Aber vielleicht könnte ich Jake ja irgendwie helfen, damit er auf mich aufmerksam wird. Nein, ich habe keine Lust, mich vor den Bus zu schmeißen. Heute werde ich alleine bleiben.

Ein alter Mann mit Camouflage-Hose und acht Nummern zu großer Trainingsjacke steigt aus. Seine Mütze ist acht Nummern zu klein, und er trägt Sandalen. Wie kann der nur? Es sind zehntausend Grad Minus draußen. Außerdem ist Sturmflutgefahr.

Kommt einer rein, der sollte eine Frau sein. Der sieht so gut aus. Also auch im Gesicht. Also gerade im Gesicht. Männer mit schönen Gesichtern verunsichern mich. Ich weiß dann immer gar nicht, ob ich die geil finden soll. (Ok, AK, ja, du hast es mal wieder geschafft – geil, Teil, das ist ja nun so platt, aber.) Die telefoniert immer noch. Hallo, was kann denn da so wichtig sein? Ruf mich lieber an. Ich geb dir dann die Nummer von Bang your Friends. Ansonsten könnten wir aber auch einfach reden. Interessiert ja keinen Menschen. Außer die Kindergärtnerin vielleicht. Der liegt das Soziale ja schließlich am Herzen. Dann hört die plötzlich auf zu telefonieren und steigt aus. Ein Satanist steigt auch aus. Was hat das zu bedeuten? Jesus? Oder ist der Typ vielleicht gar kein Satanist? Hat aber doch einen bodenlangen, schwarzen Mantel an. Das geht doch gar nicht anders.
»Jesus, du wettest, dass du mehr als einen Menschen mit einem bodenlangen, schwarzen Mantel findest, der kein Satanist ist.«, Lanz.
»Nein.«, Florian.
»Nicht?«
»Markus.«
»Florian.«
»Nicht einen, Markus.«
»…«

Danach waren wir alle tot. Geil, das Model steigt mit mir aus.