Nanomenschen

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Besoffen. Soll ich mich freuen?

Mitten in der Nacht. Der verfickte Bus kommt trotzdem zu spät.
Neben mir sitzt schon wieder ein so ein beschissener Massenvergewaltiger / Mörder. Hat seine kack Leichenteile in zwei gelben Plastiktüten dabei. Kapuze, unrasiert, nicht aus dieser Stadt. Dreht sich einen Joint mitten im Bus. Na gut – mm, riecht das lecker. Aus seinem Rucksack ragen Bierdosen wie Atemgeräte. Ich weiß nicht, was er vorhat. Aber er sitzt da. Sitzt da und sieht aus wie das letzte Stück Scheiße, aber er dreht seinen Joint in derart graziler Weise, dass man meinen könnte, man hat es hier mit einem Nanotechnologieingeneur zu tun. Heißt das so? Jetzt verstehe ich auch, warum der so tiefe Krater im Gesicht hat. Der musste sich Teile seiner Haut (Gesicht) entfernen, um seine Nanomenschen zu konstruieren, die ihm dabei helfen, seine Opfer auszuweiden, bevor er sie vergewaltigt. Ich habe Angst.

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»Nächste Haltestelle.«
Super. Nächste Haltestelle. Wie mein Leben. Nächste Haltestelle – gibt es nicht.

Ich frage mich, wo die ganzen Fabriken herkommen.
Ich frage mich, wie lange ein Bus fahren kann.
Meier-Straße oder so.
Ich frage mich.

Wo ist das Domrad? Das Original?
Hauptbahnhof.

Ich zerschmelze zu einer Metamorphose aus mir selbst und ein so einem Hipster. Fenster, Spiegelbilder – traue nie ihrem Schein.
Ein Hipster (Undercut), ein Drews – weiß nicht, der sieht so aus, hässlichkaro-farbenes Hemd, hässlichkarierter Schaal (falsch gewickelt) und Haare wie Guile (Street Fighter) – und ein Schwarzer, der immer wieder »Gestern.« sagt. Der redet wie dieser scheiß Kloputzcomedian. Warum?
Es gibt Schuhe, die tragen nur Menschen ab einem bestimmten IQ.

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Der schläft ein. In Zeitlupe – ganz langsam sackt er in sich zusammen und lässt den Brotkrumen fallen, den er hält. Dann fummeln alle an ihren Handys rum. Alle! Hören, daddeln, chatten. Abhängig. Keine Seele. Tot. Weiße, rote, grüne (!) Kopfhörer fladdern aus ihren Ohren und verdammen sie in eine grausame Welt aus Ton und Musik. Wie ich sagte, Musik. Manipulation, Tot,

Massenmörder.

Ihr dritter Blick

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Beinfreiheit.
Ohnmacht.
Um zurück.

Alles, was 22 Uhr,… ist, ist lächerlich. Zeit. Früh. Genug.
O Mann, die tut mir so leid. Sieht eigentlich ganz geil aus. Aber die Augen. Eng. Und die Zähne, Hase. Doofdoofdoof.
»Das Ende vom Lied, sie werden es alle bei mir machen.«

Da sitzt der Schlagzeuger von Gossip. Wie heißt der denn? Interessiert ja keinen.

Ein kleiner Schwarzer, und ein kleiner Dicker. Und einer, der headbangt. Hat aber keine langen Haare.
»Iffei lost ju, flof fackin laff ju!«, singt nur was. O Gott ist das peinlich. Aber schon wieder geil irgendwie.
Hat eine Brille auf, die ist dreizehn Kilometer dick. Seine Augen verschwinden darin und lassen nicht mehr als zwei mickrige Punkte Blindheit zurück. Ein Trauerspiel.
»Hnä nä nä!«

»Flof fack laffin JUUU!«

Die checkt mich ab. Helle Augen. Husky. Eisbär. Tiefe ist das da drin. Arroganz. Macht mich ganz geil. Sieht, dass ich eine Weste trage. Geil, hätte ich ja gar nicht gedacht, dass das noch wer trägt. Dann schaut sie auf meine Schuhe. Richtig, die sind ja noch wichtiger. Aber ich habe verloren. Denn erst ihr dritter Blick gilt meinem Schritt.

Der Massenmörder mit den orange-farbenen Kopfhörern da hinten überlegt sich die ganze Zeit, ob er sie zuerst ficken soll oder danach.
Vielleicht belebt er sie ja noch mal wieder. Dann hat er mehr davon. Im Krieg haben sie ihm gezeigt, wie das geht.
Die Schnüre um die Arme.
Das erste Mal.
Die Schnüre um den Hals.
Das zweite Mal.
Die Schnüre um zurück.
Das dritte Mal.

»Das erste Mal tat’s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr.«, tröt.
Tat aber nie was weh.

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Sie guckt mich wieder an. Ich will dich ja nicht umbringen. Mir reicht auch ein Mal (selbst Affen wichsen lieber als Kriege zu führen; stand da letztens, im Spiegel).

Warum steigen gerade die Wichser nicht aus, die auf den einzigen scheißverfickten (danke Autokorrektur, für die Wortergänzung – wow!) Plätzen sitzen, auf denen man den aberwitzigen Fahrallüren des Busses / Busfahrers nicht komplett hilflos ausgesetzt ist? Der Massenmörder hat ja nun weiß Gott andere Probleme!
Gossip fliegt auch durch den Bus.

Der Schwitzer

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Da türmen sich Fabriken auf. Mein Gott, so viele hab ich noch nicht gesehen. Wir fahren auf den Deich. Und ich sehe sie alle hell erleuchtet im Sonnenlicht, so hell, dass sie ein Gefühl von Schönheit vermitteln. Geborgenheit. Vollkommenheit. Der Himmel ist schwarz, doch die Fabriken strahlen. Rauch, Wolken, Schlote und Sonnenstrahlen. Glanz und Schwarz. Leben.

Steht so ein Typ mitten an der Bushaltestelle und pisst da hin. Holt seinen dreckigen Schwanz raus und pisst da einfach hin. Dann holt er ein Päckchen raus und dreht sich eine. Hört iPhonemusik und wartet wie die anderen auf den Bus. Ja, nur weil da Schwanz steht, musst du jetzt aber nicht alles mitlesen. Die neben mir guckt mir die ganze Zeit auf das Telefon. Sieht geil aus. Glaube ich. Ich sehe sie schlecht. Dann geht sie. Ist eine Intarsienfachfrau. Nur jung und schön. Ein bisschen gothic. Within Temptation hört die. Unschuldig, ein bisschen böse möchte sie sein. Bleibt einem ja auch nichts anderes übrig – Intarsien.

Dahinten geht Amelie. Der Klassiker. Jung, hübsch, französisch. Ob sie es mit dem Mund macht, will ich wissen. Aber ich kann sie ja nicht einfach fragen (ich stelle mir vor, ich frage sie einfach, und sie sagt ja, und ich muss aussteigen).

Vor mir steht ein Berg. Ich sehe die Sonne nicht mehr. Geht ja auch gar nicht. Hauptbahnhof.

Herrgott. Es ist mitten am Tag. Ich will doch nur Bus fahren. Sitzen überall tausend beschissene Scheißkinder rum. Ich muss mich übergeben.
»Lion, Lion, Lion!«
»Kaleb!«
»Calippo, Calippo!«
»Kalbfleisch!«
Ich weiß es nicht. Ich verstehe die nicht. Sage diesem kleinen Pisser, dass ich da hin will. Der hat seinen verkackten Rucksack da stehen.
»Kalbfleisch! KALBFLEISCH!«
Jetzt schreit auch noch ein Baby. Das überlebe ich nicht.
»Melayne Nummer zwei. Melayne Nummer zwei!«
»Fick dich!«
Dann nimmt der Pisser seinen Rucksack weg. Aber es wird immer voller. Meine Nerven liegen blank. Innerhalb weniger Sekunden ist meine Lebenszeit um die Hälfte gesunken. Warum gliedert man die nicht aus? Systematisch.
»McNeal!«

O Gott ist das eklig. Zwei so richtig Geile setzen sich neben mich. Und dieser Kerl dahinten glotzt die – wirklich wahr – die ganze Zeit von oben bis unten an. Deutschlehrer. Khaki-(oder beige-, dasselbe)-farbenes Hemd mit Unterhemd. Brille. Locken. Tourette. Er zappelt. Bebt innerlich. Hat sie da schon fünf Mal gefickt. O Gott, jetzt schwitzt der auch noch. Kleine, hässliche Tropfen Schweiß setzen sich auf seiner schlecht rasierten Oberlippe ab. Er leckt sich die ganze Zeit über die Lippen. Seine Zunge reicht bis in ihren Schritt. Dann wischt er sich mit seinem Arm durch das Gesicht. Seine Haare werden fettig. Der Schweiß läuft aus allen Poren. Da steckt ein Kugelschreiber in seiner Hemdtasche. Zwischenzeitlich versucht er wegzugucken. Aber es klappt nicht. Er ist zu geil. Immer wieder von oben bis unten. Auch der letzte Blick kurz bevor er aussteigt gilt seinen Fickmusen.

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Calippo war doch ein Eis.