Ihr dritter Blick

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Beinfreiheit.
Ohnmacht.
Um zurück.

Alles, was 22 Uhr,… ist, ist lächerlich. Zeit. Früh. Genug.
O Mann, die tut mir so leid. Sieht eigentlich ganz geil aus. Aber die Augen. Eng. Und die Zähne, Hase. Doofdoofdoof.
»Das Ende vom Lied, sie werden es alle bei mir machen.«

Da sitzt der Schlagzeuger von Gossip. Wie heißt der denn? Interessiert ja keinen.

Ein kleiner Schwarzer, und ein kleiner Dicker. Und einer, der headbangt. Hat aber keine langen Haare.
»Iffei lost ju, flof fackin laff ju!«, singt nur was. O Gott ist das peinlich. Aber schon wieder geil irgendwie.
Hat eine Brille auf, die ist dreizehn Kilometer dick. Seine Augen verschwinden darin und lassen nicht mehr als zwei mickrige Punkte Blindheit zurück. Ein Trauerspiel.
»Hnä nä nä!«

»Flof fack laffin JUUU!«

Die checkt mich ab. Helle Augen. Husky. Eisbär. Tiefe ist das da drin. Arroganz. Macht mich ganz geil. Sieht, dass ich eine Weste trage. Geil, hätte ich ja gar nicht gedacht, dass das noch wer trägt. Dann schaut sie auf meine Schuhe. Richtig, die sind ja noch wichtiger. Aber ich habe verloren. Denn erst ihr dritter Blick gilt meinem Schritt.

Der Massenmörder mit den orange-farbenen Kopfhörern da hinten überlegt sich die ganze Zeit, ob er sie zuerst ficken soll oder danach.
Vielleicht belebt er sie ja noch mal wieder. Dann hat er mehr davon. Im Krieg haben sie ihm gezeigt, wie das geht.
Die Schnüre um die Arme.
Das erste Mal.
Die Schnüre um den Hals.
Das zweite Mal.
Die Schnüre um zurück.
Das dritte Mal.

»Das erste Mal tat’s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr.«, tröt.
Tat aber nie was weh.

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Sie guckt mich wieder an. Ich will dich ja nicht umbringen. Mir reicht auch ein Mal (selbst Affen wichsen lieber als Kriege zu führen; stand da letztens, im Spiegel).

Warum steigen gerade die Wichser nicht aus, die auf den einzigen scheißverfickten (danke Autokorrektur, für die Wortergänzung – wow!) Plätzen sitzen, auf denen man den aberwitzigen Fahrallüren des Busses / Busfahrers nicht komplett hilflos ausgesetzt ist? Der Massenmörder hat ja nun weiß Gott andere Probleme!
Gossip fliegt auch durch den Bus.

Kleingedrucktes (eine Welt ohne Verkäufer)

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Regen. Fischmarkt.
Dahinten geht die Welt unter. Hier scheint noch die Sonne, aber dahinten – Wolkenbruch, Sonnendetonation, Orkan. Kyrill oder wie das heißt.

Da steht Hotspot. Ich so les erstmal Hotslut.
Besoffen.16 Uhr. Sollte ich mir Sorgen machen?
Nein.
Landungsbrücken. Ist viel Wind mit bei.

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Hauptbahnhof (Hbf.).
Ganz ruhig.
Aussteigen. Mönkebergstraße.
Was jetzt?
Straße rauf, Straße runter. Regen. Düster.
Wohin? Wieder Straße rauf, Straße runter. Nichts!
Irgendwann finde ich mich in einem Einkaufszentrum wieder (irgendeinem!).
Parfüm. Flaschen (Flakon oder wie die Scheiße heißt). Frauen. Schminke. Licht.
Grelles Licht, Massenmenschen. Panik.
»Vierter Stock.«, sagt die.
Rolltreppen.
Unendlich.
Oben. Rechts, links – nichts.
Ich folge Wegen und oder oder Schildern (?).
Nichts.
Kurz davor – ich stelle mich an das H&M-Plakat und uriniere Linda Evangelistas Schritt in engen Höschen (Bade) voll. Breitbeinig. Strand. Kann sich kein Mensch vorstellen. Draußen Regen, drinnen Strand. Ständer.
Doch ich schaffe es noch rechtzeitig und spüre meinen Schwanz das Pissoir runterspülen.

Stunden (Jahre) später. Bus. Neben mir sitzt ein so ein kack Verkäuferarsch. Anzug. Jacke. Schuhe. Alles billig. Sein Gesicht ist billig. Krawatte, scheiße gebunden. Schuhe, braun. Der Rest ist schwarz. Nein. Der hat dünne Pergamenthaut und Falten, – Gräben.
»ICH WILL DEINEN SCHEISS MERCEDES NICHT!«
Dieser Arsch. Es steht ihm ins Gesicht geschrieben. Der will nur verkaufen. Immer nur verkaufen. Wie schön wäre die Welt ohne Verkäufer.
»NEIN, ICH WILL JETZT NICHT!«
Und lutschen. Lutschen würde er jede, die er kriegen kann.
Der hat einen Aktenkoffer. Was soll da drin sein? Kleingedrucktes? Ja. Pornos. Praline. Ist so.

Ein so ein dürrer Halbjugendlicher* zieht sich aus. Bis auf den Pullover. Oberarme, Steichhölzer. Gesicht, Robbie Williams. Vielleicht hat er doch noch eine Chance.
Ja.
Der wird mal BWLer.
Doch.

Daneben sitzt Uwe Seeler. Liest ein Buch (fünfhundert Seiten). Kann nicht sein.

Das ist der König im Bus. Der Platz hinten links –
dann verschwindet der Verkäufer, und ich kann mich endlich auf meinen Platz setzen.

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Schwarz.
Es ist so dunkel draußen, dass ich Angst habe.
Winter oder so. Zeitumstellung.

Vor mir sitzt eine, die ist echt geil. Ich habe doch richtig gelesen. Eng, Haare, Wangen. Aber die unterhält sich mit sich selbst. Ich weiß nicht, was die da macht, aber ich verstehe sie nicht. Dann ist sie traurig. O, das ist aber auch Scheiße. Kann ich dich trösten?
Man wird ja wohl noch mal fragen dürfen.

Halte Ausschau, nach einem Massenmörder. Ist aber keiner da. Ist doch sonst immer so – du, dein Auge ist rot und so weiter, und schon fängt es zu jucken an –, aber hier ist das nicht so. Keiner da, auch wenn ich noch so suche.

Die Welt ist vielleicht doch noch nicht verloren.
Jesus. Florian, wo bist du?
Oder die, die sich allein unterhält, spricht sich Mut zu, doch noch aus dem Fenster in die Nacht zu springen und dem Verkäufer doch noch den Kopf abzuschlagen.

* Teil 1
Der lacht die ganze Zeit. Der hat doch was. Starrt auf sein Telefon. Lacht wieder. Lacht so überlegen, dass man glauben könnte, seine Arme wären aus Stahl. Sind sie aber nicht. Also was hat er? Wahrscheinlich ist irgendsoeine Fickbitch auf seine Robbiewilliamsfresse reingefallen.

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Teil 2
Entschuldigung, aber es geht noch weiter. Der krümmt sich vor lachen. Sein dürrer Körper bricht fast auseinander. Aber ich kann ihm nicht helfen. Robbie hatte es auch nicht immer leicht. Da müssen wir alle durch.

Scheiße.

Mindestabstand – Verfolgungswahn

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Ich gehe in mich.
Wo bin ich eingestiegen?
Rechts. Gut,
das heißt, sie hat mein Gesicht nicht gesehen.
Jetzt einfach ein bisschen was tippen *, dann das Handy aus der Hand legen und stoisch aus dem Fenster gucken.
Wird schon was sein. Was weiß ich, Sorgen oder so.
Und wenn ich aussteige, –
ich gehe ganz hinten raus, nehme den hinteren Ausgang und laufe einfach die Treppen runter.
Dann gehe ich einfach weiter.
Weiter.
Weiter.
Irgendwann wird sie mich verlieren.

Alles nur wegen dieser Nutte. Diese gottverdammte, geile Nutte, die mit ihren Stiefeln da so stand. Reeperbahn. War ja klar. Ich habe ein Foto gemacht. Und die eine hat das gesehen.

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Ich will gar nicht schreiben, bange sogar um meine Leben (im Sinne von Angst) **, aber ich muss schreiben.
»Wie heißt der?«
»Hä?«
»Der Hausmeister!«
»Lego – Lego. Der heißt Lego. Komplett schwarz angezogen. Lego.«, der neben mir ist klein. Und doof. Er hat aber eine Stimme, die erschafft die Welt. Mit einem Wort. Die ist so voll, erhaben und weich, dass ich an Weltliteratur denken muss. Tief, aber warm. Harmonisch (sagt man das so?). Ich vertraue ihr augenblicklich. Er sollte mein Vater sein. Oder Sektenführer. Jesus weiß schon, warum der so scheiße aussieht.
»Mit Meniskus macht man auch keine Scherze.«

Da stürzt eine in die Bahn. Dann schreit die: »Hab ich sie getroffen?«, und grabbelt dabei eine alte Dame an. Die Arme. Sie weint gleich. Aber die Reingestürzte grabbelt immer noch. Es gibt ja so Leute. Kann sich kein Mensch vorstellen. Die haben keinen Mindestabstand. Lachen und quatschen einfach alle Leute voll. Die hat die Bahn fast verpasst.

Bergedorf. Warten. Sterben **. *** Bus.
Da sitzen so zwei, die sind gleich. Haben die gleiche Jacke an. Mit Pelzkapuze und so. Lächerlich. Gackern die ganze Zeit. Aber die eine ist geil und die andere nicht. Wieder zwei so beste Freundinnen.
Nein. Denn die eine wird der anderen immer hinterherrennen. Dreimal darfst du raten.
Zwei.

Von wegen Bilder.

* »Wenn sie jetzt mit. Sie sagt, so ist das. Und wenn es nicht so ist. Von wegen. Was ist dann? Ich weiß l, was«: Das habe ich geschrieben, genau das, als ich in mein Handy eintippen musste, damit die eine nichts merkt.

** Stichwort Arbeit

(***Wo setzt man denn jetzt diese gottverdammten Sternchen – vor oder hinter den Punkt?); – und die Klammer?