Reinkarnation

IMG_0341

Bin gestern spät nach Hause gekommen. Habe nicht auf jedes Detail geachtet. Jetzt habe ich nichts zum Schreiben dabei. Das ist Scheiße. Das passiert mir nie wieder.

Da sitzt einer, der hört Weltuntergang. (Gibt es das, also die Band, so wie Die Scheiße?) So hört sich das jedenfalls an, nur Blitze und Donner, Elektrizität und Rauschen. Sitzt da wie ein G. Ein G mit Serifen – gebeugt, der Kopf hängt am letzten Zipfel seines Halses bis tief in seinen Schoß hinein. Ein trauriger Anblick ist das. Stirbt wahrscheinlich mit dreiundzwanzig. Jetzt ist der achtzehn.

Vor mir sitzt die, die mich mal angehustet hat (oder genießt, das Gleiche). Wann stirbt sie wohl? Auch mit dreiundzwanzig? Nein, die ist schon dreitausend. Die hat Haare, das sind so viele, dass sie damit für den Rest ihres Lebens die gesamte Menschheit versorgen könnte. Kein Mensch mehr bräuchte eine Glatze. Du egoistisches Schwein! Hustest einfach Leute an, und gibst nichts von deinen ganzen überschüssigen Haaren ab. Das darf doch wohl nicht wahr sein.

Mir schräg gegenüber sitzt einer, der hat kein Gesicht. Keine Augen, keine Nase, keine Haare (Stichwort Bubikopf). Das muss man sich mal vorstellen. Das gibt es doch. Die sind ein Schatten ihrer selbst. Diese Leute – das kennt doch jeder –, die sind da, aber machen keinen Eindruck. Die hinterlassen kein Bild. Die sehen so dermaßen nach nichts aus, dass man sie nie wieder vergisst. Arme Menschen.

Ganz weit hinten sitzt eine, die hat Augen, die Leuchten auch am Tag – so hell. Allermöhe. Amy Winehouse wohnt in Allermöhe. Da vorne steht sie. Sie ist wieder da – reincarnated. Ach ne, das war Snoop Dog, öhm Lion. Pardon. Sie leuchtet auch. Ist sie es wirklich? Ich weiß es nicht, schön wäre das. Vielleicht ist sie bei Jesus. Oder Jah.

Da steht eine, die guckt ein Plakat an, und lacht. Das gibt es doch nicht. Wie kann man ein Plakat angucken und dabei lachen? Als ob es lustig wäre, ein Plakat anzugucken. Ich sehe es nicht. Ich bin so gepsannt, was da drauf ist, das gibt es nicht. Ich war noch nie in meinem Leben so auf etwas gespannt. Dann steige ich aus und gucke mir das Plakat an: »Wie kommt die Oma in das Handy?«, lustig. … Ich frage mich alles Mögliche. Was hat die Oma denn damit zu tun? Ich frage mich, was Amy Winehouse damit zu tun hat.

Braunschwarz

Eine SM-Pornodarstellerin.
Ein Musikjournalist.
Einer mit Riesenaugen.
Und dann ganz, ganz viele Andere.

Bin total überfordert. Einer von hinten guckt mir auf mein Handy. Paranoia.
Ein kahl rasierter Typ in Trainingsjacke steht da, redet über Sega und schreit seinen Sohn (!) an: »Lass das!«
»Lass das!«, sie auch. Ich sehe sie nicht. Ist aber wohl auch besser so. Er haut auch, o mein Gott. Und hat eng zusammenliegende Augen (der Klassiker).

Die SM-Pornodarstellerin hat arschschwarze Haare, ist dabei aber völlig braun im Gesicht, so pornosolariumbraun. Ich meine, wie geht das? Ja gut, braun ja, aber nicht braunschwarz. Blond (der Klassiker). Sie hat ein Überbiss. Ein Überbiss neigt ja irgendwie dazu, seinem Besitzer ein paar Zellen Hirn abzusprechen. Aber ich weiß auch nicht. Die sieht einfach so aus. Die hat so einen Vollidioten dabei, so einen, der gar nicht weiß, was er an ihr hat.
»Höe, eine Pornodarstellerin, na und?«, der labert die voll mit so einem völlig banalem Kram. Wen interessieren deine Probleme? Guck sie dir an.
»Bwwwssssbwssssbwssss.«
»Lass das!«
»Lukas!«
»Bwwwwwwrrrr.«
Die sitzt so da und denkt an den nächsten Dreh (ich will mir gar nicht vorstellen, was die da so machen – doch), und er redet von seiner Mutter oder so. Das darf doch wohl nicht wahr sein!

Markus Kavka tippt die ganze Zeit auf sein Handy ein. Hat wohl wieder den neusten Scheiß am Start. Guckt aber irgendwie die ganze Zeit so gelangweilt. Na ja, gibt jawohl nicht allzu viel Neues da draußen. Vielleicht liest er aber auch gerade die Tagesschau: »boerse.ARD.de > Meldungen > RWE will kein Öl mehr fördern

05.03.2013 14:20

Tafelsilber soll verkauft werden
RWE will kein Öl mehr fördern

Beim Energieversorger stabilisiert sich nach dem Automausstieg allmählich wieder das Geschäft. RWE konnte sein operatives Ergebnis überraschend deutlich steigern. Zudem kündigte der Versorger den Verkauf der Tochter Dea an.

Vorstandschef Peter Terium gab am Dienstag den Rückzug aus der Förderung von Erdöl und Erdgas an. Der Konzern plane, sämtliche Anteile von der Tochter Dea zu veräußern. Branchenexperten schätzen den Wert des Hamburger Öl- und Gasförderers auf mehr als vier Milliarden Euro. Dea ist hoch rentabel, verschlingt aber angeblich hohe Investitionen.
Damit beschreitet RWE einen anderen Weg als Dax-Kollege BASF, dessen Öl- und Gastochter Wintershall im vergangenen Jahr zur größten und profitabelsten Sparte im Konzern aufgestiegen ist.
Die Milliarden aus dem Verkauf kann RWE gut gebrauchen. Schließlich sitzt der Versorger immer noch auf einem Schuldenberg von 33 Milliarden Euro. Mit den bis Ende 2013 geplanten Beteiligungsverkäufen im Wert von bis zu sieben Milliarden Euro kommt Terium langsamer voran als geplant. Bislang hat RWE 2,1 Milliarden Euro aus seinen abgestoßen Beteiligungen eingenommen.

Kohlekraftwerke treiben das Ergebnis

Dank der günstigen, aber klimaschädlichen Braunkohlekraftwerken konnte RWE das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) überraschend deutlich um zehn Prozent auf rund 9,3 Milliarden Euro steigern. Analysten hatten lediglich mit knapp 8,7 Milliarden Euro gerechnet. Das für die Dividendenberechnung entscheidende nachhaltige Nettoergebnis stagnierte bei knapp 2,5 Milliarden Euro.
Für das abgelaufene Jahr hält RWE die Dividende konstant bei 2,00 Euro pro Aktie. Das entspricht einer Ausschüttungsquote von 50 Prozent.
Anleger befürchten, dass Terium künftig die großzügige Dividenden-Politik ändert. Bisher strebt der Konzern eine Ausschüttung von 50 bis 60 Prozent des Gewinns an. Diese Quote könnte auf 40 Prozent gesenkt werden, glauben Analysten.

Energieschub für die Aktien

2013 soll das Ergebnis in der Größenordnung von neun Milliarden Euro liegen, kündigte RWE an. Das Nettoergebnis werde sich weiter auf dem bisherigen Niveau von 2,4 Milliarden Euro behaupten.

Die Aktien des Versorgers legen am Dienstagnachmittag rund zwei Prozent zu und zählen zu den größten Dax-Gewinnern. Anleger honorieren vor allem den geplanten Verlauf der Öl- und Gasfördertochter RWE Dea. „Das Timing für den Ausstieg ist ideal“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.
Die RWE-Aktie erholt sich damit ein bisschen von ihren jüngsten Kursverlusten. Seit Jahresbeginn hat der Dax-Titel gut zehn Prozent eingebüßt. In den letzten zwölf Monaten betrug der Kursverlust knapp 20 Prozent.

Kurs29.00
Differenz absolut 0.32
Differenz relativ +1.12%
in mein Depot«,?
Ist ja toll. Schon mal was von Fracking gehört?

Der mit den Riesenaugen stirbt gleich. Oder schläft ein.
»Ey, lass das jetzt!«
»Drrrrriiiie.«
»LASS ES!«
Ich vermute, er stirbt eher. Schade. Sieht sonst ganz nett aus. Aber die Mütze verheißt nichts Gutes. Ich weiß nicht, das sieht man einfach. Schade.
»Ich ruf später noch an!«
»Pwwwwwsssss.«
»EY!«

Ich stehe am Bus, auf einmal steht der neben mir! Wo, um Gottes Willen, hat der sein Kind und die Mutter gelassen? Lehnt sich so an einen Zaun und raucht. Und hört Die Scheiße. Immer und überall diese weißen, beschissenen Kopfhörer! Nicht zu fassen. Warum ist hier keiner, der ein Buch liest? Doch, einer (zweihundert Seiten). Ein Dicker mit Schnäuzer – wie fährt dieser bekacktbehinderte Scheißbusfahrer eigentlich? Hallo!, ich möchte morgen auch nochmal die Sonne sehen –, der Kinder anguckt, wie man Kinder nicht angucken sollte. Der sollte auch keine Bücher lesen. Ein Altgriechischlehrer.
Dann steigt der Kerl aus, der sein Kind immer angeschrien hat. Ein Trauerspiel.

Sauna in Dosen

Julian Casablancas ist alt geworden. Und fett. Beim Einsteigen schmeißt er sein Hab und Gut zwischen Bahn und Gleisen auf die Schienen – zwei Kilo Taschentücher vielleicht. Lange nichts mehr von denen gehört. Die Scheiße ist aber auch nicht besser. Schreibe ich nach Abklatsch? Nach Abklatsch einer alten, goldenen Zeit, als Busfahren noch ein echtes Abenteuer war?
Kennedybrücke, Hamburg ist geil. Die Sonne scheint, und der Himmel brennt.
»Wir waren in letzter Zeit öfters in der Sauna.«
»Da hatten wir auch immer die Dosen mit.«, Julian mit seinen Dosensaunen.
Saunen in Dosen. Sollte man ja auch wirklich nicht übertreiben.
»Freue mich auf Sommer!«
»Ja, am See!«
Es gibt jetzt ja so transportable Saunen. Die kann man sich dann auch in den Garten stellen.
»Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch für die, die eben erst zugeschaltet haben: Sauna in Dosen! Jetzt bestellen, und nur heute zum Sonderpreis von fünfzehntausendneunhundertneunundneunzig Euro! Meine sehr verehrten Damen und Herren – nur noch drei Saunen in Dosen vorhanden. Zwei!, es wird eng. Ich kann ihnen nur sagen, rufen sie an, sie werden es nicht bereuen. Saunen in Dosen revolutioniert das Saunieren.«

Bus. Eine geiler als die andere. Nur Ärsche. Hauptsache Leggings, auf Facebook, fast so geil wie Bang Your Friends. Kann sich kein Mensch vorstellen. Die unterhalten sich. Was soll denn das? Gib mir deine Nummer! Sie tut es nicht, ich trau mich nicht.

Ein junger und ein alter Hipster unterhalten sich über Fußball oder so. Rechter Verteidiger – ist das Fußball? Scheiß egal. Der Junge – das gibt es nicht. Der hat so eine dicke, gelbe Jacke und so eine dunkelrote Hose (bordeaux) an. Schöne Schuhe. So lange schon sehen wir uns Morgen für Morgen im Bus und lassen uns stillschweigend unsere Hochachtung zukommen. Man kennt sich, versteht sich auch ohne Worte. Sympathie und Empathie geben sich ein Stelldichein. Aber jetzt redet der von Fußball (oder so). Und von Trainingsleistung, Saison, Winter und so weiter. O mein Gott.
»Aber der war im Tor. Der war gut, haben sie gesagt, nur zu klein.«, blabla.

Zwölftausend Stunden, achtzig Busse und fünf Horizonte später (oder so) reden die immer noch: »Ah, aber jetzt spielt er bei denen.«
»Ja, ist aber gar nicht schlecht…«, mir wird übel. Das gibt es doch nicht. Wie kann denn sowas sein? Wie kann so jemand überhaupt existieren (Stichwort Horizont)? Ich halte es nicht mehr aus.

Wo sind die Mädchen? Ganz vorne im Bus. Das sehe ich ganz genau. Werde schon wieder ganz geil. Das war aber auch nötig nach so viel Blabla. Aber dann steigen die aus. Das darf doch wohl nicht wahr sein, wollte die doch noch mit in die Sauna in Dosen nehmen.

Es ist schon wieder hell. Zaubernüsse blühen. Der Frühling kommt.