Developmentengpass

Schreie. Kämpfe. Opfer. Ein Kindergarten will in die Bahn. Und die Menschen flüchten. Überall diese fiesen, kleine Kinder. Kann sich kein Mensch vorstellen. Dann plötzlich: Es tut mir Leid, aber ich muss es so sagen. Da sitzt ein kleines Mädchen, die sieht aus wie zwanzig Jahre Regenschauer am Fenster verbracht. Die hat nie geschlafen. Immer nur rausgeguckt und sich gefragt, wann das wohl aufhört. Aber es hört nicht auf. Es hört nie auf. Die hat Augen, die alle Hoffnung verloren haben. Die kriegt die kaum noch auf. Und Augenringe, die ein trauriges Eigenleben entwickeln. Sie tut mir Leid. Aber wenn ich sie mit nach Hause nehme, kommt jemand, der mir mit einer alten, rostigen Säge den Kopf abtrennen will – A Sequel To Big Bad Wolves.

»Es fehlen tausendmillionen Features.«
»Haben gerade einen Developmentengpass.«
»Ja, das ist response.«
»Responsive.«
»Ja, wenn das auf allen Geräten gut aussieht.«
»Jajaklar. Aber nur die de-Domain.«
»Weißt du, das mit dem Hotel war ganz easy. Die Gamescon ist mehr Kreuzberg. «
Ich weiß nicht, was die reden, aber es kann nicht von Belang sein. Spielen sich nur auf. Pisser. Wichser. Was wollen die überhaupt? Sollen ihre Fresse halten und ihre Kinder zu Hause quälen statt sie in den Kindergarten zu schicken.

IMG_2791

Steigt ein so eine Geile ein. Aber nein, ein so ein schleimiger Gothictyp mit bleicher, beschissener Baggy Pants drängelt sich vor und setzt sich neben mich. Gott, ich hasse die Welt. Wer zieht diese gottverdammten Hosen an? Die Geile sitzt jetzt am anderen Ende. Aber ich sehe ihr Silhouette. Ich denke, ich habe noch nie eine Nase gesehen, die mich so angemacht hat. Ich möchte sie ablecken. Aber das kann ich jetzt ja leider gerade nicht. Und vornehm ist die. Aber nur nach außen. Die hat ein wunderbares Kinn, das ohne auch nur den Ansatz eines schlabberigen Doppelkinns nahtlos in ihren dünnen Hals übergeht. So etwas Schönes habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Nur vor vorne sieht die nicht mehr ganz so gut aus. Aber wer will schon alles von vorne sehen? Das wäre ja so, als ob man sein ganzes Leben von vorne sehen würde.

Zweigeteilt. Die ist oben geil und unten scheiße. Die hat Augen, die fressen dich auf. Aber der Rest hängt. Fifty, Fifty. Ich oben, du unten. Ich muss aussteigen.

Einleitung in die menschliche Zivilisation

»In Amerika, das Trinkgeld, das ist da Bestandteil ihres Lohns.«, ein so ein Dicker ohne Haare redet, das versteht kein Mensch.

O nein o nein o nein, o Gott o Gott o Gott – ein Kindergarten. Naaaein! Holt mich, hol mich irgendwer hier raus. Oder ein Blitz vielleicht. Wo ist Thor, wenn man ihn braucht? Naaaein!, ich will noch nicht sterben. Doch! Ich werde sowieso gleich sterben. Die achttausendsiebenmillionen kleinen Stimmen zersetzen mein Gehirn. Oder die Aliens holen mich. Habe da eine Vorahnung.

Ein so ein Supernerd sitzt mir schräg gegenüber. Kein Haarschnitt, keine Frisur, kein Körper und kein Bart. Irgendwas dazwischen. Hat einen Laptop auf seinen kaum vorhandenen Beinen (Schoß). Versucht gerade Einstein zu widerlegen. In allem. Aus Prinzip. So einer ist das. Das muss man sich mal vorstellen. Kann sich kein Mensch vorstellen.

Neben mir sitzt eine pensionierte Lehrerin. Korrigiert immer noch irgendwas. Herrgott, hör doch mal auf damit. Kein Mensch will deine Scheiße mehr lesen. Hör doch auf. Ständig unterstreicht sie was oder streicht was durch oder markiert etwas in einer Geheimsprache. Vielleicht kommuniziert sie auch mit Aliens. Oder sie schreibt eine kleine Einleitung in die menschliche Zivilisation und gibt sie dem Supernerd von gegenüber, der sie auf seinem kaum vorhandenen Schoß direkt ins All beamt. Als eine Laserprojektion für alle, die gerade vorbeikommen.
»Ach so geht die Welt.«
»Sehr interessant.«
»Zerstören.«
»Jawohl.«
Hat alles nichts gebracht. Oder aber der Supernerd hat das genau so gewollt. Hat gedacht, es gibt hier nichts mehr zu holen, was soll das dann noch alles? Aber da hätte er sich doch wenigstens von den Aliens mitnehmen lassen können. Hat er aber nicht. Er steigt aus. Rein kommt eine, die ist ein Model. Die hat Stil. Fein nuanciert geschminkt. Nicht zu aufdringlich. Genau richtig. Hat eine erhabene Art. Das regt an. Von wegen hier ist nichts mehr zu holen.